Was Nikotinabhängige in der Kreisstadt von den neuen Tabakrichtlinien halten

Schockbilder schrecken Rotenburgs Raucher nicht ab

Schockbilder auf Zigarettenschachteln sollen Lust am Glimmstängel verringern. - Foto: Ginter

Rotenburg - Von Jessica Ginter. Marlboro, JPS oder doch lieber Lucky Strike? Ganz egal, welche Zigarettenmarke die Raucherherzen höher schlagen lässt – bald werden auf allen Schachteln und Verpackungen abschreckende Bilder zu sehen sein. Doch hat der Anblick wirklich eine Wirkung auf die Verbraucher?

„Rauchen kann tödlich sein“ – diesen Satz kennen wohl alle. Neu sind aber Bilder, auf denen verfaulte Zähne, weinende Kinder, ein erblindetes Auge oder eben die typische schwarze Raucherlunge zu sehen sind. Denn seit dem 20. Mai dieses Jahres schreibt die EU-Tabakrichtlinie vor: Zigarettenschachteln und Tabakpackungen müssen zu zwei Drittel mit den Schockfotos und Warnhinweisen versehen werden.

Sinnvoll, würden viele meinen, doch auf die meisten Abhängigen hat das so gar keinen Einfluss. Stattdessen regen sie sich über die neuen Vorschriften auf: „Ach Mensch, was soll das denn? Jeder weiß doch, welche Folgen das Rauchen haben kann“, sagt eine Rotenburgerin empört und dreht sich eine Zigarette. Die Zahl der Raucher in Deutschland geht schon seit Jahren zurück, doch die Richtlinien sollen die Lust an den Glimmstängeln noch weiter eindämmen.

Jutta Korte, Einzelhändlerin aus Rotenburg, weiß: „Das bringt gar nichts. Die Leute kaufen genauso wie vorher auch.“ Es hätte zwar schon einige erschrockene Blicke gegeben, als ihre Kunden die Bilder zum ersten Mal entdeckt hatten, doch eine so richtig angsteinflößende Wirkung hätten diese auf die Konsumenten nicht gehabt, erinnert sich Korte.

„Raucher, die rauchen wollen, die werden trotzdem rauchen“, sagt sie. Der Eindruck der 51-Jährigen wird bestätigt, denn: „Es hat keinen Einfluss. Jeder weiß doch, dass Rauchen nicht gesund ist, und trotzdem geht manchmal einfach nichts über eine gute Marlboro“, sagt René Falk. Der 28-Jährige aus Rotenburg ist Gelegenheitsraucher und findet, „die Bilder müssen nicht sein“.

Was sowohl Korte als auch Falk einsehen: die Abbildungen seien ihrer Meinung nach eine wirksame Maßnahme, Nichtraucher davon abzuhalten mit dem Rauchen anzufangen. Korte selbst ist ebenfalls abhängig, steht den Schockbildern jedoch neutral gegenüber. „Ich finde das völlig in Ordnung. Vor allem, um Kinder zu schützen“, betont sie.

Die Verkäuferin weiß auch, dass es schon bald ein Verbot für Menthol-Produkte geben soll. Ab dem 20. Mai 2020 sollen Aromen, die den Tabakgeschmack überdecken, vom Markt verschwinden.

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Zusätzlich kommt mit den neuen Auflagen auf die Hersteller hinzu, kleine Verpackungsgrößen für bestimmte Tabakwaren abzuschaffen. Die Richtlinien schreiben vor, dass eine Schachtel mindestens 20 Zigaretten enthalten muss. Für Tabak zum Selbstdrehen sind Kombidosen und Beutel erlaubt – sie müssen mindestens 30 Gramm Tabak enthalten.

Ganz anders zu der Umstellung steht Nichtraucher Selam Ferati. Er findet die Richtlinien „super“ und ist der Meinung, dass damit viele abgeschreckt werden würden.

Wer die Bilder von faulenden Raucherbeinen, schwarzen Zahnstümpfen und zerfressenen Lungen nicht sehen möchte, kann auf ein Etui umsteigen, rät Korte. „Viele kaufen sich die Leder-Etuis, weil sie sie schöner finden als die Schachteln“, erklärt sie. Die Schockbilder scheinen also doch eine Wirkung zu haben. Zwar schrecken sie nicht ab, doch viele sind von ihnen angeekelt.

Alt-Verpackungen dürfen jetzt noch ein Jahr lang abverkauft werden. Die gängigsten Marken, laut Korte, wie Marlboro und Lucky Strike, seien in dem Rotenburger Tabak-Shop schon längst aufgebraucht. Am 20. Mai 2017 werden die Gruselbilder überall abgedruckt sein. Mal sehen, was sie bis dahin bewirkt haben.

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