Diskussion über Integration

Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt: Ohne Sprachkurs keinen Job

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Thea Ohle (v.l.), Herbert Cordes (Arbeitskreis), Heiko Kehrstephan, Mechthild Ross-Luttmann, Oliver Lemke und Harald Glüsing diskutierten in der „Oase“ in Rotenburg über Möglichkeiten der Integration von Flüchtlingen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. 

Rotenburg - Von Heinz Goldstein. Die Arbeitskreise „Wirtschaft und Energie“ und „Zuwanderung und Integration“ des CDU-Kreisverbandes Rotenburg hatten am Mittwochabend zu einer Diskussion über Voraussetzungen und Möglichkeiten der Integration von Flüchtlingen auf dem deutschen Arbeitsmarkt eingeladen. Vertreter aus der Wirtschaft und Verwaltung nahmen Stellung. Sie vermittelten den derzeitigen Stand in ihrem Bereich und sprachen von Fortschritten bei der Bewältigung Herausforderung. Klares Fazit der Diskussion: „Ohne deutsche Sprachkenntnisse ist eine Integration nicht möglich.“

In einer parteiübergreifenden Runde in der Rotenburger „Oase“ direkt vor der Rotenburger Lent-Kaserne sprachen Heiko Kehrstephan als Vertreter des Rotenburger Wirtschaftsforums (RWF) und als Arbeitgeber, Thea Ohle von der Koordinierungsstelle „Frauen & Wirtschaft“ des Landkreises, Oliver Lemke von der Rotenburger Agentur für Arbeit (BfA) und Harald Glüsing vom Jobcenter über Erfahrungen, die sie in ihren Bereichen mit Flüchtlingen, die auf Arbeitssuche sind oder waren, gemacht haben.

Die Vize-Kreisvorsitzende des Arbeitskreises „Zuwanderung und Integration“, CDU-Landtagsabgeordnete Mechthild Ross-Luttmann, moderierte und packte das Problem gleich bei den Hörnern: „Gesucht wird von den Arbeitgebern fachlich qualilfiziertes Personal – und Flüchtlinge mit Bleiberecht wollen arbeiten.“ Die genannten Experten der einzelnen Bereiche stellten sich die Frage: „Wie bekommen wir beides unter einen Hut?“ Die 2015 nach Deutschland geflüchteten Menschen mit Bleiberecht drängen in den kommenden Monaten und Jahren auf den Arbeitmarkt – aber sind sie darauf vorbereitet und qualifiziert genug, die deutschen Standards zu erfüllen? Die größte Hürde, die auf dem Weg zur Integration genommen werden muss, sei die deutsche Sprache, so Ross-Luttmann.

Sie arbeiteten gut mit übrigen Personal zusammen

RWF-Vertreter Kehrstephan ist Hoteldirektor und hat mit drei bei ihm beschäftigten Flüchtlingen gute Erfahrungen gemacht. „Wichtig ist, dass sie willig sind, zu arbeiten und ein wenig Deutsch sprechen“, habe er festgestellt. Sie arbeiteten gut mit dem übrigen Personal zusammen und hätten sich schnell eingearbeitet. „Im Job haben sie sich weitere fachliche Sprachkenntnisse angeeignet.“ Ähnliche Erfahrungen hätten auch Kollegen aus Unternehmerkreisen des RWF gemacht, so Kehrstephan.

Das Jobcenter sieht die größte Schwierigkeit der Vermittlung darin, dass die geforderten deutschen Sprachkenntnisse fehlten, erklärte Glüsing. Diese Barriere, um an Unterstützungsmaßnahmen seines Amtes teilzunehmen, sei ein Problem für die Flüchtlinge. Zudem wüssten viele Arbeitssuchende nicht, wie der deutsche Arbeitsmarkt funktioniert, der sich oft wesentlich von dem im Heimatland unterscheidet. „Oft stellt sich uns die Frage, wie er einsetzbar ist, zumal zumeist keine Qualifikation vorliegen, weil die Papiere in den Krisengebieten verbrannt sind.“ Ähnlich sind die Probleme auch bei der BfA erklärte Lemke. Die Agentur biete rund 220 000 Deutschkurse an. Dennoch sind die Sprachbarrieren ein großes Hindernis. Der Bedarf an Arbeitskräften sei jedoch da.

Die Leiterin der Koordinierungsstelle, Thea Ohle, stellte fest, dass die Integration auf dem Arbeitsmarkt kurzfristig kaum umzusetzen ist. Es sei ein Zeitfaktor von mindestens fünf Jahren erforderlich.

Hartmut Leefers nahm als Kreishandwerksmeister Stellung dazu, dass die Flüchtlinge oft keine Zeugnisse vorweisen könnten: Grundsätzlich sei die Vorlage in den Handwerksberufen keine Voraussetzung, um eine Lehre zu beginnen. Der Ausbildungsbetrieb könne entscheiden, ob ein Zeugnis gefordert wird. Ein Praktikum sei oft der bessere Weg zur Berurteilung der Kompetenzen.

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