Prozess gegen Straftäter, die aus dem Maßregelvollzug in Brauel geflohen waren

Täglicher Drogenkonsum im Gefängnis

Fünf Straftäter waren im Oktober aus dem Maßregelvollzug in Brauel geflohen. Nun hat der Prozess gegen sie begonnen. - Foto: Bruns

Verden - Von Wiebke Bruns. Gemeinsam waren fünf Straftäter im Oktober 2015 aus dem Maßregelvollzug in Brauel bei Zeven geflohen. Seit Freitag stehen die 22 bis 29 Jahre alten Angeklagten gemeinsam vor Gericht. Nicht wegen der Flucht, denn die ist nicht strafbar, aber wegen Raubes, gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Verhandelt wird das Verfahren von der 13. Großen Strafkammer des Landgerichts Stade, weil man dort jedoch am Montag Raumnot hatte, fand der zweite Verhandlungstag am Landgericht Verden statt. Dort wurden Vorwürfe auch in Richtung des Maßregelvollzugszentrums Niedersachsen, Fachklinik Brauel, erhoben.

In der Nacht zum 25. Oktober 2015 sollen die Männer zwei Pflegekräfte und einen Wachmann überwältigt sowie deren Schlüsselbunde inklusive Generalschlüssel und zwei Handys geraubt haben. Ein Wachmann soll an eine Heizung gefesselt worden sein. Er erlitt laut Anklageschrift einen gebrochenen Finger und einen Sehnenabriss. Bei ihrer weiteren Flucht sollen die Angeklagten Helfer gehabt haben. Sie wurden aber schon am nächsten Tag in Leer von einem Spezialeinsatzkommando festgenommen. Alle fünf Angeklagten sitzen in Haft.

Die Männer befanden sich im Maßregelvollzug, weil sie von ihrer Drogensucht befreit werden sollten. Über ihre Verteidiger ließen sie am Montag erklären, dass sie auch in Brauel konsumiert haben – die synthetische Droge Spice. Und das täglich. „Sonst wäre es nie zu der Flucht gekommen“, erklärte Verteidiger Folkert Adler aus Leer.

Als die Stationsleitung erfuhr, dass Spice im Umlauf ist, seien Sperren verhängt worden. Die Stationen durften nicht mehr verlassen werden, und kein Besuch kam mehr rein, erklärte Verteidiger Anselm Schanz. Alle fünf Angeklagten seien dann auf die Station 5 gekommen. Es soll sich um einen besonders gesicherten Bereich handeln, aber auch dort sei weiter konsumiert worden. Bei der kurzfristigen Entwicklung der Fluchtpläne spielte nach Darstellung der Verteidiger die aussichtslose Situation ihrer Mandanten und dass die Drogen ausgegangen waren, eine Rolle. „Gewalt war nicht geplant. Niemand sollte geschlagen oder getreten werden. Fest verabredet war, nichts wegzunehmen“, so Schanz.

Verteidiger Thorsten Diekmeyer schrieb der Einrichtung eine Mitschuld zu, weil diese „personell abgesoffen“ sei. Die Fachklinik Brauel sei so „gnadenlos überfüllt, dass praktisch keine Therapie mehr stattfindet“. Kommt es zum Rückfall, würde den Untergebrachten der Mut zum offenen Gespräch mit den Therapeuten fehlen. „Denn dann geht es ab in die Box 5“, wie er die Station bezeichnet. „Da hängt man dann und weiß, die schmeißen einen raus“, so der Jurist.

Als erster Zeuge wurde der überwältigte Pfleger gehört, der noch immer krank geschrieben ist. Obwohl er noch immer sehr stark unter der Tat leidet, zeigte er über die Schilderung des Geschehens hinaus keine Belastungstendenzen. „Wenn die gewollt hätten, die hätten mich ausschalten können, aber es wurde keine größere Gewalt angewendet“, sagte der 47 Jahre alte Krankenpfleger. Seine Sorge hätten dem Wachmann und den anderen Patienten gegolten. Und mit dem Schlüssel hätten die Angeklagten ins Büro gelangen können, wo die Messer aus der Küche verwahrt würden. „Ich dachte, was passiert, wenn die daran kommen“, so der Zeuge. Er habe auch versucht, die Angeklagten von der Flucht abzuhalten. Vergebens. Am Freitag wird der Prozess in Stade fortgesetzt.

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