ACE-Aktion soll Menschen für Anschnallpflicht sensibilisieren

Unscheinbarer Lebensretter

Jürgen Wagner (v.l.), Heiner van der Werp und Lars Klingbeil machen auf die Aktion „Komm Gu(r)t an“ aufmerksam. - Foto: Quebe

Rotenburg - Von Inken Quebe. Er ist wenig beachtet, gehört zum Auto dazu, aber er kann Leben retten: Den Sicherheitsgurt nutzt immer noch nicht jeder, obwohl es in diesem Jahr seit 40 Jahren eine Anschnallpflicht gibt. Mit der Aktion „Komm Gu(r)t an“ möchte der Auto Club Europa (ACE) verstärkt auf das Thema aufmerksam machen und sensibilisieren und hat deshalb in verschiedenen Städten in Deutschland gezählt, wie viele Fahrer sich nicht angeschnallt haben –  auch in Rotenburg.

Laut ADAC liegt die Anschnallquote in Deutschland bei 98 Prozent. Zumindest die Stichprobe in Rotenburg hat ein leicht abweichendes Ergebnis gezeigt. Der ACE-Kreis Rotenburg hat mit zwei Mitgliedern vor rund zwei Wochen einmal eine Stunde lang an der Ampel Harburger Straße/Ecke Berliner Ring und eine halbe Stunde am Kreisel Brauerstraße/Mühlenstraße gezählt. Das teilt der stellvertretende Kreisvorsitzende Jürgen Wagner mit. An der Ampel Harburger Straße haben er und sein Kollege demnach insgesamt 736 Fahrer gezählt, davon waren 44 nicht angeschnallt, berichtet Wagner. Das sind sechs Prozent. Bei den Beifahrern habe sich dort ein ähnliches Bild ergeben: Von 176 gezählten Beifahrern waren zehn ohne Sicherheitsgurt unterwegs – eine Quote von 5,7 Prozent.

Bei 706 Fahrern waren 69 nicht angegurtet

Noch schlimmer war es am Kreisel an der Brauerstraße/Mühlenstraße. Von 706 Fahrern waren 69 nicht angegurtet (9,8 Prozent). Bei den Beifahrern waren es 15 Unangeschnallte von 146 Personen (10,3 Prozent). Zusammengerechnet ergibt sich aus den Ergebnissen eine Quote von insgesamt 7,8 Prozent ohne Sicherheitsgurt, sowohl für Beifahrer als auch Fahrer. Zum Vergleich: Auch in Walsrode hat der ACE gezählt, dort waren 5,5 Prozent der Fahrer und 6,7 Prozent der Beifahrer nicht angeschnallt, berichtet Wagner.

Bereits seit 40 Jahren gibt es die Gurtpflicht. - Foto: dpa

Dabei rette der Sicherheitsgurt alle sieben Sekunden ein Leben. Nach ACE-Recherchen war 2014 bundesweit durchschnittlich jeder fünfte Verkehrstote zum Zeitpunkt des Unfalls nicht angeschnallt. Eine Zahl, mit der auch Lars Klingbeil, SPD-Bundestagsabgeordneter und Schirmherr der Aktion „Komm Gu(r)t an“, nicht gerechnet habe. „Ich wusste nicht, dass das so ein großes Thema ist“, gibt er zu. Im Zuge der Aktion habe er sich auch mit der Einführung der Gurtpflicht beschäftigt. Die Anschnallpflicht tauchte erstmals zum 1. Januar 1976 in der Straßenverkehrsordnung auf. „Es hat sechs Jahre gedauert, bis das Gesetz verabschiedet wurde“, hat Klingbeil herausgefunden. Damals habe es Diskussionen gegeben, ob so ein Gurt nicht die inneren Organe verletzen könne.

Der Rotenburger Polizeisprecher Heiner van der Werp sagt, dass sich durch die Pflicht zum Sicherheitsgurt etwas verändert hat. „In den 80er-Jahren hatten wir im Landkreis Rotenburg immer um die 50 Verkehrstote pro Jahr“, berichtet er. Zwar hat es damals schon die Anschnallpflicht gegeben, viele hätten sich aber nicht daran gehalten. Inzwischen liege die Zahl der Verkehrstoten im Landkreis seit einigen Jahren stabil bei unter 20. „Die Gurtpflicht ist ein Grund dafür“, sagt van der Werp.

Paket- und Briefzusteller sind von der Gurtpflicht befreit

Wer von der Polizei erwischt wird, dem droht ein Bußgeld in Höhe von 30 Euro. Sind außerdem Kinder mit an Bord, ist die Regel noch strenger. Sitzen diese ohne Erhöhung im Auto, kostet es 35 Euro und es gibt einen Punkt in der Verkehrssünderkartei in Flensburg, erzählt van der Werp. Übrigens: Paket- und Briefzusteller sind von der Gurtpflicht befreit, weil sie sich lediglich einige Meter zurücklegen. Eine Ausnahmeregel gab es auch mal für Taxifahrer mit Fahrgästen. Diese ist vor zwei Jahren aber gekippt worden, so van der Werp.

„Viele Fahrer haben eine Ausrede“, erklärt der Polizeisprecher weiter. Beispielsweise, dass es nur eine kurze Fahrt sei. Aber: „Gerade auf kurzen Strecken passieren die meisten Unfälle“, sagt Jürgen Wagner, der findet, dass das Bußgeld eigentlich noch zu niedrig sei. „Aber eine höhere Strafe führt meist nicht zu einer größeren Einsicht“, glaubt er.

Mindestens zwölf Fahrer hatten ein Handy am Ohr

Manch ein Fahrer geht sogar sehr trickreich vor, um sich nicht anschnallen zu müssen, ist Klingbeil aufgefallen. Neue Fahrzeuge geben ein akustisches Signal ab, wenn jemand unangegurtet im Auto sitzt. „Manche machen den Gurt einfach vorher fest und setzen sich dann drauf“, erzählt Klingbeil. Auch bei der Stichprobe in Rotenburg ist dem ACE so ein Fahrer aufgefallen. „Das ,außer Betrieb setzen’ der Sicherheitseinrichtungen führt zum Erlöschen der Betriebserlaubnis“, warnt Wagner.

Mehrere Erwachsene hätten außerdem den Gurt zu Hoch am Hals angelegt – viel zu gefährlich bei einem Unfall, so Wagner. Mindestens fünf Mal seien Kinder außerdem nicht oder mit nicht geeignetem System gesichert gewesen. Und: „Mindestens zwölf Fahrer hatten ein Handy am Ohr“, so Wagner. Er und sein Beobachter haben sogar einen doppelten Verkehrssünder ausgemacht: Ein Lkw-Fahrer sei im Kreisel unangeschnallt mit Smartphone „erwischt“ worden.

Auch die Polizei in den norddeutschen Bundesländern plant übrigens für den 14. September eine Aktion, bei der die Beamten einen Tag lang verstärkt auf die Sicherheitsgurte achten.

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