Liebe abseits von Schema F

Autist Peter Schmidt liest aus „Ein Kaktus zum Valentinstag“

Peter Schmidt hat erst mit 41 Jahren festgestellt, dass er das Asperger-Syndrom hat.

Rotenburg - Von Inken Quebe. Peter Schmidt hat selbst immer gespürt, dass er irgendwie anders, dass er nicht wie die anderen ist. Und mit 41 Jahren entdeckte er durch eine Folge der Serie „Im Namen des Gesetzes“ den Grund dafür: Er ist Autist mit Asperger-Syndrom. Das stellt Schmidt und sein Umfeld nicht nur im Beruf vor Probleme, sondern auch in der Liebe.

Welche das sind, hat er im Buch „Ein Kaktus zum Valentinstag“ niedergeschrieben. Am Freitag um 19 Uhr kommt er für eine Lesung ins Beratungszentrum der Rotenburger Werke.

Es war ein großer Zufall: Eigentlich wollte Peter Schmidt die Nachrichten gucken, als er den Fernseher einschaltete, lief aber die Sendung „Im Namen des Gesetzes“. Auch den Titel der Folge kennt er noch genau: „Panik“. Sie brachte den heute 50-Jährigen das erste Mal in Berührung mit dem Asperger-Syndrom, denn der junge Mann, um den es in dieser Sendung ging, war von eben diesem betroffen. „Das könntest glatt du sein“, dachte sich Schmidt und befragte „Tante Google“, wie er es nennt. Sein Eindruck bestätigte sich, als er die Liste der Symptome las.

Schon vorher hatten ihn viele einen Autist genannt, erinnert er sich. „Aber ich dachte immer, dass Autisten nicht sprechen können.“ Das änderte sich an diesem Tag vor fast zehn Jahren: „Über die Jahre war ein Warum-Baum gewachsen. Der wurde mit einem Mal gefällt“, sagt er rückblickend.

Dabei hat Schmidt, der in Gadenstedt im Landkreis Peine wohnt, selbst gemerkt, dass er nicht wie die anderen ist. Zum Beispiel in der Schulzeit. „Wenn ein Plan durcheinander gekommen ist, bin ich ziemlich fuchsig geworden“, sagt er. Während heute immer mehr aussortiert werde, wenn etwas nicht ins Schema F passe – Schmidt nennt es Vollkasko-Mentalität –, habe er selbst die Regelschule besucht. Und das auch erfolgreich: Inzwischen ist er promovierter Geophysiker und IT-Experte. In den Bereichen Mathematik und Naturwissenschaften ist er hochbegabt.

Schmidt kann aber keine Emotionen erkennen, sie sind für ihn nicht interpretierbar. Für ihn gibt es keine Beziehungsebene in Gesprächen, für ihn zählt nur das gesprochene Wort. In seinen Vorträgen vergleicht er es mit einem Bild von einer Mittelmeer-Stadt in Schwarzweiß, und die Zuhörer sollen erkennen, wo die Pools sind.

Sein Kommunikationsproblem hat ihn auch in Sachen Liebe vor einige Hürden gestellt, die er in seinem Buch „Ein Kaktus zum Valentinstag“ verarbeitet hat. Dass er schon 23 Jahre verheiratet ist – er kann nämlich auch nicht flirten –, hätte mit einer anderen Frau womöglich nicht geklappt: „Als wir noch nicht verheiratet waren, habe ich ihr mal einen Kaktus geschenkt“, erzählt er. 

Als er jemandem davon erzählt hat, sei er aufgeklärt worden: Einen Kaktus könne man doch nicht seiner Freundin schenken, das sei so ähnlich, wie Schluss zu machen. Und doch blieb Martina. Inzwischen haben die beiden zwei Kinder.

Es gibt noch Restplätze. Trotzdem bitten die Veranstalter um Anmeldung unter der Telefonnummer 04261 / 4143333 oder per E-Mail an beratungszentrum@rotenburgerwerke.de.

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