Anlieger sind gegen Geschosswohnungsbau 

Streitpunkt Stockforthsweg

+
Am Stockforthsweg wird weiter eifrig gebaut – wie hoch es hinaus geht und wie groß es wird, ist der Knackpunkt der andauernden Diskussion. 

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die Diskussion um die Erweiterung des Rotenburger Neubaugebiets am Stockforthsweg nimmt an Schärfe zu. Mittlerweile haben sich nahezu alle Anwohner des ersten Bauabschnitts an einer Unterschriftenaktion beteiligt, die sich gegen die geplanten Geschosswohnungsbauten im zweiten Abschnitt (An der Rodau) ausspricht. Bürgermeister Andreas Weber (SPD) muss als einstiger politischer Gegner des gesamten Baugebietes die Verwaltungspläne nun verteidigen – so auch am Montagabend bei einer Anliegerversammlung im rappelvollen Ratssaal.

„Das ist eine Kriegserklärung“, poltert ein Anwesender in den Vortrag von Stadtplaner Clemens Bumann, dem es an diesem Abend obliegt, das vorzustellen, was am kommenden Montag in der öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Planung und Hochbau auf den Tisch kommt. Zwar hat die Stadt auf die erste Kritik reagiert, den Anwohnern geht das aber längst nicht weit genug. Knackpunkte: der stark wachsende Anliegerverkehr durch zahlreiche Mietwohnungen und insbesondere die Höhe der weiterhin im nördlichen Bereich des Planungsbietes vorgesehenen Geschossbauten. 42 Einfamilienhäuser, zwei Geschosswohnungsbauten mit rund 20 Wohneinheiten sowie Reihenhäuser könnten geschaffen werden. Weber begründet diese Zahlen mit der weiterhin hohen Nachfrage nach Neubauten in der Kreisstadt. Auf der Warteliste stünden aktuell 207 Interessenten.

Es soll eine zweite Zufahrt geben

Bis Mitte Juli lag der erste Entwurf für Stockforthsweg II öffentlich aus, nun folgt die überarbeitete Fassung. Und die birgt einige Änderungen: Es soll eine zweite Zufahrt in das Plangebiet über eine dem Eisvogelweg gegenüberliegende Straße geben, im südlichen Bereich könnte ein Spielplatz entstehen, der Lärmschutzwall wird für die Zufahrt zum Kleingartenverein „Heideblick“ unterbrochen. Und: Die maximale Höhe der Geschossbauten wurde auf jetzt maximal 12,5 Meter inklusive Satteldach festgelegt – ähnlich dem Neubau, der in den kommenden Wochen an der Straße Hemphöfen neben der Kantor-Helmke-Schule fertiggestellt wird. Die Gestaltung der Ausbaustraßen nach der Bauphase werde mit den Anwohnern ausgearbeitet. Bumann: „Mit diesen Festsetzungen denken wir, dass es sich besser einfügt.“ Alle Grenzwerte bisheriger Gutachten und Richtlinien würden eingehalten. Auch Weber sagt „Dieser Geschosswohnungsbau passt in das Baugebiet“ und meint damit nicht nur die optischen Korrekturen in den Vorgaben der Stadt, sondern vor allem das politische und soziale Ziel der Durchmischung eines Wohngebietes mit unterschiedlichen Wohnformen für verschieden große Einkommen.

Anwohner fühlen sich betrogen

Für die neuen Anwohner des ersten Bauabschnitts ist das aber nicht akzeptabel. Sie befürchten einen Preisverfall ihrer Häuser und Grundstücke, für die sie bis zu 145 Euro pro Quadratmeter bezahlt haben. Und die Kritikpunkte derer, die die Protestliste unterschrieben haben, ist noch länger: starke Einschränkung der Privatsphäre durch Blicke aus den höheren Wohnungen, hohe Verkehrsbelastung und eine damit einhergehende Gefahr für Kinder, eine unpassende Bauweise zu den übrigen Wohnhäusern und die Täuschung der Grundstückskäufer. Denn die, das untermauert Initiator Maik Weße in der Anliegerversammlung gleich mehrfach, fühlen sich „hintergangen“ und „betrogen“. Während der Verkaufsgespräche für die Grundstücke sei von den städtischen Mitarbeitern versichert worden, dass im zweiten Bauabschnitt lediglich Einfamilienhäuser gebaut würden. Nun komme alles anders.

Ändern wird sich wohl schon Anfang 2017 auch die Einfahrt zum Wohngebiet. Das Landesamt für Verkehr habe die Linksabbiegerspur von der Bundesstraße 440 in Aussicht gestellt, die Stadt müsse allerdings die Kosten tragen, so Weber. Zudem bestätigt Tierarzt Lutz Körner, dass die Tierklinik Wiedaugrund am Eingang des Neubaugebiets, um deren Einbindung es lange Streit gegeben habe, spätestens 2018 geschlossen werde. Die frei werdenden Flächen könnten ebenfalls bebaut werden, heißt es während der Anliegerversammlung. Und schließlich sorgen die zumindest skizzierten Entwicklungspotenziale des Gebietes, die Stadtplaner Bumann eingearbeitet hat, für Verwunderung – denn sie berücksichtigen bereits einen Ausbau auf den Flächen, die noch der Kleingartenverein und der Reitstall belegen. Das müsse eine auf Jahrzehnte vorausschauende Planung berücksichtigen, heißt es, ohne dass es bereits konkrete Absichten gäbe.

Bürgermeister Weber versichert am Ende einer mitunter hitzig und emotional geführten Diskussion im Ratssaal, dass die Anregungen der Anwohner noch für die Abstimmung im Planungsausschuss am Montag berücksichtigt werden. „Ich bin kein Freund der Bebauung am Stockforthsweg, wenn es nach mir gegangen wäre, hätte dort niemand bauen dürfen“, beteuert er. Gerade deshalb könne er die Betroffenheit nachempfinden und verspricht: „Wir wollen nicht, dass Sie den Eindruck haben, dass das Baugebiet hinter verschlossenen Türen entwickelt wird.“

Lesen Sie auch: 

Am Stockforthsweg soll es weitere Grundstücke geben

Mehr zum Thema:

Späte Tore lassen Werder jubeln

Späte Tore lassen Werder jubeln

Eindrücke vom Oktoberfest: Blauer Himmel und gute Laune

Eindrücke vom Oktoberfest: Blauer Himmel und gute Laune

Illuminierte Nacht in Scheeßel

Illuminierte Nacht in Scheeßel

Welt-Artenschutzkonferenz entscheidet über 500 Tierarten

Welt-Artenschutzkonferenz entscheidet über 500 Tierarten

Meistgelesene Artikel

Bereicherung für beide Seiten

Bereicherung für beide Seiten

Erstklässler von Bibliothek begeistert

Erstklässler von Bibliothek begeistert

Der Name soll bleiben

Der Name soll bleiben

Integration braucht sehr viel Zeit

Integration braucht sehr viel Zeit

Kommentare