VSR-Gewässerschutz war im August mit seinem Messmobil im Landkreis unterwegs

Nitratbelastungen werden sichtbar

Ein Bauer düngt sein Feld mit Gülle. Überdüngung gilt als Hauptfaktor bei den hohen Nitratwerten im Landkreis Rotenburg. - Foto: imago

Rotenburg - Von Ulf Buschmann. Das Grundwasser im Landkreis Rotenburg und in ganz Norddeutschland hat zu hohe Nitratwerte. Darauf weisen die Behörden schon lange hin. Eine Bestätigung dafür liefert jetzt der Verein VSR-Gewässerschutz. Dessen Mitarbeiter sind seit einigen Jahren in Deutschland mit ihrem Messmobil unterwegs. Wer auf seinem Privatgrundstück einen eigenen Brunnen geschlagen hat, kann dort Proben abgeben.

Nach Aussage des Vereins weise jede achte untersuchte Probe Nitratwerte auf, die oberhalb des gesetzlich zugelassenen Grenzwerts von 50 Milligramm pro Liter liegt. Insgesamt 39 Proben gaben die Rotenburger am Messmobil Mitte August ab. Sie stammen aus dem Raum Visselhövede/Wilstedt/Oyten/Gyhum/Fintel/Hemslingen.

Spitzenreiter war ein Brunnen in Stuckenborstel in der Samtgemeinde Sottrum. Nach Angaben des VSR-Gewässerschutz wies die Probe 110 Milligramm Nitrat (mg/l) je Liter auf. Hohe Belastungen habe es auch in Gyhum mit 106 Milligramm pro Liter, in Bassen mit 75 Milligramm je Liter sowie in Waffensen mit 68 Milligramm je Liter gegeben. „Das Wasser ist wegen der Überschreitung der Trinkwasserverordnung nicht mehr zum Trinken geeignet“, warnen die Experten in einer Mitteilung. Auch zum Befüllen von Fischteichen eigne es sich nicht. Aufgrund der hohen Nitratwerte bestehe die Gefahr der Überdüngung und damit des Algenwuchses. Wenn sie sterben, seien in der Folge auch die Fische tot.

Woher die schlechten Werte kommen, lässt sich nach Angaben des Vereins nicht im Einzelnen feststellen. Klar ist für die Verantwortlichen jedoch, dass die Ergebnisse einmal mehr auf den problematischen Zustand des Grundwassers im gesamten Nordwesten hinweisen. Dies bestätigt Torsten Lühring, Leiter des für den Wasserschutz zuständigen Dezernats 4 beim Landkreis Rotenburg. Schuld am Zustand des Grundwassers sei die Überdüngung der Böden durch die Landwirtschaft.

Nach Angaben von Lühring hat der Landkreis das Problem schon seit einigen Jahren im Blick. „Noch bevor die Landesregierung ihren ersten Nährstoffbericht vorgelegt hat, sind wir an die zuständigen Stellen wie die Landwirtschaftskammer und den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz herangetreten“, sagt Lühring. Ziel sei es gewesen, die Verantwortlichen des Landesbetriebes und der Kammer für das Problem zu sensibilisieren. Lühring betont, dass es sich beim Trinkwassergesetz um Bundesrecht handele. Die Überwachung sei Aufgabe der Landwirtschaftskammer.

Sie übernimmt diese Aufgabe im Bereich des sogenannten kooperativen Trinkwasserschutzes im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt und Klimaschutz wahr. „Grundwasserschutzorientierte Maßnahmen werden untersucht und mittels Versuchsergebnissen in die Praxis umgesetzt“, heißt es dazu auf der Internetseite www.lwk-niedersachsen.de. Dazu gibt es unter anderem zahlreiche Informationen in Sachen Düngung für die Landwirte.

Das alles indes reicht Kritikern nicht. Zu ihnen gehört der VSR-Gewässerschutz. „Die gemessenen viel zu hohen Nitratkonzentrationen zeigen einen deutlichen Handlungsbedarf in der Landwirtschaft.“

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