Christiane Looks seit einem Jahr Kreisnaturschutzbeauftragte

„Es ist ein Puzzle, das ich zusammensetze“

Christiane Looks aus Eversen ist seit einem Jahr die Kreisnaturschutzbeauftragte für den Altkreis Rotenburg. - Foto: Krüger

Rotenburg - Von Michael Krüger. Christiane Looks will nicht nur meckern und kritisieren, sie sucht nach Lösungen. Sie spricht mit den Menschen. Sie bringt sie an einen Tisch. Seit einem Jahr ist die Eversenerin „Beauftragte für Naturschutz und Landschaftspflege“ des Altkreises, wie es im Beamtenjargon heißt. Konkret bedeutet es: Die 67-Jährige ist Mediatorin und Moderatorin zwischen der Naturschutzbehörde im Kreishaus und den Menschen draußen. „Das ist keine Arbeit, das ist reine Freude“, schwärmt sie.

Zunächst einmal tritt Looks in große Fußstapfen. 30 Jahre lang hatte Werner Burkart aus Wilstedt das Ehrenamt inne, das sich Looks seit Juli 2015 mit Dirk Israel im Nordkreis teilt. „Er war und ist eine Autorität und Kapazität“, ein „Libellen-Experte ohne gleichen“, schwärmt Looks von ihrem Vorgänger. In fachlicher Hinsicht könne sie als ehemalige Gymnasiallehrerin (Kunst und Geschichte) und Doktorin der Philosophie da nicht mithalten, stapelt sie tief. „Deshalb haben wir andere Akzente gesetzt“, sagt sie. Mit „wir“ meint sie auch ihren Ehemann Joachim, den sie kurzerhand mit für das Ehrenamt verpflichtet hat. „Ich habe das Amt, er unterstützt mich“, sagt Looks. Der Mathematiker ist in der Regel mit der Kamera dabei, wenn die beiden auf Erkundungstour gehen.

Nach dem gründlichen Aktenstudium und der Lektüre der Schutzgebietsverordnungen ging es für die Gartenliebhaberin Looks im ersten Jahr darum, eine Bestandsaufnahme der Natur im Südkreis auf den Weg zu bringen. „Es ist ein Puzzle, das ich zusammensetze“, sagt Looks. In ihrem ersten Jahresbericht, den sie am Mittwoch im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Planung des Kreistages vorstellen wird, schreibt sie, dass sie „alle geschützten Areale im Altkreis Rotenburg erkundete, soweit sie öffentlich zugänglich waren“. Und das sind nicht wenige: 450 verschiedene Areale seien es gewesen, darunter 313 geschützte Biotope, 32 Naturdenkmäler, 26 Landschaftsschutzgebiete und 17 Naturschutzgebiete. Zentral sei es für sie dabei immer gewesen, mit den Menschen zu sprechen, um das allgemeine Verständnis für die Aufgabe des Naturschutzes zu fördern. Bürgermeister, Landschaftswarte, Parteien, Landwirte, Förster, Jäger, Imker und viele andere – die gebürtige Kielerin nutzte ihre kommunikative Art, um für gegenseitiges Verständnis zu sorgen, auch bei zahlreichen Ratssitzungen und Fortbildungen.

Und das trägt schon jetzt Früchte, sagt Looks. „Auch die Landwirte wissen um die großen Probleme und sind bereit, mitzuhelfen.“ Insbesondere gehe es dabei um die bewirtschafteten Flächen unter Stichworten wie Vermaisung und Verlust der Artenvielfalt: „Überall dort, wo bewirtschaftet wird, verödet die Natur“, sagt Looks. Doch es helfe nicht, immer nur Kritik zu üben, dann wendeten sich die Gesprächspartner voneinander ab. „Es ist ja auch nicht immer nachzuvollziehen, warum an bestimmten Stellen etwas nicht erlaubt ist.“ Viele ausgewiesene Schutzflächen vor allem der Vergangenheit seien unklar definiert und durch den natürlichen Verlauf längst nicht mehr so vorhanden wie einst in den Akten festgehalten. Ein Beispiel: das Landschaftsschutzgebiet „Föhren und Wacholdergebiet“ bei der Ahauser Mühle. Unter Schutz gestellt im Jahr 1942, weise es durch die Ausbreitung des Waldes mittlerweile gar keine Wacholder mehr auf. Hier wie für künftige Schutzgebiete sei es dringend erforderlich, mit mehr Aufwand die Natur zu pflegen. Erhalt wie Ausweisung schützenswerter Bereiche erforderten mehr Personal und Geld – letztlich eine politische Entscheidung im Kreistag.

Trotz der Probleme schwärmt Looks vom Landkreis, den sie im zurückliegenden Jahr ganz anders wahrgenommen habe. Nur ein Prozent aller knapp 2.700 Biotope, so ihre Bilanz, sei beschädigt oder nicht mehr vorhanden. Und abseits der intensiv bewirtschafteten Flächen fänden sich idyllische Bereiche: „Ich bin erstaunt, wie viele schöne Ecken es im Kreis gibt.“ Über manche wird sie auch in der öffentlichen Umweltausschuss-Sitzung berichten, die um 14.30 Uhr beginnt. Manche möchte sie aber auch gar nicht verraten: „Es wäre nicht gut, wenn dort zu viele Menschen hingehen.“ Insgesamt, so ihr Fazit nach einem Jahr Ehrenamt, sei der Landkreis trotz vieler teils heftig diskutierter Probleme immer noch einer, in dem es sich lohnt, zu leben. Looks: „Man kann nicht meckern, eigentlich.“

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