Den „Rotenburger Buben“ mangelt es an Nachwuchs

Im Skatclub sieht es „mau“ aus

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30 Jahre „Rotenburger Buben“ (v.l.): Christa Pahl, Walter Rasch, Joris Oestmann, Rainer Blossey und Joachim Grams. 

Rotenburg - Von Wieland Bonath. Vor 196 Jahren wurde Skat in Altenburg, der „Skatstadt“ in Thüringen, aus dem Kartenspiel Schafkopf entwickelt. Ein Strategiespiel mit 32 Karten, das bald in unzähligen Wohnungen und Stammtischen begeistert gespielt wurde. In Altenburg fand 66 Jahre später der erste deutsche Skatkongress mit mehr als 1 000 Teilnehmern statt.

Das waren noch stolze Zahlen in einer Zeit mit Skat-Aufbruchstimmung! Und wie sieht es heute aus, wie ist die aktuelle Situation beim Skatclub „Rotenburger Buben“, der in diesem Jahr auf sein 30-jähriges Bestehen zurückblicken kann? Mit einem Wort: mau. Rainer Blossey, der im Dezember den Vorsitz von Joris Oestmann übernahm: „Wir sind inzwischen ein Rentnerverein, der Nachwuchs fehlt.“ Ganze zwölf Mitglieder hat der Verein „Rotenburger Buben“ zurzeit, und das Interesse der jungen Leute am geselligen Skat ist gleich Null.

Rainer Blossey, Baggerfahrer aus Königshof bei Visselhövede, ist mit 53 Jahren der Jüngste in dem kleinen Verein. Die Sorge um die Zukunft der „Rotenburger Buben“ geht um. Blossey nennt einen wichtigen Grund für die Mitgliederflaute, der in Visselhövede bereits der Skatclub zum Opfer gefallen ist: „Die Menschen hängen zu sehr am Computer. Das bekommen nicht nur wir, sondern alle Vereine zu spüren.“ Im Altkreis gibt es zurzeit noch in Lauenbrück und Sottrum sowie in Rotenburg einen weiteren, jüngeren Verein – alle mit ähnlichen Problemen.

Die „Rotenburger Buben“ treffen sich mittwochs um 19 Uhr für zwei Stunden im „Haus am Luhner Forst“ (Soldatenheim). Ein kleiner Kreis, der auf „seinen“ Skat einfach nicht verzichten will. Dazu gehören unter anderem neben Rainer Blossey der ehemalige Vorsitzende Joris Oestmann (78) aus Rotenburg, Kassenwartin Marion Peters (62) Rentnerin aus Posthausen (Kreis Verden) und Spielleiterin Christa Pahl (60) aus Horstedt. Die Köchin ist gleichzeitig Schriftführerin des kleinen Vereins.

Ganzes Zimmer mit den unterschiedlichsten Skatspielen „zugestopft“

Dabei ist unter anderem auch der Senior des Skatclubs: der 87-jährige Walter Rasch, Gärtner aus Bothel. Der freundliche alte Herr aus der Wiedau/Rodau-Gemeinde ist seit vielen Jahren begeisterter Sammler von Skatblättern: Ein ganzes Zimmer ist fast bis auf den letzten Winkel mit den unterschiedlichsten Skatspielen „zugestopft“. 3 500 bis 4 000 Spiele, so Rasch, habe er im Laufe von vielen Jahren zusammengetragen beziehungsweise von Freunden und Bekannten geschenkt bekommen. Die größten Karten haben das Format von 40 mal 20 Zentimetern, die Winzlinge sind 2,5 mal 1,5 Zentimeter klein. Ein einmaliger Schatz! Seine Enkel, bedauert Walter Rasch, hätten kein Interesse an der Sammlung. Es bleibe nur, sie jemandem anzubieten, um alles vor dem Müll zu retten.

Zu dem Skattreffen ist auch Arnold Lüdemann (66) gekommen, der 1986 zu den Gründungsmitgliedern der „Rotenburegr Buben“ gehörte, die im Bürgerhof, dem heutigen Stadtidyll, aus der Taufe gehoben wurden. Lüdemann wurde damals zum Vorsitzenden gewählt. Ein leidenschaftlicher und erfolgreicher Skatspieler, der sich für die Deutschen Meisterschaften in Ulm qualifiziert hatte. Damals, erinnert sich Arnold Lüdemann, hätte es in Rotenburg noch den großen Preisskat „Rotenburger Wappen“ gegeben.

Mitglieder treffen sich zum Spargel-, Grünkohl- und Entenessen

Die „Rotenburger Buben“ spielen in der Verbandsgruppe 34 Nord-Niedersachsen. Große und größere Turniere gibt es immer weniger. Geplant, so Vorsitzender Rainer Blossey, sei jedoch, zum 30-jährigen Bestehen in den Wintermonaten in Rotenburg einen Preisskat zu veranstalten.

Übrigens: In der jetzigen ruhigen Phase der Vereinsgeschichte kommt das freundschaftliche Miteinander nicht zu kurz. Nach wie vor treffen sich die Mitglieder – unter ihnen vier Damen – zum Spargel-, Grünkohl- und Entenessen.

Dieses, betont Rainer Blossey, bleibe jedoch das zentrale Anliegen: „Es geht darum, dass der Skatverein ,Rotenburger Buben’ erhalten bleibt. Das ist aber nur zu erreichen, wenn es uns gelingt, die Freude am Skatspiel weiterzugeben.“

Interessierte seien deshalb immer mittwochs um 19 Uhr zu den Spielabenden in das „Haus am Luhner Forst“ eingeladen. Für weitere Fragen und Informationen sei er unter dieser Handy-Nummer: 01512/ 1393150.

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