Landkreis Rotenburg fällt im „Zukunftsatlas“ stark zurück

Studie sieht kaum Dynamik

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Beim Ranking haben verschiedene Faktoren eine Rolle gespielt, unter anderem Demographie. Der Landkreis Rotenburg liegt dabei im Mittelfeld. 

Rotenburg - Von Stephan Oertel. Wenn es um Aspekte wie Wohlstand und Arbeitsmarkt geht, schneidet der Landkreis Rotenburg bundesweit überdurchschnittlich ab, in Sachen Innovation und Dynamik hapert es dagegen. Das jedenfalls besagt die Prognos-Studie. Sie bewertet die Zukunftschancen von Kommunen. Danach ist Rotenburg deutlich abgefallen.

Mit Statistiken und insbesondere mit Rankings ist es so eine Sache. Als das Wirtschaftsforschungs- und Beratungsunternehmen Prognos 2010 seinen „Zukunftsatlas“ vorlegte und der Landkreis Rotenburg einen großen Sprung auf Rang 111 und damit ins obere Drittel machte, griffen nicht wenige Kommunalvertreter dies allzu gerne auf. Bei öffentlichen Veranstaltungen verwiesen sie auf die Studie, untermauerte sie doch, wie gut sich der Landkreis entwickelt. Welcher Politiker verbindet das nicht gerne mit seiner Person oder zumindest mit seiner Partei?

Das aktuelle Ranking ist dafür weniger angetan. Denn nun findet sich der Landkreis lediglich noch auf Rang 213 von 402 untersuchten Kommunen. Man ist also fast exakt wieder da, wo man 2007 stand – damals war es Rang 214. Da stellt sich die Frage: Was ist passiert, dass Rotenburg in Sachen Zukunftsfähigkeit in wenigen Jahren von so vielen überholt wurde? Und was sagt das Auf und Ab über den Wert der Studie? Anders als 2010 wird gerade letzteres nun stärker hinterfragt.

Die Prognos AG gibt dafür durchaus Anlass, empfiehlt sie doch selbst, die Platzierungen nicht eins zu eins zu vergleichen – schon weil unterschiedlich viele Landkreise und Städte untersucht worden sind. 2010 etwa waren es 412, drei Jahre später, Rotenburg war da schon auf Rang 170 gerutscht, wie bei der jetzt veröffentlichten Studie 402. Auch wurde etwa beim Indikator „Beschäftigte in den deutschen Zukunftsfeldern“ eine weitere Branche aufgenommen, die zuvor offenbar nicht als so zukunftsweisend eingestuft worden ist.

Es gibt 29 Indikatoren

Insgesamt sind es 29 makro- und sozioökonomische Indikatoren aus den Bereichen Demografie, Wohlstand und soziale Lage, Arbeitsmarkt sowie Wettbewerb und Innovation, welche die Prognos AG nach eigenen Angaben für ihre Berechnungen heranzieht. Und zwar jene, die sie für die Standortbewertung als zentral einstuft.

Zum Beispiel fließen die Bevölkerungsentwicklung und der Anteil junger Erwachsener ein, die Kaufkraft, die Kriminalitätsrate und die Zahl derer, die in Bedarfsgemeinschaften leben. Auch die Arbeitslosenquote, der Anteil der als hochqualifiziert eingestuften Arbeitskräfte, die Schulabbrecherquote sowie die Gründungs- und Patentintensität werden nach einem bestimmten Schlüssel gewichtet. Die Nähe zur Autobahn wird ebenfalls als relevant eingestuft.

Die Indikatoren sind nach „Stärke“ und „Dynamik“ untergliedert, wobei ersteres den „Ist-Zustand“ und zweiteres die Entwicklung einer Kommune beschreibt. Am Ende steht ein alle drei Jahre neu aufgelegter „Zukunftsatlas“, der zeigen soll, wie gut eine Kommune in Deutschland im Vergleich zu anderen wirtschaftlich aufgestellt ist.

Der Landkreis Rotenburg schneidet aktuell besonders mit Blick auf die Dynamik nicht gut ab. Dort belegt er Rang 293. Die Prognos AG sieht eher leichte Risiken als Chancen. Nur wenig besser die Einstufung im Bereich Innovationen. Rotenburg taucht dort erst auf Platz 277 auf.

Punkten kann der Landkreis beim Arbeitsmarkt (Rang 165) und hinsichtlich des Wohlstands (163). Für die Ersteller der Studie ergeben sich in diesen Feldern für die Zukunft eher leichte Chancen als Risiken. Mit Blick auf Demographie (220) und Stärke (192) liegt Rotenburg im Mittelfeld der 402 deutschen Städte und Landkreise. Unter dem Strich wird dem Landkreis ein ausgeglichener Chancen-Risiken-Mix bescheinigt. Ebenso wie übrigens dem Nachbar-Landkreis Verden, der im Ranking mit Rang 146 erheblich höher bewertet wird.

Dominierende Branchen sind krisenunabhängig

Erster Kreisrat Torsten Lühring erklärt die Entwicklung Rotenburgs im Prognos-Ranking unter anderem mit den dort dominierenden Branchen. Nahrungsmittelgewerbe, Gesundheitssektor, Handwerk und Logistik hätten ein starkes Gewicht im Landkreis. Diese seien relativ krisenunabhängig, weshalb die Wirtschaftskrise 2008 die Region kaum getroffen habe. Auf der anderen Seite gebe es in Zeiten guter Konjunktur dann aber auch kein überdurchschnittliches Wachstum. Das hieße: In Regionen, die stark von der Wirtschaftskrise betroffen waren und sich nun wirtschaftlich wieder erholen, gibt es deutlich mehr Dynamik, der Landkreis Rotenburg blieb dagegen weitgehend stabil.

„So eine Studie wirft ein kurzes Schlaglicht auf unsere Situation“, sagt Lühring. Ein direkter Vergleich zwischen Kleinstadt, Großstadt und Land, zum Teil aber auch innerhalb der ländlichen Regionen scheine aber schwierig. Auch über die ausgewählten Indikatoren und deren Gewichtung kann diskutiert werden, so der Erste Kreisrat.

Gleichwohl betont er: „Wir nehmen die Studie zum Anlass, die genannten Themen samt ihren Indikatoren noch einmal näher zu betrachten und sowohl positive als auch negative Bewertungen in unsere Arbeit einfließen zu lassen.“ Dazu werde man sich auch die einzelnen Faktoren der Bewertung genauer ansehen. 

zz

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