Stadtkantor Voßmeier geht im kommenden Jahr in Rente

Aus dem „Traumberuf“ in den Ruhestand

1984 installierte die weltberühmte Firma Johannes Klais mit Sitz in Bonn die neue Orgel. Das Eichenholzgehäuse steht unter Denkmalschutz und wurde von dem Rotenburger Tischler Ernst Rinck gestaltet.

Rotenburg - Von Wienald Bonath. Nach 33 Jahren heißt es am 31. Oktober kommenden Jahres für Kantor Karl-Heinz Voßmeier Abschied zu nehmen. Der Kirchenmusiker, der über drei Jahrzehnte an der Stadtkirche und im Kirchenkreis tätig war, wird mit einem Nachfolger den Platz an der Klais-Orgel und vor den Chören tauschen. Es wird bei einem Wechsel bleiben, denn die Musik wird der jetzt 64-jährige Voßmeier niemals an „den Nagel“ hängen können. Dafür fasziniert ihn die Kunst mit den Tönen zu sehr.

Sicher ist für den in Löhne (Westfalen) als Sohn eines Mechanikermeisters geborene Kantor, der schon in jungen Jahren den Weg zur Musik mit Akkordeon, Klavier, Orgel und Posaune fand, dies: „Ich war und bin zielorientiert, halte mit meiner Meinung nicht hinter dem Berg, bin oft vorwärtsdrängend und versuche das, was ich für angemessen halte, nach Möglichkeit zu realisieren, Also ein „typischer“ Westfale – für andere nicht immer einfach, aber in der Sache zielstrebig und ehrlich.

Stadtkantor Karl-Heinz Voßmeier – im kommenden Jahr verabschiedet er sich nach über 30 Jahren in den Ruhestand. Fotos: Bonath

Unter Voßmeier – als Nachfolger von Dietmar Kreß – hat sich die Rotenburger Stadtkantorei zu einem hervorragenden Klangkörper entwickelt. Entscheidenden Anteil hatten dabei die regelmäßige Erarbeitung und Aufführung großer oratorischer Werke namhafter Komponisten und unterschiedlicher Musikepochen. Die Konzerte zeichnen sich durch besondere Ausdruckskraft und musikalische Interpretation aus. Voßmeier, der den aus über 80 Sängerinnen und Sängern bestehenden Kirchenchor besonders prägte, hat sich längst über die lokalen Grenzen hinaus einen Namen gemacht.

Hinter dem Künstler – er machte am Ravensberger Gymnasium in Herford sein Abitur – liegt ein langer und anspruchsvoller Ausbildungsweg: An der Staatlichen Hochschule für Musik in Freiburg im Breisgau studierte er bei Hans Musch und Ludwig Doerr Schul- und Kirchenmusik. 1980 machte er das A-Examen für evangelische Kirchenmusik. Diese Prüfung beinhaltet neben den praktischen Fächern Orgelspiel, Klavierspiel, Chor- und Orchesterleitung sowie Gesang auch musiktheoretische, musikwissenschaftliche und kirchliche Fächer. Schon während des Studiums war er in Bad Krozingen und in Kirchzarten als nebenberuflicher Kirchenmusiker tätig. Nach der A-Prüfung schloss sich ein Aufbaustudium Dirigieren bei Helmuth Rilling in Frankfurt an. Danach Orgel-Meisterkurse unter anderem bei Daniel Roth (Paris), Michael Radulescu (Wien) und Ludger Lohmann (Stuttgart).

Seine erste hauptamtliche Stelle übernahm der junge Kirchenmusiker in Kirchzarten (Badische Landeskirche). Voßmeier zur Orgel, der „Königin der Instrumente“: „An der Orgel interessieren mich die vielfältigen klanglichen Möglichkeiten. Die Orgel ist für mich wie ein großes Orchester, sie eröffnet immer wieder neue Möglichkeiten.“ Er ergänzt: „Die Orgel spielt im Gottesdienst eine sehr wichtige und tragende Rolle. Sie kann wie kein anderes Instrument den Gesang der Gemeinde stützen und führen, weil die Tonerzeugung der der menschlichen Stimme sehr ähnlich ist.“

Gleich zu Beginn seiner Tätigkeit als Kantor in Rotenburg im Jahr 1984 durfte er sich über ein besonderes „Geschenk“ freuen: Die berühmte Orgelbaufirma Klais aus Bonn, die jetzt die Konzertorgel in der Hamburger Elbphilharmonie installiert, baute in der Stadtkirche die neue Orgel ein, und zwar in das unter Denkmalschutz stehende, von dem Rotenburger Tischler Ernst Rinck gestaltete Eichenholzgehäuse. Damals unter Mithilfe zahlreicher Spender und Sponsoren für 600.000 D-Mark.

Neben seiner Tätigkeit als Kirchenmusiker arbeitet Voßmeier als Orgelsachverständiger in den Kirchenkreisen Rotenburg, Verden, Walsrode, Hoya und Osterholz-Scharmbeck. Innerhalb von sechs Jahren muss er die rund 150 Orgeln besuchen und begutachten, die Gemeinden beraten und Berichte schreiben. Ein Resümee nach über 30 erfolgreichen Jahren als Kantor in der Wümmestadt? Voßmeier: „Ich habe einen Traumberuf, konnte mein Hobby zum Beruf machen.“

Er denke als Kantor an die vielen ungezählten Gottesdienste und musikalischen Veranstaltungen in der Kirche, an die oft fruchtbare und intensive Zusammenarbeit mit den Pastoren. „Wir Kirchenmusiker“, sagt Karl-Heinz Voßmeier, „haben das Privileg, dass wir das Wort durch die Musik verstärken und in die Herzen tragen können.“

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