Jobcenter bereitet sich auf eine Flut von Neukunden vor

Perspektiven für Flüchtlinge

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Alphabetisierungskurse sind für Ausländer der erste Schritt zur Integration in den Arbeitsmarkt. Die Nachfrage ist groß.

Rotenburg - Von Ulla Heyne. Wenn Harald Glüsing eine Kristallkugel hätte, um in die unmittelbare Zukunft zu blicken, wäre ihm wohler: Das Jobcenter des Landkreises könnte innerhalb weniger Tage hunderte neuer Kunden zu bewältigen haben.

Der Grund ist simpel: „Aus dem Landkreis sind im vergangenen Monat 700 Flüchtlinge zu ihrer Anhörung ins Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefahren worden. Wer anerkannt wird, wird vom Arbeitsamt zu uns überstellt“, so Glüsing. In Zeven habe man in der vergangenen Woche 100 solcher „Rechtskreiswechsler“, so der Fachjargon, auf einen Schlag verzeichnet. „Wir haben bereits Mitarbeiter aus Rotenburg entliehen.“

Ein Szenario, das Glüsing nach eigenen Worten „umtreibt“. Für den Fall der Fälle wurden Vorbereitungen getroffen: Merkblätter auf Arabisch und Persisch, Schilder mit arabischen Schriftzeichen und ein extra Schalter sollen für eine schnelle Datenaufnahme sorgen. Im Anschluss folgen Gruppentermine zur muttersprachlichen Kompetenzbefragung und Einzelgespräche; die Kompetenzen würden häufig nicht richtig eingeschätzt. „Wir müssen wissen, mit wem wir es zu tun haben – das wissen die oft selber nicht!“ Auch Zeugnisse, so denn überhaupt welche vorlägen, seien in der Regel nicht vergleichbar und daher wenig aussagekräftig.

Im Arbeitsamt hat man bereits Erfahrungen mit Qualifizierungsmaßnahmen für Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt gemacht: Programme wie das 500 Stunden umfassende „Perspektiven für Flüchtlinge“ kombinieren einen hohen Sprachvermittlungsanteil mit einem Überblick über den deutschen Arbeitsmarkt und ein zumeist 14-tägiges Praktikum. Auch kulturelle Unterschiede würden hier aufgearbeitet, so Arbeitsamt-Chef Oliver Lemke.

Über fehlende Motivation seitens der Teilnehmer kann er nicht klagen: „Wer nicht mitmacht, fliegt – da setzen wir klare Signale.“ Das sei im Schnitt aber nur bei einem von 20 Kunden der Fall.

Praktikumsplätze zu finden, sei in der Regel kein Problem: „Besonders in Bereichen, wo die Einstellungsnot groß ist, ist auch die Bereitschaft der Arbeitgeber groß“, so Lemke. Dazu gehören Pflegeeinrichtungen, der hauswirtschaftliche Bereich oder auch Lkw-Fahrer.

In punkto Qualifikation haben es die Arbeitsvermittler mit einer breiten Spanne zu tun: „Vom Lese- und Schreibunkundigen bis zum Arzt ist alles dabei“, so Glüsing. Allerdings sei der Anteil derer, deren Qualifikation eine direkte Vermittlung in den deutschen Arbeitsmarkt erlaube, verschwindend gering. Das Fazit: „Reguläre Arbeit ist vorerst noch schwierig.“

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