Julienne Mbodje nimmt an einem Gesangswettbewerb teil

Klassik made in Rotenburg

Julienne Mbodje hat bis zu ihrem Umzug nach Berlin mit 14 Jahren in Rotenburg gelebt. Morgen möchte sie bei den Vorauswahlen für den Bundeswettbewerb Gesang überzeugen. - Foto: Adam Uscinowicz

Rotenburg - Von Inken Quebe. Zwar wohnt Julienne Mbodje schon gut sechs Jahre nicht mehr in Rotenburg – die musikalischen Wurzeln der Sängerin liegen dennoch in der Kreisstadt an der Wümme. Am Sonntag nimmt die 20-Jährige an den Vorauswahlen des Bundeswettbewerbs Gesang für Oper, Operette und Konzert in Karlsruhe teil. Ihre ersten gesanglichen Schritte hat sie im Kinderchor der Rotenburger Michaelsgemeinde gemacht.

„Ich verbringe den ganzen Tag mit Musik“, sagt die angehende Sängerin. Seitdem Julienne Mbodje 14 Jahre alt ist, dreht sich ihr ganzes Leben darum, erzählt sie. Zu dieser Zeit ist sie mit ihrer ganzen Familie von Rotenburg nach Berlin umgezogen. Die Lust auf das Singen, auf Musik, das alles konnte sie dort professionalisieren. Julienne Mbodje wechselte also vom Ratsgymnasium in Rotenburg auf das Musikgymnasium Carl Philipp Emanuel Bach, das mit der Hanns-Eisler-Hochschule für Musik kooperiert. Eine Entscheidung, die sie schon in jungen Jahren zur Studentin machte.

Ihre musikalischen Anfänge hat sie aber noch in Rotenburg gemacht. „Ich singe seit meinem dritten Lebensjahr“, sagt Mbodje. Damals hat sie im Kinderchor der Michaelsgemeinde mitgesungen. Doch sie legte auch andere musikalische Talente an den Tag: Es folgte mit fünf der erste Geigenunterricht, später kamen noch Klavierstunden hinzu. Den ersten Gesangsunterricht nahm sie dann mit 13 – bei Natalie Usselmann-Kock aus Ahausen. Allerdings nur ein Jahr lang, denn dann ging es bekanntlich nach Berlin.

Ihre erste Lehrerin erinnert sich noch ziemlich lebendig an „die Julie“, wie sie sie nennt. „Sie hat eine ganz wunderbare Stimme“, sagt sie über ihren ehemaligen Schützling. Die Begabung sei ihr wohl in die Wiege gelegt worden. Trotzdem hat sich Julienne Mbodje schon damals nicht ausschließlich auf ihr Talent verlassen: „Sie war eine eifrige Schülerin, war jede Woche da.“

Während sich Mbodje heute in ihrem Gesangsstudium an der Hochschule für Musik in Freiburg aber überwiegend mit Oper, Operette und Oratorium beschäftigt, interessierte sie sich früher noch eher für Jazz und Popular-Musik. „Sie wollte nur Pop-Musik singen. Aber ich habe ihr gesagt, dass wir auch Klassik machen müssen“, sagt Usselmann-Kock, die von Mbodje noch bei der Wahl der Hochschule um Rat gefragt wurde. Die ersten Wettbewerbe waren dann auch im Bereich Pop-Musik – zum Beispiel hat sie als Jugendliche den ersten Platz beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ in der Kategorie „Pop-Gesang“ belegt.

Während sie als einen der ersten Berufswünsche sogar Geigerin angibt, haben sich ihre Ziele inzwischen anders entwickelt. Auch Pop und Jazz singe sie heute nur noch zum Spaß: „Das ist eher ein Hobby.“ Beruflich läuft es nun auf eine möglicherweise internationale Karriere im Bereich des klassischen Gesangs hinaus – mit großen Träumen. Ziele, die Mbodje selbst „utopisch“ nennt, könnten irgendwann ein Engagement an der Metropolitan Opera in New York oder der Deutschen Oper Berlin sein. „Es ist aber eher ein Wunschtraum“, hält sich Mbodje zurück.

Vorbereitung steht im Fokus

Ein erster Schritt in diese Richtung folgt am Sonntag, wenn es darum geht, die Jury bei den Vorauswahlen für den Bundeswettbewerb Gesang in Karlsruhe mit ihrem etwa 30-minütigen Programm zu überzeugen. Der Wettbewerb sei für Studenten machbar, sagt Mbodje. Von diesem habe sie durch ihre jetzige Professorin in Freiburg, Dorothea Wirtz, erfahren. Wenn alles gut läuft, meistert sie die Vorauswahlen und nimmt an dem Hauptwettbewerb am 5. November in Berlin teil. Derzeit dreht sich für Mbodje alles darum, gut darauf vorbereitet zu sein.

Trotzdem singt sie derzeit nicht mehr als sonst, es bleibe bei zwei bis drei Stunden pro Tag. „Ich übe jetzt gezielter, andere Dinge rücken gerade in den Hintergrund“, gibt sie einen Einblick. Es sei nicht sinnvoll, noch häufiger zu üben, sondern womöglich sogar kontraproduktiv: „Man kann die Stimme nicht viel mehr belasten, sie ist ein sehr empfindliches Organ.“ Und das soll dann im richtigen Moment funktionieren. Schließlich will Mbodje mit ihrem Gesang auch Gefühle transportieren. „Ich möchte das Publikum erfreuen und berühren, das Schöne an der Musik näherbringen“, sagt die 20-Jährige.

Und vielleicht kehrt Julienne Mbodje eines Tages zum Beispiel für ein Konzert in die Kreisstadt zurück. Zwar war sie seit ihrem Weggang nach Berlin nur einmal an ihrem alten Wohnort, trotzdem: „Ich habe schon den Wunsch, demnächst mal wieder nach Rotenburg zu kommen und alte Freunde zu besuchen.“ Vielleicht stattet sie dann auch ihrer ersten Gesangslehrerin einen Besuch ab.

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