Investor will am Aral-Kreisel in Großprojekt umsetzen

Kletterhalle, Kino, Hotel

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Das Gelände zwischen Hansestraße und Rönnebrocksweg liegt derzeit weitgehend brach. Die alten Putenställe verfallen. Investor Emil Liedtke will hier eine Kletterhalle bauen – und noch einiges mehr. 

Rotenburg - Von Michael Krüger. Emil Liedtke will mehr. Gut 7 .000 Quadratmeter an Brachfläche und bebauten Grundstücken hat der Rotenburger Unternehmer am Rönnebrocksweg erworben, um „beträchtlich zu investieren“. Im Ausschuss für Planung und Hochbau berichtet er von seinen Plänen: eine Kletterhalle mit Outdoor-Shop, dazu ein Hotel, vielleicht sogar ein Kino. „Ich bin bereit“, verkündet der Senior schwungvoll den Ausschussmitgliedern. Doch der Stadt geht das alles etwas zu schnell – und zu weit.

Dabei ist die Begeisterung überparteilich groß. Bürgermeister Andreas Weber (SPD) spricht von einer „großen Chance für Rotenburg“, und auch Rotenburgs CDU-Chef Eike Holsten sagt: „Der Mehrwert für die Stadt steht außer Frage.“ Genau deshalb will die Stadtverwaltung mit der Änderung des „Bebauungsplans Nr. 5 – Beiderseits der Hansestraße“ das Projekt im beschleunigten Verfahren auf den Weg bringen. Sie erhält dafür bei zwei Gegenstimmen auch die Zustimmung des Ausschusses, allerdings kündigt nicht nur Holsten noch „erheblichen Gesprächsbedarf“ an.

Investor ist kein Unbekannter

Die Kernfragen, um die es bei Liedtkes Projekt geht: Leidet die Innenstadt unter den Einrichtungen? Und was verträgt sich mit den Interessen der Anwohner? Für den Investor selbst ist klar, dass Rotenburg nur gewinnen kann. Allerdings brauche er dafür „uneingeschränkte Genehmigungen“. Nur dann ließe sich die Wirtschaftlichkeit ungehindert durchsetzen. Dabei dürfte Liedtke durchaus wissen, wovon er spricht: Der Investor ist europaweit tätig und ist auch in seiner Heimatstadt kein Unbekannter. Die umliegenden Gewerbebauten Kito-Kinderwelt, Physioaktiv Fitness-Center, Aral-Tankstelle und McDonald’s: alles Projekte Marke Liedtke. Selbst den Kreisel habe er einst für die Stadt finanziert, sagt er in der Ausschusssitzung. Und in dieser Art soll es gleich nebenan am Ortseingang weitergehen. Ähnlich der „Fünf-Sterne-Hallen“ gegenüber will er eine Kletterhalle bauen mit angeschlossenem Bekleidungs- und Sportgeschäft. „Ich bin aber auch bereit, ein Kino zu errichten und ein 30-Betten-Hotel“, so Liedtke in Richtung der angesichts dieser Offenheit teilweise überraschten Zuhörer im Sitzungsraum 4 des Rathauses.

Wird die Kundschaft aus der City herausgezogen?

Doch der Stadt geht das aktuell noch zu weit. Zunächst einmal wird über ein Teilstück von Liedtkes Liegenschaft gesprochen, 3.200 Quadratmeter. Dort soll der Investor mehr Raum als bislang möglich erhalten, um die Kletterhalle zu errichten. Allerdings sind im Bebauungsplan auch Einschränkungen vorgesehen: Die Verkaufsfläche soll maximal 300 Quadratmeter betragen dürfen, zudem ein Hotel oder Vergnügungsstätten wie Discos ausgeschlossen werden. Diese stehen „hier in Stadtrandlage den Zielen der Stadt und des Einzelhandelskonzeptes entgegen“, heißt es. Gerade „Vergnügungsstätten können für das Gebiet eine Niveauabsenkung zur Folge haben“, die Wohngebiete könnten an Attraktivität verlieren. Bürgermeister Weber: „Alles das, was Herr Liedtke machen möchte, ist städtebaulich nicht erwünscht.“ Das untermauert auch die Vorsitzende der IG City-Marketing Cornelia Gewiehs: „Wir haben die Befürchtung, dass das Einzelhandelskonzept durchlöchert wird.“ Die Kundschaft könnte weiter aus der City herausgezogen werden.

Tatsächlich, bestätigt Weber, setze die Stadt bei einem Hotel auf einen Standort in der Innenstadt. Im Gespräch, so ist zu vernehmen, könnte eine Realisierung auf dem bisherigen Post-Gelände im Zuge des Sparkassen-Neubaus sein. Und auch das Thema Kino sieht Weber eher in der Innenstadt. Mit einem Projektentwickler würden derzeit fünf Standorte geprüft. Mitte September soll es die nächsten Verhandlungen geben: „Das ist keine Luftnummer, sondern es sind ernsthafte Gespräche.“ Anders als von Investor Liedtke angedacht, ginge es dann auch um ein größeres Kino mit vier statt nur zwei Sälen.

Zwar ist die erste öffentliche Auslegung des Bebauungsplans nur eine Diskussionsgrundlage, wie alle Ausschussmitglieder betonten. Aber Emil Liedtke sagt schon jetzt: „Die Bedenken sind zu groß.“ Und: „Ich grüble nun, ob ich hier wirklich etwas mache.“

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