Superintendentin atmet auf

Weniger Kirchenaustritte im Jahr 2015

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Susanne Briese kann ein bisschen aufatmen: Die Zahl der Kirchenaustritte ist etwas gesunken. Doch darauf möchte sich die Superintendentin nicht ausruhen. 

Rotenburg - Von Inken Quebe. Die Evangelische Kirche verliert auch in Niedersachsen weiterhin Mitglieder. Da bildet auch der Kirchenkreis Rotenburg keine Ausnahme. Dennoch: Der Trend verlangsamt sich. Das lässt auch Superintendentin Susanne Briese leicht aufatmen.

Susanne Briese, die seit gut anderthalb Jahren Superintendentin in Rotenburg ist, verdeutlicht das am Beispiel der Region Rotenburg: Während es 2014 noch 553 Austritte gegeben hat, waren es 2015 insgesamt 520. Zur Einordnung: In der Region leben 10 790 der insgesamt rund 58 000 Mitglieder im Kirchenkreis. Dagegen ist die Zahl der Taufen gestiegen – von 422 auf 445. Und: Es sind auch mehr Leute in die Kirche eingetreten, insgesamt waren es 102. 2014 waren es noch 65. In den anderen vier Regionen des Kirchenkreises seien die Zahlen vergleichbar. Briese glaubt, einen Grund ausgemacht zu haben: Gerade, dass es mehr Taufen gegeben hat, zeige ihr, dass sich Eltern vermehrt Segen und Schutz für das Kind erhoffen. Denn: „Sie haben festgestellt, dass Schutz im Leben nicht mehr alltäglich ist“, sagt Briese und bezieht sich damit auf derzeitige Krisensituationen mit Anschlägen, Gewalttaten, Flucht und Vertreibung.

„Wir erreichen nicht alle.“

„Die Kirche konnte deutlich machen, wofür sie steht“, ist Briese außerdem überzeugt. Dazu gehörten zum Beispiel das große diakonische Engagement, Beratung für Menschen in Notsituation und ebenfalls das Engagement in der Flüchtlingssituation. Sie weiß, wem das unter anderem zu verdanken ist: „Dazu tragen die Menschen bei, die sich in den Gemeinden engagieren.“

Aber Briese weiß auch, dass sich das Blatt wieder wenden kann. „Eins ist auch klar: Wir erreichen nicht alle. Das muss man respektieren.“ Denn sie hat auch Zahlen aus dem Jahr 2009 parat: Damals lagen die Austritte in der Region Rotenburg noch bei 355. Auch in Bezug auf den Anstieg in den vergangenen Jahren hat sie eine Vermutung: „Das Vertrauen in die Kirche im Allgemeinen ist etwas verloren gegangen.“ Außerdem habe es an der Kommunikation gehapert, beispielsweise als die neue Form des Einzugs der Kirchensteuer mitgeteilt wurde. Es sei nicht deutlich genug geworden, dass das an der Höhe der Steuer nichts geändert habe. Doch die Jahre der vielen Austritte scheint überwunden. „Wir müssen daran arbeiten, dass so bleibt“, appelliert die Superintendentin.

Neue Akzente im Kirchenkreis

Der Kirchenkreis ist gerade dabei, sich dahingehend aufzustellen. „Wir müssen deutlicher wahrnehmen, wie Menschen leben und was sie wollen“, sagt die Geistliche. Aus diesem Grund ist für den 21. August zum Beispiel wieder ein Tauffest am Weichelsee geplant. „Das ist eine tolle Gelegenheit für Eltern, die kein großes Budget für eine Feier haben“, sagt Briese. Insgesamt werde es mehr als 30 Taufen geben. Für den Anschluss sei ein Grillfest geplant. „Das ist eine Form, die uns gefällt.“

Allgemein sei vorgesehen, Angebote mehr auf die Bedürfnisse der Gläubigen zuzuschneiden. Da sei das wiederaufgelebte Tauffest ein Anfang. Aber auch die Gottesdienstzeiten seien ein Knackpunkt: „Sonntagmorgen 10 Uhr ist bei vielen Familien die einzige Zeit in der Woche, in der sie gemeinsam frühstücken können“, gibt Briese zu bedenken. Ein moderner Ansatz sind die „After-Work-Gottesdienste“, die es in vielen Gemeinden bereits gebe. Um neue Ideen zu entwickeln, gibt es einen Innovationsausschuss im Kirchenkreis: „Es werden auch innovative Angebote aus den Gemeinden prämiert.“

Finanziell auf sicheren Füßen

Finanziell sieht Briese den Kirchenkreis auf sicheren Füßen: Der Finanz- und Stellenplan für die Jahre 2017 bis 2022 sehe vorerst keine Einschnitte vor. Es müssten beispielsweise keine Pfarrstellen gekürzt werden. Vielmehr werde die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gestärkt. Außerdem soll das Angebot in den Gemeinden ausgebaut werden.

Die Einnahmen bleiben in den Jahren 2017 bis 2020 auf einem gleichen Niveau, sagt Briese. Für die Jahre 2021 und 2022 müsse man dagegen mit leichten Kürzungen der Mittel rechnen. Aber: „Wir sind trotzdem in einer ganz guten Situation.“ Da seien andere Kirchenkreise schlechter dran, diese hätten „radikalere Einschnitte“ zu befürchten und seien auch strukturell anders aufgestellt – schwierig sei es zum Beispiel, wo es viele alte Menschen gibt. „Ideen helfen nicht immer“, sagt Briese. Die Rotenburger Superintendentin blickt aber positiv in die Zukunft: „Man darf keine Angst haben.“

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