Untersuchungen mit Anwohnern in Wilstedt nach zwei Jahren abgeschlossen

Studie: Windparks verursachen keinen Lärm

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Rolf Struckmeyer und Bertram Trauerschmidt waren zwei der Teilnehmer, die die Geräusche der „Spargel“ aufzeichneten.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Das ständige „Wsch Wsch“ im Hintergrund, das tiefe Wummern, Schlaf raubend und krank machend für einige: Es ist kein Lärm. Das ist nun wissenschaftlich belegt. Zwei Jahre lang haben Umweltpsychologen von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in Wilstedt die Geräuschbelastungen durch Windenergieanlagen untersucht. Eine weltweit bislang einzigartige Studie, deren Ergebnis jetzt vorliegt: Die „Spargel“ stellen keine unzumutbare Lärmbelästigung dar.

212 Bürger beteiligten sich an der Studie. Sie wurde ins Leben gerufen, weil sich Mitglieder der örtlichen Umweltgruppe „Natürlich Wilstedt“ vehement gegen das 30-Millionen-Windpark-Projekt am Rande der Gemeinde gewehrt hatten. Vergeblich – neun rund 150 Meter hohe Windräder gingen im Juni 2009 in Betrieb. „Kein Gericht der Welt hätte entschieden, dass die Dinger wieder abgebaut werden müssen“, sagt Ratsherr Rolf Struckmeyer, einer der größten Kritiker der „Spargel“. Da die rund 25 Mitstreiter der Gruppe nicht locker ließen, regte das Verwaltungsgericht Stade schließlich einen Vergleich zwischen dem Betreiber, dem Bremer Windenergie-Giganten WPD, und der Gruppe an. Die tatsächlichen Belastungen, die objektiv gegen keine Richtlinien verstoßen, sollten untersucht werden. Dem nahm sich die Uni Halle in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) schließlich an.

Die größten Belastungen, sagen die Kritiker – allesamt nach eigener Aussage übrigens Verfechter der Energiewende, aber in „gesunder“ Form –, sei das Auf und Ab des Geräuschpegels. „Amplitudenmodulation“ nennt das die Fachwelt. Und auch die Studie hat diese als störendstes Element ausgemacht. Mittlerweile arbeite die Industrie ein Modifikationen der Rotoren, um diese zu verhindern, so Struckmeyer gestern: „Damit haben wir schon eine Menge erreicht.“

Insgesamt meinten aber 30 Prozent der Anwohner, dass sie die Betriebsgeräusche der Anlagen gar nicht hören. „Es kann also gesagt werden, dass Windpark-Geräusche nicht grundsätzlich als Lärm beschrieben werden können“, sagte der Forschungsleiter der Universität Wittenberg, Johannes Pohl, bei der Präsentation der Ergebnisse in Osnabrück. „Ob die Windpark-Geräusche als störend wahrgenommen werden, hängt kaum von dem tatsächlichen Geräuschpegel ab“, erklärte Pohl. Ein tropfender Wasserhahn könne so sehr viel eher als Lärm empfunden werden als Musik. „Ob ein Geräusch als Lärm wahrgenommen wird oder nicht, ist hauptsächlich von der Einstellung der befragten Person zu der Geräuschquelle geprägt.“ Windparks dürfen nach den bundesweiten Immisionsschutzrichtwerten maximal 45 Dezibel laut werden, sagte Pohl. Ein anspringender Kühlschrank habe etwa 50 Dezibel, ein Gewitter durchschnittlich 130 Dezibel. Die Windparkgeräusche würden als vergleichbar mit Verkehrslärm empfunden.

Immerhin zehn Prozent der an der Studie beteiligten Anwohner klagen jedoch über Schlafprobleme, Gereiztheit und negative Stimmung, ausgelöst durch die Schallwellen der Rotationen. Die Anwohner wurden im Laufe der Studie mehrfach ausführlich befragt, erhielten Audiorekorder und Beschwerdebögen, zudem wurden im Herbst von Windpark-Betreiber WPD verschiedene Szenarien mit nächtlichen Abschaltungen durchgespielt, ob der Betriebsmodus Einfluss auf die Geräuschentwicklung hat. Mit dem bekannten Gesamtergebnis, das auch durch eine Vergleichsstudie mit 13 anderen Standorten bestätigt wurde. Pohl: „Mehrheitlich bewerten die Befragten den Windpark eher positiv. Von ihm geht grundsätzlich keine Belästigung aus.“

Wilstedt sei kein Einzelfall, betonte Dirk Schötz von der DBU: „Die von dort stammenden Ergebnisse können auch auf andere Windparks übertragen werden.“ Die Studie sei auch deshalb von großer Bedeutung, weil sie die Sorgen und Nöte der Menschen ernst nehme. Das gesellschaftliche Großprojekt der Energiewende könne nur gelingen, „wenn nicht über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden wird“.

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