Kunst aus Scheeßel und Rotenburg 

Filmemacher und Band für Musikvideopreis nominiert

Henning Wirtz von „wenndienaturnichwill“ filmt beim Dreh aus dem Kofferraum heraus.

Rotenburg/Scheeßel - Von Matthias Röhrs. Es ist die Oscar-Verleihung für die lokale Musikszene. So heißt es zumindest aus Veranstalterkreisen. Am Donnerstagabend wird im Bremer Modernes die „Goldene Wurst“ verliehen. Mit dem Preis wird das beste Musikvideo aus der Hansestadt und der umliegenden Region ausgezeichnet. Von den 13 von der Jury bekannt gegebenen Nominierten können auch zwei Gruppen aus dem Landkreis Rotenburg hoffen.

So hat das sechsköpfige Jurorenkomitee aus Musikern, Filmproduzenten und Kultur die Rotenburger Metalband Taina sowie die Scheeßeler Filmemacher „wenndienaturnichwill“ aus insgesamt 51 Einsendungen ausgesucht. Für Letztere war es laut Regisseur Dominic Stermann eine echte Überraschung: „Es ist kein typisches Musikvideo“, erklärt er. Stermann und seine Kompagnons Henning Wirtz (Kamera und Schnitt) und Nikos Sauls (Ton) haben einen Kurzfilm zu dem Lied „Einzelhaft“ der Bremer Band „Cholerika“ gedreht, die Idee zum Video sei dabei vor der Musik entstanden.

Sie zeigt einen kurzen Einblick in das Leben dreier junger Leute – mal mit zeitlichen Rückwärtsbewegungen, mal „normal“. Die Filmemacher haben daraufhin die Musik zur Idee ausgesucht, und nicht – wie sonst bei Musikvideos üblich – anders herum. In vielen Einstellungen sind Ecken in und um Rotenburg herum erkennbar. Bereits beim Filmfest Bremen wurde das Video mit dem Jurypreis ausgezeichnet.

Die Wertungsrichter der Show beeindruckte indes vor allem, dass der Beitrag von Band und Filmemachern innerhalb von 24 Stunden realisiert worden war. Juror Ulf Nawrot erklärt: „Eine frische Mischung aus Surrealismus, Melancholie und einer ganz eigentümlichen Erzählweise im Rückwärtsgang unterstreichen den Song – oder umgekehrt unterstreicht der Song den Clip.“ Das wisse man nicht so genau.

Man könne von der atmosphärischen kleinen Erzählung nicht die Augen lassen und wolle das Video nach dem Ende am liebsten gleich noch einmal anschauen, um ihm sein Geheimnis zu entlocken.

Bildsprache aus Horrorfilmen

Ganz andere Gefühle habe die Jury dagegen bei dem Beitrag von Taina zu ihrem Song „Seelenfresser“ gehabt. Nicht, weil es schlecht gemacht sei – im Gegenteil –, eher sei die Bildsprache, die direkt aus harten Horrorfilmen entnommen ist, der Grund gewesen, weshalb sich die sechs Juroren bei diesem Video schwer getan haben. „In unserem Musikvideo steckt jede Menge Arbeit, Herzblut und Kunstblut. Wir sind auf das Ergebnis sehr stolz“, berichtet Tainas Schlagzeuger Hannes Lehmann.

Eine Frage des Geschmacks

Reaktionen zwischen Ekel und Faszination habe es laut Nawrot in der Jury beim Anschauen gegeben. „Statt nur eine musizierende Band abzubilden, unterstützen die Horrorbilder im Video den Song und seinen Text mit kraftvollen Bildern“, erklärt er die Entscheidung, weshalb man Taina letztendlich doch noch nominiert habe. Die Rotenburger Band hat für das Video mit dem Schweizer Daniel Steffen zusammengearbeitet, der sich eigener Aussage nach vor allem über die Anerkennung aus dem Ausland freue.

Lehmann und seine Mitmusiker Sergej Tschernow sowie Anton Woland wissen, dass der Clip seiner Band durchaus kontrovers behandelt werden kann: „Natürlich ist das ganze eine Frage des Geschmacks. Es gibt halt Fans, die es sehr gut finden, es gibt Leute die es ganz okay finden, und dann gibt es da halt die Fraktion, die den Kopf schüttelt und nicht glauben kann, dass es sowas gibt. Für uns ist das vollkommen in Ordnung“, sagt Lehmann.

Ob die „Goldene Wurst“, die am Donnerstagabend im Rahmen einer Gala – „Die Große Musikvideoshow“ – vom Moderatoren-Duo Charles und Erika verliehen wird, nun auch tatsächlich nach Rotenburg oder Scheeßel geht, entscheiden etwa 500 erwartete Besucher per Abstimmung. Stermann bleibt diesbezüglich zurückhaltend, freut sich einfach über die Teilnahme an sich. Auch Lehmann bleibt pragmatisch: „Wenn wir es schaffen, die Leute vor Ort zu begeistern, gewinnen wir auch.“

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