Politiker-Speed-Dating

Alle sind sich einig: „Mehr davon“

+
Acht Stadtrat-Kandidaten haben sich gestern am Politiker-Speed-Dating beteiligt. Sarah Detjen (M.) hatte es organisiert. Sie ist FSJlerin in der Volkshochschule.

Rotenburg - Von Guido Menker. Irgendwie sind alle etwas aufgeregt. Sarah Detjen, die FSJlerin der Rotenburger Volkshochschule, ganz besonders. Sie hat als Abschlussprojekt ihrer Zeit an der VHS ein Politiker-Speed-Dating zur Kommunalwahl am 11. September organisiert. Gespannt wirken auch die acht Stadtrat-Kandidaten, die eingeladen sind, mit Jugendlichen zu diskutieren.

Und die 38 jungen Leute von den Berufsbildenden Schulen (BBS) sowie von der Tagesrealschule des zweiten Bildungsweges an der VHS sind ebenfalls nervös.

Das Aufeinandertreffen mit den jungen Menschen ist auch für die Politiker – hier Heike Behr – spannend.

Die Idee dieser Veranstaltung ist ganz einfach: Die acht Politiker nehmen an einem Tisch Platz, und in acht Runden kommen Jugendliche in Gruppen zu ihnen, um sie mit Fragen zu löchern. Eike Holsten (CDU), Heike Behr (SPD), Elisabeth Dembowski (Bündnis 90 / Die Grünen), Hubert Fiedler (WFB), Jens Kohlmeyer (WIR), Gunter Schwedesky (FDP), Günter Scheunemann (Freie Wähler) und Helmut Bogatka (Alfa) sind dabei. Die AfD war eingeladen, bestätigte zwar die Teilnahme, nicht aber die des Rotenburger Stadtrat-Kandidaten – damit ist sie raus.

Jens Kohlmeyer ist gespannt.

Jeweils über zehn Minuten erstreckt sich eine Fragerunde. Die BBS-Schüler aus den Fachbereichen Gesundheit und Wirtschaft sind bestens vorbereitet. Sie haben Fragen zu den Themen Bildung, Umwelt und Fracking, Verkehr, Sicherheit, Flüchtlinge und Freizeitmöglichkeiten dabei. Tja, und dann geht’s los. „Wir haben gar nicht alle Fragen besprechen können, aber es war super“, befindet Catrina Haase in der Pause.

Auch Eike Holsten ist dabei und freut sich darüber, den jungen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen.

„Super“, lautet das Urteil von David Feit, weil er den Politikern nicht nur Fragen stellen, sondern auch nachhaken könne. Anne Hönig ist ebenfalls begeistert, aber: „Leider ist die Zeit sehr knapp.“ Was sie und viele andere Schüler freut: „Ja, die Politiker sprechen unsere Sprache, und sie reden auch nicht um den heißen Brei herum.“ Diese schnelle und unkomplizierte Art, Politiker kennenzulernen, spült so ganz nebenbei allerdings auch grundsätzliche Fragen an die Oberfläche.

Die Schüler hören genau zu.

Sind die Schüler eigentlich „reif“ für die Teilnahme an einer Wahl? Sie selbst sehen zum Teil Mängel. Eine Schülerin zieht einen Vergleich zum Erdkunde-Unterricht: Sie wüssten alles über das Problem der Kinderarbeit in Indien, aber wenn sie gefragt werden, wo Essen oder Düsseldorf liegt, hätten sie ein Problem. Die BBS-Lehrer Stephanie Bergmann und Markus Reupke bestätigen: „Viele Schüler mit 16 oder 17 Jahren haben gar keinen Bezug zur Politik.“ Unwissenheit also. Und das spürbare Manko, aus dem Unterricht heraus zu wenig darüber zu erfahren, wie Politik eigentlich vor Ort funktioniert. Reupke: „Wenn Politik für Jugendliche – dann genau so.“

Den Jugendlichen brennen eine ganze Reihe von Fragen auf den Nägeln, die sie endlich mal den Politikern direkt stellen können.

Insofern hat Sarah Detjen mit ihrem Projekt voll ins Schwarze getroffen. „Mehr davon“: Das nehmen die Politiker an diesem Tag mit. Sie spürten, wie wichtig es sei, auf die jungen Menschen zuzugehen. 

Günter Scheunemann stellt sich ebenfalls den Fragen. Auch er verzichtet auf typische Politiker-Floskeln.

Die VHS mit Leiter Michael Burgwald sieht sich daher bestätigt: „Das läuft gut und ist uns auch ein Anliegen.“ Er spricht vom Bildungsauftrag der städtischen Einrichtung. Die Abstimmung über 


glaubwürdigsten Kandidaten spielt da nur noch eine Nebenrolle. Das sehen die Parteien im Anschluss anders. Am Nachmittag weist die CDU darauf hin, dass ihr Kandidat Eike Holsten gewonnen hat. Hat er tatsächlich – mit einer Stimme Vorsprung vor Günter Scheunemann von den Freien Wählern.

Lesen Sie auch: 

Kommunalwahl: 1 221 Plätze zu vergeben

Mehr zum Thema:

Klaus Allofs' Karriere in Bildern

Klaus Allofs' Karriere in Bildern

Van der Bellen neuer Präsident in Österreich

Van der Bellen neuer Präsident in Österreich

Mehr Wohnungslose in Deutschland

Mehr Wohnungslose in Deutschland

Neddener Advent

Neddener Advent

Meistgelesene Artikel

Rund 30 Jahre Löwen-Punsch

Rund 30 Jahre Löwen-Punsch

Raumordnung: 450 Einwände gegen Pläne

Raumordnung: 450 Einwände gegen Pläne

Diskussion im Rathaus über Umbenennung der Lent-Kaserne

Diskussion im Rathaus über Umbenennung der Lent-Kaserne

Kreisumlage wieder im Fokus: Zurück auf 49 – mindestens

Kreisumlage wieder im Fokus: Zurück auf 49 – mindestens

Kommentare