Umweltausschuss empfiehlt Ausweisung einer kleinen Fläche im Gnarrenburger Moor

Tendenz pro Torfabbau

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Im Gnarrenburger Moor soll auf einer kleinen Fläche Torf abgebaut werden.

Rotenburg - Von Stephan Oertel. Wie geht es weiter mit dem Torfabbau im Gnarrenburger Moor? Wer im Kreis-Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Planung eine klare Antwort auf diese Frage erwartet hatte, musste sich vertrösten lassen. Es sind noch offene Punkte zu klären.

Der Beobachter im großen Sitzungssaal des Rotenburger Kreishauses konnte zudem den Eindruck gewinnen, dass sich einige Parteien drei Wochen vor der Kommunalwahl nicht festlegen möchten. Seit gut vier Jahren beschäftigt das Gnarrenburger Moor Landkreis und Gemeinde. Ein runder Tisch wurde gebildet, die Erstellung eines Integrierten Gebietsentwicklungskonzepts (Igek) auf den Weg gebracht, und im September 2013 mit der von allen beteiligten Gruppierungen unterzeichneten „Gnarrenburger Erklärung“ eine Grundlage für die weitere Arbeit geschaffen. Das ließ aufhorchen – auch bei der Landesregierung.

Von einer „Modellregion Gnarrenburg“ ist seither die Rede. Die hier erzielten Ergebnisse könnten Beispiel geben für eine „klimaschonende Bewirtschaftung“ im Moor und Eingang finden in das Landesraumordnungsprogramm, das Hannover neu aufstellt und zum Jahresende beschließen will. Das bislang vorrangig für den Torfabbau vorgesehene Areal im Gnarrenburger Moor soll dann in erster Linie dem Torferhalt dienen.

Torfwerke stellen Antrag

Der runde Tisch hat auch einiges auf den Weg gebracht, in einem zentralen Punkt einigte er sich aber nicht: den Torfabbau. Der ist zwar auch in der „Gnarrenburger Erklärung“ ausdrücklich aufgeführt, wird inzwischen aber von Bürgerinitiative und Landvolk kategorisch abgelehnt. Wie Landrat Hermann Luttmann (CDU) jetzt im Umweltausschuss anmerkte, gebe es für den Landkreis nun die Möglichkeit, das Igek zu beschließen, das auf einer ausgewiesenen Fläche auch Torfabbau ermöglicht, oder gar nicht zu handeln, was das Aus für den Torfabbau bedeuten würde. 

Die Mehrheitsgruppe aus SPD, Grünen und WFB favorisiert Ersteres, konkret einen von der Kreisverwaltung ausgearbeiteten Entwurf, wonach südlich von Augustendorf eine zirka 100 Hektar große Fläche zur östlichen Arrondierung der bereits bestehenden Torfabbaufläche ausgewiesen wird. Darüber hinaus schlägt sie vor, daran angrenzend weitere 50 Hektar für den Torfabbau darzustellen, dies allerdings unter Vorbehalt.

Hintergrund: Die Gnarrenburger Torfwerke haben einen Verlängerungsantrag für ein Areal bei Oberklenkendorf gestellt, das laut Volker Kullik (SPD) zu Recht auf massiven Widerstand in der Nachbarschaft stoße. Stattdessen sollte dem Unternehmen ein Abbau im südlichen Bereich des Vorranggebiets planerisch ermöglicht werden. Ist es dazu nicht bereit, bleibt es bei den 100 Hektar, so Kullik.

Für ihn steht fest, dass die abgetorften Flächen später renaturiert werden. Das wäre ein Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz und biete touristische Potenziale. Dass es außerdem um 60 Beschäftigte bei den Torfwerken gehe, spiele bei der Überlegung pro Torfabbau ebenfalls eine Rolle. Es gehe um gut 150 Hektar in einem 4.000 Hektar großen Gebiet, das sollte möglich sein, befand der Karlshöfener. Und: Erstmals habe die Kommune nun die Möglichkeit, festzulegen, wo abgetorft werden kann. Bislang hätten das die Unternehmen entschieden.

Der Zustand jetzt ist, dass auf dem gesamten Areal Torf abgebaut werden kann, rief Thomas Lauber (Grüne) in Erinnerung. Dass dies so sei, habe Hans-Heinrich Ehlen (CDU) als damals zuständiger Minister auf den Weg gebracht. Rot-Grün wolle das in Hannover nun fundamental ändern. In der grünen Kreistagsfraktion werde darüber zwar noch kontrovers diskutiert, er selbst könne aber mit dem Kompromiss leben, in Gnarrenburg einen kleinen Teil für den Torfabbau bereit zu stellen. 

Zumal sich auf dem Areal anschließend Natur entwickeln kann, wie Reinhard Lindenberg (WFB) anmerkte. Landrat Luttmann kann sich das Gnarrenburger Moor indes auch ganz ohne Torfabbau vorstellen. Man müsse sehen, was die Leute vor Ort wollen. Der Landrat verwies auf die schwierige Situation der Landwirte. Die könnten nicht auf einen Erschwernisausgleich setzen, von dem nicht sicher sei, ob er langfristig fließt. Stattdessen wäre denkbar, dass sie über eine extensive Landwirtschaft Produkte nach einem bestimmten Konzept höherpreisig verkaufen und dadurch ihre Einnahmen steigern.

„Dass überhaupt Torf abgebaut wird, kann man auch infrage stellen“, pflichtete Heinz-Hermann Holsten (CDU) bei, wenngleich er selbst durchaus Sympathie für den Vorschlag der Kreisverwaltung hege. In seiner Fraktion habe sich diesbezüglich aber wie bei den Grünen noch kein einheitliches Bild entwickelt. „Wir sind noch nicht so weit.“ Holsten plädierte daher für eine Vertagung. Der nächste Kreistag solle entscheiden.

Der Umweltausschuss empfahl schließlich – bei Enthaltung der CDU – den Vorschlag der Mehrheitsgruppe.

zz

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