Wieder mehr Einwohner wegen der Flüchtlinge

Der Landkreis wächst

Stempel drauf: Die Zahl der Geburten ist nach Zählung der Behörden zuletzt wieder leicht gestiegen auf 1 334 im vergangenen Jahr. - Foto: imago

Rotenburg - Von Michael Krüger und Stephan Oertel. Der Landkreis wächst wieder. Nachdem die Bevölkerungszahl über mehrere Jahre kontinuierlich gesunken ist, zeigt die Kurve jetzt wieder nach oben. Landrat Hermann Luttmann (CDU) betont: „Der Abwärtstrend ist gestoppt.“ Allerdings gründet sich der Zuwachs vor allem auf Zuzug – Migranten sorgen für das Plus. Die Anzahl der Geburten liegt weiterhin deutlich hinter der von Anfang der 2000er-Jahre.

Sechs Jahre hat der Landkreis deutlich mehr Einwohner verloren als hinzu kamen, und viele gingen davon aus, dass dies so bleibt. Grund: Die anhaltend niedrige Geburtenzahl und der Trend Richtung Stadt. In den beiden vergangenen Jahren indes ging es wieder aufwärts mit der Bevölkerungszahl im Landkreis. Das entspricht laut Luttmann der bundesweiten Entwicklung, sei aber für eine ländlich strukturierte Region nicht selbstverständlich. 163 250 Menschen lebten Ende 2015 zwischen Bremervörde und Visselhövede – 1 400 mehr als ein Jahr zuvor.

Ist damit die Sorge um ausblutende Dörfer und Schulschließungen vom Tisch? Nein, sagt der Landrat. Denn das Wachstum sei in erster Linie den Flüchtlingen geschuldet. Weil unter ihnen wenige Kinder sind, wirkt sich das auf die Schulplanungen kaum aus. Die Zahlen verdeutlichen dies: 1 334 Babys kamen 2015 von im Landkreis gemeldeten Müttern auf die Welt, 2001 waren es noch 1 809. Es werde absehbar also trotz des zuletzt leichten Anstiegs der Geburtenrate mancherorts schwierig bleiben, Schulklassen zu füllen.

Laut Luttmann hat es in diesem Jahr 864 Abiturienten gegeben, 40 Prozent eines Jahrgangs machen demnach im Landkreis ihren Abschluss an Gymnasien. 13 Kommunen im Landkreis bedeuten momentan noch 13 Schulstandorte und fünf Gymnasien. Ohne die Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen zu Ober- und Gesamtschulen hätte man die sinkenden Jahrgangszahlen schon jetzt nicht mehr auffangen können. Der Jahrgang 1998, der in diesem Jahr das Abitur gemacht habe, sei mit mehr als 500 Geburten mehr noch deutlich größer gewesen als die heutigen. Luttmann: „Es wird sichtbar, dass es möglicherweise nicht mehr für alle reichen wird.“ Die kommenden Jahre werde intensiv geprüft werden müssen, wo Schulstandorte noch sinnvoll seien.

Wenn es Bevölkerungswachstum gibt, dann eher in den größeren Ortschaften. Viele kleine Dörfer wachsen dagegen nicht oder schrumpfen sogar. Im Altkreis verzeichneten Ende 2015 im Vergleich zum Jahr 2000 Sottrum (14 444 Einwohner, +757), Scheeßel (12 946, +450) und Fintel (7 461, +189) Zuwächse, Bothel (8 231, -248), Rotenburg (21 392, -278) und vor allem Visselhövede (10 199, -659) verlieren. Allerdings hat die Stadt Rotenburg die Einwohnerzahl zum 31. Dezember 2015 zuletzt selbst mit 22 463 angegeben – was für die Kreisstadt im langjährigen Vergleich ein deutliches Plus bedeuten würde. Größte Kommune im Landkreis ist laut der Zählung des Kreishauses seit Anfang der 2000er-Jahre die Samtgemeinde Zeven mit aktuell 22 812 Einwohnern.

Der aktuell kreisweite Anstieg zeigt sich mehr oder weniger ausgeprägt in allen 13 Verwaltungseinheiten, lediglich Bremervörde verlor weiterhin Einwohner auf nunmehr 18 645 (im Jahr 2000 noch 19 244). Eine Besonderheit gibt es in Selsingen: Nach dem Abzug der niederländischen Soldaten haben viele ihrer deutschen Kollegen einen Wohnsitz rund um die Kaserne angemeldet, weshalb gerade Selsingen zwischenzeitlich deutlich mehr Bewohner ausweist – Ende 2015 waren es 9 631 Einwohner, vor 15 Jahren waren 9 121 gemeldet. Die kleinste Kommune im Landkreis ist Geestequelle mit 6 449 Einwohnern (Ende 2000 noch 6 751).

Aus der Landkreis-Statistik geht schließlich auch hervor, dass es seit 2005 mehr Todesfälle als Geburten im Landkreis gibt. Dieses „natürliche Saldo“ ist zuletzt auf mehr als 500 angewachsen.

Mehr zum Thema:

Party in den USA endet in Feuer-Hölle: Bis zu 40 Tote befürchtet

Party in den USA endet in Feuer-Hölle: Bis zu 40 Tote befürchtet

RB Leipzig bleibt Erster vor Bayern und Hertha BSC

RB Leipzig bleibt Erster vor Bayern und Hertha BSC

Nikolausmarkt rund um die Kirche in Dörverden

Nikolausmarkt rund um die Kirche in Dörverden

Bartels hält Werder am Leben

Bartels hält Werder am Leben

Meistgelesene Artikel

Diskussion im Rathaus über Umbenennung der Lent-Kaserne

Diskussion im Rathaus über Umbenennung der Lent-Kaserne

Kreisumlage wieder im Fokus: Zurück auf 49 – mindestens

Kreisumlage wieder im Fokus: Zurück auf 49 – mindestens

Mann nach Unfall auf Grünabfallsammelplatz schwer verletzt

Mann nach Unfall auf Grünabfallsammelplatz schwer verletzt

Die Frage nach dem Mehrwert

Die Frage nach dem Mehrwert

Kommentare