Landvolk-Chef kritisiert Erdverkabelung

„SuedLink“: Bauern befürchten Einbußen

+
Etwa 1,80 Meter tief plant der Netzbetreiber Tennet, die „SuedLink“-Erdkabel zu verlegen.

Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Der „SuedLink“ kommt und wird aller Voraussicht nach auch im Landkreis Rotenburg durch die Verlegung von Erdkabel-Trassen bis zu 30 Meter breite Schneisen durch die Landschaft ziehen. Was für viele im Vergleich zu hohen oberirdischen Stromleitungen das kleinere Übel ist, ist für die Landwirtschaft das größere. Ihre Vertreter befürchten Ernte- und Geldeinbußen.

Jörn Ehlers, der Vorsitzende des Landvolks Rotenburg-Verden, kann den Willen der Bürger nachvollziehen. Auch er würde vom Landschaftsbild her die Erdverkabelung bevorzugen. Doch Ehlers ist Landwirt und würde die Stromleitungen lieber weit über, als nur wenige Meter unter seinen Feldern wissen. „Wir sehen die Erdverkabelung deutlich kritischer als Freileitungen“, sagt er. Denn letztere beeinflussen die Pflanzen, die in ihrer Nähe wachsen, ist er überzeugt. Ehlers ist selbst einer der Landwirte, durch dessen Grundstück die Trasse am Ende führen könnte. Wird aus der mittlerweile konkreten Möglichkeit Realität, befürchtet Ernteeinbußen.

Anstieg der Bodentemperatur

Ehlers erwartet durch die in etwa 1,80 Meter Tiefe verlegten Kabel einen Anstieg der Bodentemperatur. Das habe große Auswirkungen auf die darüber wachsenden Pflanzen, erklärt er. Ihr Wasserhaushalt verändere sich dadurch, ihr Wachstum sei geringer als üblich. Ähnliche Erfahrungen hätten er und seine Kollegen bereits mit Gasleitungen gemacht. Kommt die Stromleitung in der Erde, erwartet er „ein noch höheres Ausmaß“.

Die Stromtrasse „SuedLink“ soll auf einer Strecke von etwa 800 Kilometern den Norden Deutschlands mit dem Süden verbinden. Die Korridore sehen einen Verlauf in unterschiedlichen Varianten quer durch den Landkreis Rotenburg vor – aus Stade kommend beispielsweise über Bremervörde und Sottrum Richtung Kirchlinteln. Aber auch durch die Gegenden um Heeslingen, Scheeßel, Bothel oder Lauenbrück könne „SuedLink“ führen.

Beim Netzbetreiber Tennet kennt man die Sorgen der Landwirte und kann diese teilweise bestätigen. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es im Jahr nach den Bauarbeiten noch Einbußen gibt“, sagt Konzernsprecher Mathias Fischer. Zwischen 30 und 40 Grad könnten die Kabel warm werden, aber nur direkt an ihrer Ummantelung. Bei knapp 1,8 Metern Tiefe sei das „oben aber nicht zu spüren“. Und wenn doch, dann minimal. Seit über fünf Jahren gebe es bereits vergleichbare Erdkabeltrassen in Deutschland – auch in Niedersachsen. Tennet und auch betroffene Landwirte hätten nach Fischers Auskunft die Erfahrung gemacht, dass sich das Pflanzenwachstum in den Folgejahren auf das normale Niveau einpendelt.

Tennet gibt Landwirten eine Einmalzahlung

Laut Fischer versucht Tennet, die Umwelt der Erdkabel möglichst wenig zu beeinflussen. So würden nach dem Verlegen der Kabel etwa die Erdschichten in der richtigen Reihenfolge wieder in den Graben gefüllt werden. Schutzwürdige Gebiete könnten zudem unterbohrt werden, sodass durch sie beim Bau keine Gräben gezogen werden müssten.

Tennet zahlt betroffenen Landwirten eine Einmalzahlung, nur um die Trasse auf den jeweiligen Grundstücken bauen zu können. Diese richtet sich nach beanspruchter Fläche und Bodenqualität. Tennet hat dazu mit verschiedenen Landvolk-Verbänden bereits Rahmenvereinbarungen abgeschlossen. Im Ammerland und in Friesland beispielsweise erhalten die jeweiligen Eigentümer bei Erdkabeln 30 Prozent des von einem Gutachter festgestellten Verkehrswertes als Entschädigung. Bei Freileitungen sind es 20 Prozent. Auch kompensiert Tennet Ernteausfälle in den Folgejahren, sofern ein Zusammenhang mit der Stromtrasse nachgewiesen wird.

Landwirte würden „abgespeist“

Ehlers sieht das kritisch. Die Einmalzahlung sei „altertümlich“, die Landwirte würden damit „abgespeist“. Schließlich würde der Grundstückswert generell „auf jeden Fall sinken“, so der Landvolk-Vorsitzende. Die Trasse sei im Grundbuch vermerkt, ein potentieller Käufer müsste mit den dann abgeschlossenen Verträgen leben.

Beim Landvolk Rotenburg-Verden möchte man sich in den kommenden Wochen erst einmal informieren, orientieren und auswerten, welche Positionen zur Erdverkabelung von den Landwirten vertreten werden. Erst danach ist eine gemeinsame Position möglich. Bis Ende November läuft das öffentliche Beteiligungsverfahren zur Trasse. Für den 10. November ist zudem eine Infoveranstaltung in Rotenburg geplant.

Laut Bundesnetzagentur werde es noch mehrere Jahre dauern, bis der genaue Verlauf der Leitungen feststeht. Tatsächlich wollen die Netzbetreiber den „SuedLink“-Genehmigungsantrag auf Bundesfachplanung erst im ersten Quartal 2017 einreichen.

zum Thema:

Erdkabel ersetzen Masten und Hochspannungsleitungen

Erdkabel-Korridore führen im Osten und Westen durch den Landkreis

Mehr zum Thema:

Am Set von Gossip Girl 

Am Set von Gossip Girl 

Erdogan soll künftig per Dekret regieren können

Erdogan soll künftig per Dekret regieren können

So schön ist der Winter in unserer Region 

So schön ist der Winter in unserer Region 

Theater von Lehrern für Schüler in Bruchhausen-Vilsen

Theater von Lehrern für Schüler in Bruchhausen-Vilsen

Meistgelesene Artikel

Chefarzt wehrt sich

Chefarzt wehrt sich

Rund 30 Jahre Löwen-Punsch

Rund 30 Jahre Löwen-Punsch

Diskussion im Rathaus über Umbenennung der Lent-Kaserne

Diskussion im Rathaus über Umbenennung der Lent-Kaserne

Kommentare