Rotenburg trauert um die stv. Bürgermeisterin Hedda Braunsburger

„Sie war immer mit flammendem Herzen dabei“

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Hedda Braunsburger

Rotenburg - Von Michael Krüger. Plötzlich hat das, was in Rotenburg überhaupt an Wahlkampf stattgefunden hat, keine Bedeutung mehr: Am Wochenende erschütterte die Nachricht vom Tod der stellvertretende Bürgermeisterin, Hedda Braunsburger, die Kreisstadt. Über alle Parteigrenzen hinweg und quer durch die städtischen Institutionen wird getrauert. Die Stadt verliert eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten.

Es ist ein kurzer Beitrag über das Facebook-Profil Braunsburgers, der am Sonntag um 14.17 Uhr verkündet, was im engeren Kreis schon durchgesickert war: „Die Familie teilt mit, dass Hedda nach kurzer schwerer Krankheit am 3. September 2016 friedlich gestorben ist.“ Die SPD-Politikerin Braunsburger saß seit 40 Jahren im Stadtrat, war seit 2011 stellvertretende Bürgermeisterin und hatte erst vor wenigen Monaten öffentlich verkündet, nicht wieder für den Rat oder den Kreistag kandidieren zu wollen. 

„Als ich kürzlich in der Rotenburger Kreiszeitung las, dass ich die dienstälteste Politikerin im Stadtrat bin, habe ich mich selbst erschrocken und sagte zu mir: Hedda, übertreib es nicht, jetzt ist Schluss. Jetzt müssen Jüngere ran. Die Demokratie vergibt politische Mandate nur auf Zeit. Unser Leben und all unser Tun sind endlich“, hatte sie im Interview mit unserer Zeitung gesagt. 1970 war sie mit ihrer Familie nach Rotenburg gekommen und habe sich von der SPD für eine Kandidatur „überreden“ lassen, sagte sie.

Braunsburger engagierte sich politisch insbesondere für Familien und im sozialen wie kulturellen Bereich, und so war es am Montag auch der Vorsitzende der Rotenburger Kulturinitiative (Kir), Uwe Goldschmidt, der versuchte, seiner Trauer Ausdruck zu verleihen: „Sie war extrem sozial und ist fürs Gemeinwohl eingetreten.“ 

Auch wenn beide keine Freundschaft im engeren Sinne verbunden habe, so hätten sie sich doch auf gleichen Feldern engagiert: Goldschmidt folgte auf Braunsburger als Vorsitzender der „Aktion Kindergarten“, deren Kindertagesstätte seit nun mehr als 44 Jahren unverändert als Elterninitiative besteht, und auch in der Kir führte Goldschmidt Braunsburgers Arbeit weiter. 

„Wir haben es ihr zu verdanken, dass die Kir gegen alle politischen Widerstände gegründet werden konnte, sie hat das Stadtkino ins Leben gerufen und auch La Strada in Rotenburg möglich gemacht“, so Goldschmidt. Und bezogen auf die Politik der 1941 geborene Braunsburger: „Sie war unter den Roten eine Grüne.“

Eigentlich aber hatten derlei Farbenspiele für die Stadträtin keine Rolle gespielt. Das untermauerten am Montag alle Seiten. „Sie war immer offen und ehrlich und mit flammendem Herzen dabei“, so CDU-Politiker Hartmut Leefers. 

Über 25 Jahre lang habe er gut mit ihr zusammengearbeitet, auf vielen Dingen, die Rotenburg heute prägten, stehe ihr Name drauf. Die Stadt verliere eine „außerordentlich engagierte Kommunalpolitikerin“, er selbst verliere „ein Stück Freundschaft“, sagte Leefers, der vor Braunsburger stellvertretender Bürgermeister der Kreisstadt war.

Die Bestürzung über den plötzlichen Tod Braunsburgers in den eigenen politischen Reihen ist natürlich besonders groß. „Wir sind unendlich traurig über Hedda Braunsburgers Tod. Ihre kreativen Ideen, ihre Durchsetzungskraft und Mut in politischen Beratungen haben insbesondere in den sozialen und kulturellen Ebenen nachhaltige positive Wirkungen geschaffen“, bekräftigte Bürgermeister Andreas Weber tief betroffen. Die Cohn-Scheune, La Strada, die Kir, das Gedenken an Hiroshima und die Stolpersteine seien mit ihr unmittelbar verbunden. Auch bei der kleinen Feier zu seinem Dienstjubiläum am Montagabend im Ratssaal sagte Weber: „Mit Hedda geht eine ganz wichtige Beraterin von mir.“

SPD-Fraktionssprecher Gilberto Gori sagte, die Partei habe ihre „Stimme der Ruhe“ verloren. Sie sei Auseinandersetzungen zwar nie aus dem Weg gegangen, habe aber immer daran gearbeitet, Konflikte zu lösen und die Partei zu einen. Dass er selbst den Fraktionsvorsitz übernommen hat, sei den Überzeugungskräften Braunsburgers zu verdanken. „Von meinem ersten Tag an hat sie mich unterstützt.“ Frank Grafe, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins, würdigte Braunsburger als jemanden, der stets übers Tagesgeschäft hinausgeblickt habe. 

Ihr Wirken sei beeindruckend gewesen: „Wir haben eine Freundin verloren, die immer genau hinsah. Auf die man sich verlassen konnte, wenn es galt, Verantwortung zu übernehmen für die Gestaltung eines gerechten Miteinanders, wo niemand vergessen wurde oder zurück blieb.“ Ihre liebevolle Hartnäckigkeit, ihr treffsicheres Urteil und ihre Erfahrung werde die Partei vermissen.

Cornelia Gewiehs, Vorsitzende der IG City-Marketing: „Rotenburg verliert ein Kämpferherz, den Gegenentwurf zu allen Durchwinkern und denen, die im resignierten ,Da kann man ja doch nichts machen’ hängen bleiben. Man konnte mit ihr herrlich streiten, aber ebenso herzlich lachen.“

Die Trauerfeier werde im engsten Familienkreis stattfinden, heißt es von der Familie. Große Reden würden dem Verlust aktuell sowieso nicht gerecht werden, so Gori: „Ein paar Worte reichen nicht aus, eigentlich müsste man ein Buch über sie schreiben.“

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