Umweltaktivist Andreas Rathjens erkundet Bohrstellen mit US-Organisationen

„Niemand weiß, welche Last wir zurücklassen“

Andreas Rathjens
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Andreas Rathjens

Rotenburg - Andreas Rathjens ist lokaler Mitstreiter der Bürgerinitiative „Sauberes Trinkwasser“ und kämpft gegen Fracking. Gemeinsam mit Vertretern der US-amerikanischen Organisationen „FracTracker Alliance“ und „Ecologic Institute“, die sich mit den Praktiken der Erdgas- und Erdölförderung auseinandersetzen, machte er eine Rundreise durch den Südkreis Rotenburg.

Die Gäste hatten vor einigen Wochen in Rotenburg einen Diskussionsabend zu dem Thema mit veranstaltet, deshalb zeigte Rathjens ihnen zehn Förderanlagen und eine Aufbereitungsstelle. Im Interview berichtet der Landwirt Rathjens von den Gesprächen mit den US-Umweltaktivisten und den Hintergründen.

Herr Rathjens, was war der konkrete Anlass der Rundreise?

Andreas Rathjens: Das, was wir beim Diskussionsabend gehört hatten, wollte ich bei dieser Rundfahrt in der Praxis ergänzen.

Wie sahen die Reaktionen der amerikanischen Fracking-Gegner aus?

Rathjens: Sie waren überrascht und hätten nicht vermutet, dass es in einem hoch industrialisierten und technisierten Land wie Deutschland solche Zustände zu sehen gibt.

Worauf bezieht sich das speziell?

Rathjens: Bei einem Teil der Förder- und Aufbereitungsplätze wird die Sicherheit nur mangelhaft berücksichtigt. Zum Beispiel kann das Oberflächenwasser ungehindert in den Vorfluter oder in die Gräben ablaufen. Inzwischen haben die Förderfirmen reagiert und Sicherheitssysteme eingebaut. Aber leider noch nicht auf allen Förderplätzen.

Die Situation lässt sich kaum mit den in den USA geschilderten Zuständen vergleichen. Es heißt, dass zum Beispiel mit Handtüchern Gasrohre abgedichtet wurden.

Rathjens: Das ist richtig. Wir müssen allerdings von anderen Dimensionen ausgehen: Wir haben keine 1,7 Millionen Bohrungen. Was ich allerdings kritisiere, ist, dass die Konzerne nicht konsequent genug mit den Gefahrstoffen für Flora und Fauna umgehen.

Dennoch scheint die Situation in den beiden Förderstaaten Deutschland und USA ähnlich.

Rathjens: Richtig, leider fehlt es bei uns immer noch an wissenschaftlichen Studien. Bei der Ursachenforschung ist die Politik gefordert. Ich möchte wissen, ob unsere Heimat heute und in Zukunft lebenswert ist und bleibt, oder ob wir zu Wirtschaftsflüchtlingen werden.

Ein besonders sensibler Punkt ist die Rotenburger Rinne. Bürgermeister Andreas Weber (SPD) sprach von bisher drei Bohrungen durch das Wasserreservoir.

Rathjens: Es hat noch erheblich mehr Bohrungen durch die Rinne gegeben. Allein in Groß Meckelsen gab es drei Bohrungen im Netz der Rotenburger Rinne. Im Landkreis Verden wurden bei der Bohrung Heilsbach Z1 bei Völkersen sogar quecksilberhaltige Schlämme versenkt. Vergleichbare Altbohrungen sind uns in den Gemarkungen Söhlingen und Wittorf bekannt.

Warum waren Sie an der Versenkbohrung Wittorf Z1?

Rathjens: Durch das Verpressen von Lagerstättenwasser und dem Versenken von quecksilberhaltigen Schlämmen müssen wir uns große Sorgen um unser sauberes Trinkwasser machen. Niemand weiß heute, welche Last wir folgenden Generationen zurücklassen.

bn

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