Sparkasse Rotenburg-Bremervörde ersetzt Geschäftsstellen mit flexiblerer Beratung

Sparkurs bei der Sparkasse: Keine Filiale mehr in Ahausen

Die Sparkassen-Filiale in Ahausen wird Ende des Jahres geschlossen. Am Standort wird es auch keinen Geldautomaten mehr geben. Was mit der Immobilie passiert, ist noch offen. - Foto: Krüger

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die Sparkasse Rotenburg-Bremervörde muss wie alle Kreditinstitute in der anhaltenden Niedrigzinsphase sparen. Und das hat nun Konsequenzen: Das Filialnetz der größten Bank im Landkreis wird reduziert, Beratungsbereiche zusammengelegt, Öffnungszeiten reduziert. 500 000 Euro will die Sparkasse mit diesen Maßnahmen ab dem kommenden Jahr sparen.

Strafzinsen für Geldanlagen bei Landes- und Bundesbank, gestiegener regulatorischer Verwaltungsaufwand, die Hinwendung des Kunden zu Online-Bankgeschäften: Es sind die in der Branche viel diskutierten Entwicklungen, die die Sparkasse Rotenburg-Bremervörde zum Handeln zwingen, sagen die Vorstandsmitglieder Stefan Kalt und Reinhard Krüger. „Alle Banken stehen unter Druck, wir müssen uns Gedanken machen, wie wir damit umgehen“, so Kalt. Man sei zwar nicht überfordert, aber doch gefordert, zu reagieren. Gerade die Situation mit Minuszinsen sei für kleinere Kreditinstitute, deren Kerngeschäft Kundeneinlagen und Kredite sind, „bedenklich“.

Also hat der Vorstand gehandelt, der Verwaltungsrat in der vergangenen Woche zugestimmt. Im Kern geht es um drei Maßnahmen, die die erhofften Einsparungen bringen sollen. Zunächst wird das Filialnetz reduziert. Die Sparkasse schließt die Geschäftsstelle Ahausen. Die Geschäftsstellen Basdahl, Hesedorf, Heeslingen und Kirchwalsede werden in unbemannte SB-Geschäftsstellen umgewandelt. Die Kunden seien darüber informiert, die Berater sind ab Januar in den umliegenden, größeren Geschäftsstellen tätig. Dann werden die Öffnungszeiten geändert: Auch in den Zentralen in Rotenburg, Zeven und Bremervörde gibt es künftig eine Mittagspause. Und schließlich ist ab dem kommenden Jahr überall in den insgesamt zwölf verbliebenen Filialen mit Personal am Mittwochnachmittag geschlossen.

Dem Sparkassen-Vorstand ist bewusst, dass nicht jeder Kunde dafür Verständnis aufbringen werde, macht im Gegenzug aber auch einen Ausbau der Leistungen geltend. Denn das persönliche Beratungsangebot wird unabhängig von den klassischen Schalteröffnungszeiten ausgebaut. Montags bis donnerstags von 8 bis 20 und freitags von 8 bis 16 Uhr stünden die Berater künftig zur Verfügung – egal ob in einer Geschäftsstelle oder beim Termin daheim.

„Die Kunden haben mit den Füßen abgestimmt“, sagt Kalt. Tatsächlich habe man die Kundenströme und das Kundenverhalten genau analysiert und so die Entscheidungen getroffen. Krüger: „Ahausen hat sich in keinem Aspekt gerechnet.“ Im Gegensatz zum Beispiel zu Kirchwalsede, wo wenigstens ein SB-Bereich mit Automaten bestehen bleibe, werde sich die Sparkasse ganz aus dem Ort zurückziehen. Sottrum, Rotenburg oder auch die Geldautomaten bei Dodenhof seien deutlich mehr genutzt worden von Menschen aus dem Bereich.

Eine Filiale mit wenig Personal werde den Anforderungen an eine persönliche und inhaltlich breit aufgestellte Beratung nicht mehr gerecht. Als Pilotversuch will die Sparkasse jetzt in Ahausen auf Anfrage einen „Bargeld-Bring-Service“ anbieten – für eine Gebühr von 7,50 Euro.

Für die „Anpassungen“, wie es bei der Sparkasse heißt, werde kein Personal abgebaut. 350 volle Stellen biete das Kreditinstitut aktuell, die Reduzierung laufe unabhängig von den jetzigen Maßnahmen sozialverträglich zum Beispiel über Altersteilzeit-Modelle. Krüger: „Es ist klar, dass wir künftig mit weniger Personal auskommen müssen.“

Wie es in Rotenburg im Zuge der Umgestaltung des Post-Gebäudes durch die Sparkasse weitergeht, lässt der Vorstand momentan noch unbeantwortet. Kalt: „Wir möchten von unserer Seite noch keine Details nennen“, die „sensiblen Verhandlungen“ mit potenziellen Mietern sollen nicht gestört werden. Sollte die Hauptfiliale vom Pferdemarkt an die Große Straße ziehen, wurde bereits öffentlich über ein neues Seniorenheim dort spekuliert. Auch die Polizei als Nachmieter für die mit der Eröffnung der Sparkassen-Zentrale im Frühjahr frei werdenden oberen Büroetagen ist noch im Gespräch. Ob auch mittelfristig alle drei Geschäftsstellen in der Kreisstadt erhalten bleiben, kommentiert Kalt folgendermaßen: „Es gibt darüber heute keine verbindlichen Entscheidungen.“ Klar sei nur, dass von den Investitionen in „deutlich zweistelliger“ Millionenhöhe für die Geschäftsstellen im gesamten Kreisgebiet vorerst nichts in die Filialen an der Harburger und Verdener Straße fließt.

Die anderen beiden größeren Kreditinstitute der Region, die Volksbank Wümme-Wieste und die Sparkasse Scheeßel, äußerten sich am Dienstag auf Nachfrage nicht zu möglichen Veränderungen an ihrem Netz. Zuletzt hieß es aber von Volksbank-Vorstand Matthias Dittrich zur Zukunft kleiner Filialen: „Generell ist das Kundenverhalten vor Ort entscheidend für die wirtschaftliche Tragfähigkeit einer Geschäftsstelle.“

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