36. Rotenburger Handwerkstag

Im Zeichen der Flüchtlinge

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Gunnar Heinsohn befasste sich mit dem Thema Zuwanderung.

Rotenburg - Von Ulf Buschmann. Marion Bassen und Heidi Kohlmeyer heißen die Preisträgerinnen. Ihnen ist gestern die Handwerksmedaille für ihre Lebensleistungen verliehen worden. Dies geschah im Rahmen des 36. Rotenburger Handwerkstags vor 200 Gästen in der Aula der Berufsbildenden Schulen in Rotenburg. Die Festansprache hielt Gunnar Heinsohn.

Der Wirtschaftswissenschaftler, Soziologe, freie Publizist und emeritierte Professor der Universität Bremen befasste sich unter dem Motto „Wie viele wollen nach Europa?“ mit dem Thema Zuwanderung. „Immigrationspolitik ist Elitenwerbung“, gab er den rund Zuhörern mit auf den Weg. Dies belegte Heinsohn mit ganzen Zahlenreihen und Daten. Tenor: Bis 2050 möchten geschätzte 1,2 Milliarden Menschen nach Europa, doch nur für jeden zwölften gebe es eine wirkliche Perspektive. Mit anderen Worten: Europa und die anderen Staaten der nördlichen Hemisphäre benötigten Strategien, um die „Qualität“ der Zuwanderung zu steuern.

Was sich, so Heinsohn, zugegebenermaßen dramatisch anhöre, berge große Chancen, denn Zuwanderung sei notwendig, damit Staaten wie Deutschland, die USA, Kanada und Frankreich aufgrund schrumpfender Bevölkerung gesellschaftlich und wirtschaftlich nicht „implodieren“.

Auch Kreishandwerksmeister Friedrich Leefers warb dafür, offen zu sein für die neuen Mitbürger. Die Flüchtlinge seien ein „Konjunkturprogramm besonderer Art“, sagte er. Für sie müsse gebaut werden, um wenigstens die Grundbedürfnisse der Menschen zu befriedigen. Zudem leisteten die Handwerksbetriebe ihren Beitrag zur Integration und stellen Arbeitsplätze zur Verfügung, um dem bereits jetzt zu bemerkenden Fachkräftemangel zu begegnen.

Gleichwohl macht sich Leefers Sorgen. Er verwies darauf, dass er vor einem Jahr an gleicher Stelle ein Zuwanderungsgesetz von der Politik angemahnt habe. Er attestierte dem Staat Kontroll- und Steuerungsverlust angesichts der Flüchtlingsströme. Noch sei es möglich, die Menschen zu integrieren.

Landrat Hermann Luttmann sah es kritischer. Er forderte „eine deutliche Reduzierung der Flüchtlingszahlen“. Nur so sei die Zuwanderung langfristig eine Chance, um dem demografischen Wandel zu begegnen.

Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber ging ebenfalls auf die Flüchtlinge ein. Um die notwendige Infrastruktur zu schaffen, hätten sich die Betriebe als zuverlässige Partner erwiesen. Weber forderte unter anderem, die Kommunen finanziell zu entlasten.

Geehrt wurden auch zwei junge Handwerker. Dennis Behrens und Pascal Gottfried holten sich bei den Weltmeisterschaften der Berufe, „World Skills“, in Sao Paulo im August den zweiten Platz bei den Stahlbetonbauern.

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