Flüchtling Zaitoun möchte als Tierarzt Fuß fassen 

Schritt für Schritt zurück ins Berufsleben

Der syrische Flüchtling Abduljabar Zaitoun (r.) bekommt Chancen, in seinem Beruf als Tierarzt in Deutschland arbeiten zu können. Sassa Weyandt vom Sozialkaufhaus Karo und der Unterstedter Dieter Pahnke unterstützen ihn dabei. - Foto: Bonath

Rotenburg - Von Wieland Bonath. Er hatte keine Zukunft mehr gesehen. Im vergangenem Jahr kehrte der Tierarzt Dr. Abduljabar Zaitoun seiner Heimat, der syrischen und vom Krieg zerstörten Großstadt Aleppo, den Rücken. Seine Frau, ebenfalls eine Tierärztin, und seine drei Kinder im Alter von vier, elf und zwölf Jahren musste der 38-Jährige zurücklassen. Nun will er sich in Deutschland eine Perspektive aufbauen.

Über die Balkanroute flüchtete der Veterinärmediziner, erreichte im Oktober Deutschland und landete schließlich im „Campus Unterstedt“ vor den Toren Rotenburgs. Ein freundlicher Mann, der sogar einen Arabischkurs in den Gemeinderäumen der Michaelskirche in Rotenburg betreut.

Als wir ihn treffen, verabschiedet Zaitoun gerade die Teilnehmer des Kurses, der aufgrund einer Initiative von ihm seit Mitte Juli an drei Tagen in der Woche stattfindet. Es ist ein Auffrischungskurs für zwölf Rotenburger und Teil des Projekts „Karo inklusiv“. Karo, das Soziale Kaufhaus am Rotenburger Neuen Markt, bietet das auf drei Jahre ausgelegte Projekt seit Mitte März an. Es geht dabei laut Sozialpädagogin Sassa Weyandt aus Ahausen um das Ziel, Arbeitsplätze zu schaffen. Für den syrischen Tierarzt, der im Karo regelmäßig mitarbeitet, ist es eine gute Chance, sich Schritt für Schritt in das Berufsleben in Deutschland zu integrieren.

Zaitoun hat in der relativ kurzen Zeit, die er in Deutschland lebt, große Fortschritte beim Erlernen der Sprache gemacht. Und er hat eine Reihe von Freunden und Bekannten gewonnen – Rotenburger, Unterstedter und Berufskollegen, die Zaitoun nach Kräften unterstützen. In der Freizeit, wenn sie in der SG Unterstedt mit ihm Tischtennis spielen, und beruflich, wenn sie ihm dabei zu helfen, eine Existenz aufzubauen. Denn der 38-Jährige, der auf Hähnchenmast spezialisiert ist, möchte so schnell wie möglich als Tierarzt wieder Fuß fassen. Und seine Familie nachholen.

Einer, der ihm dabei besonders hilft, ist der pensionierte Lehrer Dieter Pahnke aus Unterstedt. Die beiden haben sich beim Tischtennis kennengelernt. Der 78-Jährige hat mit Hilfe von Tierärzten aus der Region und hilfsbereiten Bürgern inzwischen erfolgreich Kontakt nach Visbek im Landkreis Vechta geknüpft. Dadurch darf Zaitoun in der kommenden Woche sein erstes Praktikum in Deutschland antreten. In der kleinen Gemeinde im Oldenburger Münsterland ist ein großer Vermarkter von Geflügelprodukten ansässig, was zu Zaitouns Spezialisierung passt. Eine Woche lang wird er in den Räumen einer Tierärztegemeinschaft wohnen.

„Ich möchte ihn in seinem Vorhaben unterstützen und über Tischtennis hinaus dabei helfen, beruflich weiterzukommen“, sagt Pahnke. Er bringt seinen syrischen Freund persönlich mit dem Auto nach Visbek, „weil es keine vernünftige Bus- oder Bahnverbindung gibt“.

Der praktizierende Moslem Abduljabar Zaitoun ist glücklich und dankbar für die Aufnahme und Hilfe, der er in Rotenburg begegnet. Grundsätzlich gelte für ihn die Maxime „Nehmen heißt auch geben“. Ein Grundsatz, der für ihn eine besondere Bedeutung habe. Wenn seine Familie, so seine große Hoffnung, im September nach Rotenburg nachreise, dann möchte Zaitoun für seine Frau und die drei Kinder eine kleine Wohnung zur Verfügung haben. Doch obwohl er beruflich nun seinen ersten Erfolg in Deutschland feiern konnte, folgte in diesem Punkt ein Rückschlag. Der erste Versuch, eine Unterkunft zu mieten, verlief negativ. „Wir vermieten grundsätzlich nicht an Flüchtlinge und Asylanten“, die Antwort der Wohnungsgesellschaft.

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