Unfallfotos auf sozialen Netzwerken / Feuerwehr appelliert an Menschlichkeit

Eine neue Art des Gaffens

Fotos und Informationen von tödlichen Unfällen auf sozialen Plattformen treffen Angehörige meist unvorbereitet. Archivbild: Feuerwehr
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Fotos und Informationen von tödlichen Unfällen auf sozialen Plattformen treffen Angehörige meist unvorbereitet. Archivbild: Feuerwehr

Rotenburg - Wenn die Feuerwehr kommt, muss in der Regel alles ganz schnell gehen – es geht um Minuten und manchmal auch um Menschenleben. Häufig sind bei den Einsätzen Feuerwehr-Pressesprecher dabei. Diese tragen an der Einsatzstelle eine grüne Weste und sind für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Sind Medien vor Ort, stehen sie ihnen zur Verfügung und erläutern den Einsatzverlauf, schreiben aber auch selbst Berichte, die sie der Presse weiterleiten. Dabei ist ein professionelles Verhalten wichtig, erklärt Feuerwehr-Kreispressesprecher Oliver Hein.

Die Feuerwehr ist aber auch bei tragischen Einsätzen vor Ort, bei denen es Verletzte oder auch Tote geben kann. Die Pressesprecher berichten dann sachlich und professionell über die Einsatzarbeit der Brandschützer und deren taktisches Vorgehen. „Dabei ist natürlich besonderes Fingerspitzengefühl gefragt und auch die Informationen sind sehr sensibel“, betont Hein. Für die Berichterstattung auf den Internetseiten der Feuerwehren hätten sich die Pressesprecher daher eine 24-Stunden-Pietätssperre auferlegt, wonach bei Einsätzen mit Verletzten oder Toten erst einen Tag nach dem Einsatz ein entsprechender Bericht auftaucht.

Dabei lässt sich die Feuerwehr bewusst Zeit. Die Angehörigen sollen nämlich nicht über eine Homepage vom Tod eines Angehörigen erfahren, sondern durch professionelle Kräfte wie Polizei oder Seelsorger auf diese Nachricht vorbereitet werden. So erhalten die Menschen Hilfe und Unterstützung, um mit der Situation umzugehen.

„Jeder stelle sich nur mal für sich selbst vor, wie das wäre: Ich liege gerade gemütlich auf dem Sofa und dann macht sich das Smartphone bemerkbar. Und ich sehe auf dem Display ein Auto, das ich kenne“, so Andreas Hellmich, der Leitende Notfallseelsorger im Kirchenkreis Bremervörde-Zeven. „Ich stehe ganz allein da und bin mir selbst überlassen. Warum? Weil es einer nicht abwarten konnte und mal eben etwas in das soziale Netzwerk gestellt hat, ohne sich Gedanken zu machen, was er damit auslösen kann.“

„Notfallseelsorger können zwar nicht das Leid nehmen, aber sie können Beistand leisten“, betont Hellmich weiter. Auch werde vielfach in sozialen Netzwerken übertrieben. „Zum Beispiel bei dem Explosionsunglück in Ritterhude wurde verbreitet, dass es 30 bis 40 Tote gegeben habe. Erschütternd, aber schlichtweg eine Falschmeldung. Die Verantwortung dafür übernimmt keiner,“ ergänzt der Seelsorger.

Problematisch sind an diesem Punkt die heutigen technischen Möglichkeiten. Schaulustige können noch vor Eintreffen der Rettungskräfte oder während der Rettungsarbeiten Bilder machen und sie direkt online stellen. Je schlimmer ein Ereignis ist, desto schneller verbreite es sich im Netz und kann so mitunter auch Angehörige erreichen. „Gedankenlosigkeit, die Menschen weiteres Leid zufügt. Als ob der Unfall nicht schon schlimm genug wäre“, so Hellmich.

Die Feuerwehr appelliert daher, das Handy an den Einsatzstellen für den Notruf zu nutzen und keine Bilder und Informationen ins Internet zu stellen. Der Bericht wird dann von der Feuerwehr veröffentlich – so schnell wie möglich, so langsam wie nötig.

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