Kommentar zum Agaplesion Diakonieklinikum

Es verlieren alle

Kommentar von Michael Krüger. Das Krisenmanagement bei Agaplesion nach der Demission von Rainer W. Werther ist eine Katastrophe. Der Maulkorb, den sich alle Beteiligten nach dem Aus des in der Kreisstadt hoch geachteten Geschäftsführers verpasst haben, zeugt von einer Unternehmenskultur, die mit den stets so hochgehaltenen christlichen Grundsätzen nichts zu tun hat. Dabei geht es im Grunde gar nicht um den Chef und die möglichen Gründe, warum er nun geht oder gehen muss.

Auch wir als Redaktion haben uns lange mit der Frage beschäftigt, ob die Entscheidung bei einer Aktiengesellschaft, dass ein hochrangiger Mitarbeiter geht, eine weitergehende Berichterstattung als die Meldung mit den offiziellen Statements wert ist. Spätestens mit dem „Brandbrief“ aus dem Rotenburger Mutterhaus ist sie es.

Michael Krüger

Die klaren Statements auch aus der Landeskirche und der Diakonie zeigen ein Problem auf, das unter Mitarbeitern auf den unteren Ebenen seit vielen Jahren ein Thema ist, in einem sich der „Nächstenliebe“ verschriebenen Konzern umso mehr. Agaplesion zeigt mit seiner Verweigerungshaltung zur Information oder sogar Mitbestimmung gegenüber den hiesigen Miteigentümern und gegenüber dem Personal sowie der Nicht-Beantwortung sämtlicher offener Fragen in der öffentlichen Debatte, dass die hehren Grundsätze der Christlichkeit wertlos sind, wenn es um den Profit und Unternehmenspolitik geht. Dass der Konzern zudem keine Antworten darauf gibt, wie sich die Arbeitsbedingungen für das „Bodenpersonal“ und damit letztlich die Situation für die Patienten verändern wird, ist ein weiterer Schlag in die Magengrube derer, die dem Rotenburger Diakonieklinikum ihr Vertrauen entgegen bringen. So verlieren alle. Nicht nur einer seinen Job.

Lesen Sie dazu den Artikel „Abschied sorgt für Empörung“

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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