Harfe und Flöte begeistern mit Anspruch und Charme bei Rotenburger Konzerten

Sentimental für den Papst, lasziv für Rotenburg

Anfassen und Fragen erlaubt: Auch das ist bei den Rotenburger Konzerten möglich.J Fotos: Heyne

Rotenburg - Geradezu himmlische Musik hatte der musikalische Leiter der Rotenburger Konzerte Niels Kruse am Donnerstag Abend auf die Bühnenbretter der Aula in der Realschule geholt. Auf dem Programm: „Wie von den Engeln – Kammermusik für Harfe und Flöte“.

Und so sphärisch sich die Klänge des seit 14 Jahren immer wieder gern gemeinsam konzertierenden Duos Dejan Gavric (Querflöte) und der Rotenburger „Wiederholungstäterin“ Silke Aichhorn (Harfe) zuweilen ausnahmen, so geerdet erlebte das Publikum die beiden sympathischen Künstler in ihren Ansagen: „Harfe, das ist mehr als Saitenstreicheln und schon ist Weihnachten“, so die charismatische Botschafterin ihres Instruments.

Ihrem Angebot, in der Pause Fragen zu stellen, und selbst Hand an das Instrument mit sieben Pedalen für die Halbtöne anzulegen, kamen zahlreiche Besucher gern nach; sie erfuhren, warum Aichhorns Instrumente nach langen Reisen, Auftritten in kalten Kirchen und heißen australischen Konzertsälen ähnlich wie Autos nur rund acht Jahre halten und warum sie seit mehr als drei Jahrzehnten vorwiegend solistisch unterwegs ist: „Im Orchester wartet man zum Beispiel bei Tschaikowskys Blumenwalzer eine halbe Stunde im Graben und spielt dann mit kalten Fingern sein Solo.“

Zuvor hatten die Zuschauer, darunter erfreulich viele junge Gesichter und nicht wenige selbst Schüler eines der beiden Instrumente, im ersten Teil eine Sternstunde der Klassik erlebt: Bachs bekannte Sonate Es-Dur, oder Mozarts Andante in C-Dur legten die Messlatte für den Abend hoch.

Auch der in Belgrad geborene Dejan Gavric, Professor an der Musikhochschule in Mainz, liebt den Publikumskontakt. Während er solo Saverios Mercandantes Variationen über ein Thema aus „Don Giovanni“ gibt, schweift sein Blick immer wieder vom Notenblatt in die ersten Reihen, wie um in den Augen die Bestätigung für die eigene Begeisterung zu finden.

Mit Tulous und Nadermanns „Nocturne“, dem Kuriosum eines Stücks mit zwei Komponisten, erklingt zum ersten Mal Original-Literatur – und endlich ein gleichberechtiges Miteinander, bei dem die Harfe nicht auf die Begleitung reduziert wird und sich die beiden Instrumente melodisch die Bälle zuspielen, tänzerisch und leichtfüßig – ein Genuss.

Mit dem zeitgenössischen „Cinq Nuances“ von Marc Berthomieu nach der Pause wird es spannend: Das moderne Stück, zwischen Kontemplation und Salonmusik, gerät in seiner Reduziertheit zu einem der Höhepunkte des Abends. Vor drei Jahren begeisterte es schon den Papst – allerdings habe man damals „Lascivo“ in „Valse sentimentale“ umbenannt, verrät die Chiemgauerin. Ihr anschließendes Solo, nämlich besagter Walzer aus der Nussknacker-Suite in einer solistischen Bearbeitung, wird gefeiert – gleichwohl gelingt es nicht immer, die Melodieführung der eingedampften Orchesterstimmen transparent zu machen.

Das anschließende „Carnival of Venice“ von Ciulio Briccialdi, Variationen des Motivs „Mein Hut, der hat drei Ecken“, entpuppt sich mit virtuosen Doppeleffekten als Griff des Flöten-Magiers in die Kiste mit Spezialeffekten. Kein Wunder, dass Aichhorn und Gavric erst nach zwei Zugaben, darunter Jacques Iberts beschwingter Rausschmeißer „Entract“, von der Bühne gelassen werden. J hey

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