Diskussion um Umbenennung der Lent-Kaserne in Rotenburg vor dem Abschluss

Der Name soll bleiben

Der Schriftzug an der Kaserne wird vermutlich bleiben dürfen. - Foto: Menker

Rotenburg - Von Michael Krüger. Seit über zwei Jahren wird darüber diskutiert, ob die Rotenburger Lent-Kaserne einen neuen Namen braucht. Die Benennung nach dem Luftwaffenoffizier der Nazi-Zeit sei nicht mehr zeitgemäß, hatte das Bundesverteidigungsministerium gerügt. Doch intensive historische Studien haben das Bild etwas verändert. Kommende Woche wollen Landrat Hermann Luttmann (CDU) und Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD) Kreistag und Stadtrat empfehlen, sich für die Beibehaltung des Kasernennamens einzusetzen.

Sechs Jahre nach der Übernahme von der britischen Rheinarmee erhielt der Bundeswehr-Standort in Rotenburg am 18. Juli 1964 den Namen „Lent-Kaserne“. Für die Namensgebung der Kaserne können Persönlichkeiten der Geschichte, Landschaften, Regionen, Gemarkungen oder auch Truppengattungen herangezogen werden. Die Kaserne in der Kreisstadt ist nach dem Flieger Helmut Lent benannt worden. Lent, 1918 in Pyrehne (Kreis Landsberg) im heutigen Polen geboren, hatte sich im Zweiten Weltkrieg als Pilot einen Namen gemacht. Er galt als der zweiterfolgreichste Nachtjäger-Pilot der Luftwaffe und kam 1944 auf einem Flug von Stade nach Paderborn ums Leben. Die Führungsetage in der Kaserne hatte 2014 den Auftrag bekommen, eine neue Namensfindung anzuschieben.

Die Ergebnisse mehrerer Studien liegen mittlerweile vor. Und die führen laut Landrat Luttmann zur Erkenntnis: „Auch wenn nach heutigen Maßstäben aufgrund neuer Erlasslage die Benennung der Rotenburger Kaserne nach Helmut Lent nicht mehr in Frage kommen sollte, stellt die Umbenennung eine schwerwiegende und nicht gerechtfertigte Belastung seines Ansehens dar. Hiervon wären auch die noch lebenden Familienmitglieder betroffen. Handfeste Beweise, dass es sich bei Lent um einen Anhänger des Nationalsozialismus handelte, liegen nach den neuesten Erkenntnissen nicht vor.“

Der posthum zum Oberst ernannte Lent habe sich nichts vorzuwerfen. Luttmann habe sich intensiv mit der Thema beschäftigt, auch weil er 1978 und 1979 selbst Soldat in der Kaserne gewesen sei. Mit seinem Antrag im Kreistag, den in ähnlicher Form auch Rotenburgs Bürgermeister ebenfalls am Donnerstag im Stadtrat einbringen will, hofft er, der Entscheidungsfindung in der Kaserne einen Impuls geben zu können. Denn – das hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zuletzt persönlich mitgeteilt – es entspreche den Prinzipien der inneren Führung und dem Leitbild des Staatsbürgers in Uniform, dass der Meinungsfindungsprozess vor Ort stattfindet. Von der Leyen in einem Brief an den Bundestagsabgeordneten Lars Klingbeil (SPD): „Das Bundesministerium der Verteidigung sieht keine Veranlassung, in den Meinungsbildungsprozess einzugreifen.“

Ob Luttmann für seinen Antrag eine Mehrheit bekommt, ist allerdings noch fraglich. Der Sprecher der Mehrheitsgruppe, Bernd Wölbern (SPD), sagte am Donnerstag: „Wir haben die Frage durchaus kontrovers diskutiert. Das hat auch mit der Kurzfristigkeit der Vorlage zu tun. Da wir insgesamt das Thema aber für wichtig halten, sollte den Abgeordneten die Möglichkeit zugestanden werden, sich noch ausführlicher selbst zu informieren. Eine Eilbedürftigkeit können wir nicht erkennen. Darum halten wir es für vernünftig, dem neuen Kreistag die Beschlussfassung zu überlassen.“

„Zeitnah“, heißt es bei der Bundeswehr, soll die Meinungsfindung abgeschlossen werden, versichert Oberstleutnant Armin Wenzel direkt aus der Kaserne. Spätestens 2017 werde es eine Empfehlung geben, das letzte Wort habe dann das Ministerium. Noch laufe des Prüfverfahren, dass sich nun auch die Kommunen politisch äußern, begrüßt er: „Wir wollen die Interessen der Bevölkerung berücksichtigen.“ Um den ehemaligen CDU-Politiker und Rotenburger Ehrenbürger Friedrich Kuhle hat sich dazu auch eine Bürgerinitiative „Gegen Umbenennung der Lent-Kaserne“ gebildet.

Klingbeil, Mitglied im Verteidigungsausschuss, versichert: „Nach allem, was wir heute wissen, war Helmut Lent kein Nazi im eigentlichen Sinne. Die Benennung der Kaserne im Jahr 1964 entstand fraglos unter anderen Kriterien als wir sie heute anlegen würden. Dennoch weiß ich aus meinen Gesprächen, dass der Name Lent-Kaserne für viele Menschen in Rotenburg und viele Angehörige der Bundeswehr identitätsstiftend ist. Ich gehe davon aus, dass sich das Verteidigungsministerium dem Votum der lokalen Ebene anschließt.“

So geht es weiter

Lent-Kaserne: Meinungsfindung vertagt

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