„Public Rehearsal“ begeistert mit Jazzstandards

Tiefstapelei von Individualisten

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Die fünf Jazzer aus dem Landkreis begeisterten im voll besetzten Haake Meyer mit Improvisationen zu Klassikern wie „Sweet Georgia“.

Rotenburg - Bitter-süß gestalten sich die letzten Konzerte der Kulturinitiative „Kir“ im Haake-Meyer bis zum Jahresende, denn: Ausgerechnet jetzt, wo das Ende besiegelt ist, sind fast alle ausverkauft.

Das mag an den Künstlern liegen, die „zu guter Letzt“ noch einmal gebucht wurden, oder auch daran, dass viele Besucher das Angebot im stimmigen Ambiente noch einmal wahrnehmen wollen, solange es noch geht. So auch am Freitag: „Public Rehearsal“ zog an die 60 Zuschauer in die urige Location. Und das, obwohl es die Band als solche eigentlich gar nicht gibt – jedenfalls nicht so richtig. 

Der Name, der übersetzt „Öffentliche Probe“ heißt, ist Programm: „Wir verstehen uns nicht als feste Band, sondern eher als Kern von Musikern, die sich den Jazzstandards verbunden fühlen und in wechselnden Besetzungen zusammen spielen“, so Sänger Markus Steinbach, der das Entstehen eines Netzwerks begrüßen würde.

Und Klassiker des Jazz gab's denn auch reichlich zu hören, von „Alone together“ über „Georgia in my Mind“ oder „Autumn Leaves“ bis zu„Fly me to the Moon“.

Gleich vorweg: Wenn sich einige der Akteure überhaupt nur unter der Prämisse eines „Auftritts ohne Druck“ auf das Projekt eingelassen hatten, wie Saxofonist Uwe Schale verriet, so stapelte er tief: die erfahrenen Musiker hatten sich in den rund zehn gemeinsamen vorangegangenen Proben längst gefunden. 

„Meine Kollegen sind alles geniale Instrumentalisten, – das Spannende ist, was aus dem Zusammenspiel von lauter Individualisten entsteht“, so Sänger Markus Steinbach. Er übertrieb nicht: Die profunde Beherrschung der Instrumente wurde vor allem in den Soli augenscheinlich. Detailverliebte Läufe von Keyboarder Georg Trauernicht, der – genauso wie Drummer Enno Wohlberg und Bassist Thomas Schönwälder sein Licht eher unter den Scheffel stellte oder auch die Dialoge rauchigen Tenorsax mit der Stimme von Markus Steinbach: Das machte Spaß. „Wenn man die Augen zumacht, denkt man, dass ein Schwarzer singt“, meinte „Kir-Pate“ Hans-Jürgen Eberle beeindruckt.

Herausragend gerieten an diesem Abend ausgerechnet die Stücke, die den ausgetretenen Pfad der Jazzstandards verließen. Nämlich eine Eigenkomposition von Gitarrist Oliver Schütz mit wunderschönen Motiven, in der er seinen Kollegen mit rhythmischen Off-Beat-Verschiebungen einiges abverlangte. Ebenso gelungen: Pat Methenys wunderschön kontemplatives „Travels“ , in dem das Tenorsaxofon den Part der „singenden Gitarre“ übernahm und auch der Gitarrist sein sicheres Gespür für auf den Punkt gebrachte Einwürfe zeigen durfte.

Die musikalische „Integration“ der Individualisten zwischen 30 und über 70 gelang – auch wenn man sich, wie Uwe Schale am Ende grinste, nur an eine der musikalischen Absprachen gehalten habe. Nach weit mehr als zwei Stunden wurden die Musiker aus dem gesamten Landkreis erst nach „All of Me“ und einem Ellington-Stück, frei nach Thomas Schönwälder Maßgabe „Kein Abend ohne Duke“ vom Publikum entlassen.

hey

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