Kurz vor dem Risikobereich

Fast alle untersuchten Erdgas-Förderplätze in der Region weisen Probleme auf

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Für Kritiker sind die Befunde ein erneutes Argument, die Erdgasförderung in der Region wegen der Gesundheitsgefahren sofort zu stoppen. 

Rotenburg - Von Michael Krüger. Wie viel Schadstoffe gibt es an den 52 noch aktiven Erdgas-Förderstellen im Landkreis wirklich? Am Montag hatte das Landesbergamt (LBEG) erste Ergebnisse einer landesweiten Studie vorgestellt. Demnach gab es Grenzwertüberschreitungen an fünf von 36 untersuchten Plätzen. Allerdings ist das nur die Spitze des Eisbergs, wie am Mittwoch in der Sitzung der AG Erdgas im Kreishaus deutlich wurde: Denn tatsächlich gibt es Auffälligkeiten an fast allen Förderstellen.

Zu hohe Werte für bestimmte Giftstoffe in den Bodenproben schon, aber noch kein akuter Handlungsbedarf: Die Vertreter des Landesbergamts waren am Mittwoch sichtlich darum bemüht, ihre Definition von Schadstoffbelastungen an den geprüften 33 Erdgas-Förderstellen und drei Versenkbohrungen klar zu machen. Fakt ist: Nur an zwei untersuchten Plätzen gab es keine Auffälligkeiten. An den Erdgasförderplätzen Hemsbünde Z 1 (Dea) und Bötersen Z 1 (ExxonMobil) wurden auffällige Werte für Quecksilber festgestellt, an den Erdgasförderplätzen Sottrum Z 1 (ExxonMobil), Hemsbünde Z 2 (Dea) und Hemsbünde Z 4 (Dea) auffällige Werte für sogenannte Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Hier wurden die Unternehmen aufgefordert, Detailuntersuchungen vorzunehmen und gegebenenfalls die Schadstoffe zum Beispiel durch Bodenauskofferungen zu beseitigen. Diese Maßnahmen laufen teilweise noch.

Erstmals öffentlich wurde am Mittwoch nun, dass es an 29 weiteren Plätzen ebenfalls Probleme gibt oder geben könnte. In der Klassifizierung des LBEG bedeuten die Messungen: „Bodenwerte, bei deren Überschreiten unter Berücksichtigung von geogenen oder großflächig siedlungsbedingten Schadstoffgehalten in der Regel davon auszugehen ist, dass die Besorgnis einer schädlichen Bodenveränderung besteht. Besorgnis heißt in diesem Fall, es ist ein Prozess im Gange, der, wenn er nicht unterbrochen wird, irgendwann zu schädlichen Bodenveränderungen führen kann.“ Im Klartext: Es muss gegengesteuert werden von den Unternehmen, damit die Werte nicht weiter steigen.

Sämtliche Bohrstellen sollen untersucht werden

Bothels Samtgemeindebürgermeister Dirk Eberle sprach für alle kommunalen Vertreter und die Kreisverwaltung in der Arbeitsgruppe, dass klar sei, dass nun sämtliche Bohrstellen untersucht werden müssen: „Es bewegt sich auf ein Risiko zu.“ Rochus Rieche, Referatsleiter für Gefahrenabwehr beim LBEG, betonte für die Behörde: „Wir haben überrascht festgestellt, dass wir so viele Plätze zumindest im Vorsorgebereich haben.“ Und dabei sind diejenigen Förderplätze, an denen es bereits in der Vergangenheit Vorfälle gab, im Untersuchungsdesign gar nicht berücksichtigt. Rieche: „Das sind noch einmal vier oder fünf, an denen bereits Maßnahmen vorgenommen werden mussten.“ Ob nun alle Förderplätze in der Region analysiert und einer dauerhaften Kontrolle unterzogen werden sollen, sei eine politische Entscheidung. Die Behörde führe nur aus.

Linken-Politiker Manfred Damberg kritisierte die Untersuchungen, die nur zu Hinweisen an die Konzerne führen. Es habe keine Luftmessungen gegeben, auch seien entscheidende Parameter wie Radioaktivität nicht berücksichtigt worden. Vom Landesbergamt heißt es, dass diese Untersuchungen nun am Ende der Studie an ausgewählten Stellen nachgeholt werden sollen.

Unternehmen in die Pflicht nehmen

Für viele Bürgerinitiativen sind diese Daten in der Zeit eines vermuteten Zusammenhangs der erhöhten Krebszahlen mit der Erdgasförderung ein Affront. Auch wenn die Ursachen der Belastungen durch die Messungen nicht bestimmt werden können, müssten die Unternehmen in die Pflicht genommen werden. „Es muss endlich eine Anerkennung der Gefährdungslage im Umfeld der Gas- und Ölförderung geben, die wahrlich viele Konsequenzen nach sich zieht, wie eine dauerhafte Luftmesskampagne und Gesundheitsmonitoring vor und nach Einsatz der Fördertechnik“, sagt zum Beispiel Kathrin Otte, stellvertretende Vorsitzende des „Gemeinnützigen Netzwerks für Umweltkranke“. Es überrasche, dass die Veröffentlichung der Ergebnisse ohne eine Gefährdungsbeurteilung dieser Funde erfolge. Otte: „Aber auch ohne diese ist unschwer zu erkennen, dass krebserregende Stoffe an den Gasförderplätzen in den Boden gelangt sind.“

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