„Kallmoor Z1“: Gutachter sieht keine relevanten Schadstoffgehalte

Keine Gefahr aus der Bohrschlammgrube

Viel ist nicht mehr zu sehen von den einstigen Bohrschlammgruben „Kallmoor Z1“. Doch die Befürchtung war groß, dass die Gefahr unter der Erde lauert. Archivfotos: Landkreis
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Viel ist nicht mehr zu sehen von den einstigen Bohrschlammgruben „Kallmoor Z1“. Doch die Befürchtung war groß, dass die Gefahr unter der Erde lauert. Archivfotos: Landkreis

Rotenburg - Von Michael Krüger. Das Ergebnis relativiert. „Giftiger Bohrschlamm im Boden!“, hatte der NDR im November 2014 lautstark getitelt, deutschlandweit stürzten sich die Medien auf das Thema. Jetzt, eineinhalb Jahre später, wird in der 13. Sitzung der Arbeitsgruppe Erdgas- und Erdölförderung im Landkreis in kleiner Runde und mit deutlich weniger Scheinwerferlicht im Kreishaus die Entwarnung verkündet: In weiten Zügen sind in den beiden Gruben von „Kallmoor Z1“ nördlich von Stemmen „keine relevanten Schadstoff-Gehalte nachweisbar“.

Was wurde seit Mitte des 20. Jahrhunderts in den hunderten Gruben im Kreisgebiet abgelagert? Was war harmlos, was hat zu Schäden geführt, was wird noch künftig für Probleme sorgen? Diese Fragen sind unbeantwortet. Umweltstandards wie heute interessierten damals nur wenige. Und so kippte auch die seit Jahrzehnten in der Region emsige Erdgas- und Erdölindustrie ihre „Abfälle“ – Stein, Sand, Matsch und „Produktionsreste“ – in ungeschützte Gruben. So wie in die alte Bohrstelle „Kallmoor Z1“.

Nach dem öffentlichen Aufschrei hatte der Landkreis knapp 9000 Euro investiert, um eine orientierende Untersuchung anzuschieben. Die brachte zwar keine akute Gefährdung zutage, wies allerdings einige bedenkliche Werte auf. Eine erhöhte Konzentration von Mineralölkohlenwasserstoffen habe sich in den unter einer 50 Zentimeter hohen Deckschicht abgelagerten Bohrschlammresten ergeben. Zudem wurden in beiden Gruben erhöhte Belastungen mit Benzol, Toluol, Xylol und Ethylbenzol (BTEX) gemessen, hieß es damals von Gert Engelhardt, Leiter des Amts für Wasserwirtschaft des Landkreises. Mit dem in der Region heute maßgeblichen Gasförderer „ExxonMobil“ als Rechtsnachfolger der damaligen Gruben-Betreiber Elwerath einigte sich der Landkreis auf eine Detailuntersuchung. Der Konzern willigte ein, zahlte und wird nun entlastet: Das Planungs- und Beratungsunternehmen Arcadis präsentierte gestern Ergebnisse, die in der Gesamtheit „aus gutachterlicher Sicht keine Maßnahmen erforderlich“ machen. Eine Sanierungserfordernis aus bodenschutzrechtlicher Sicht bestehe nicht. Allerdings müsse die Lage neu bewertet werden, wenn die derzeit brach liegende Wildfläche einer neuen Nutzung zugeführt werde – dann müssten gegebenenfalls bestimmte Bereiche abgetragen und entsorgt werden. Denn auch wenn die Werte nicht als gefährlich eingestuft wurden, gab es doch Auffälligkeiten: leichte Ölschäden, untergeordnet auffällige BTEX- und PAK-Gehalte (Kohlenwasserstoffe). Aber weder in der Umgebungsluft noch im Grundwasser seien Schadstoffe gefunden worden. Das, was im Boden liege, bleibe auch dort. „Nach mehr als 50 Jahren ist es sicher“, so die Gutachtern. Und auch Erster Kreisrat Torsten Lühring gab Entwarnung: „Bei Kallmoor ist es doch nicht so schlimm, wie es landesweit die Macht der Bilder gezeigt hat.“

Doch Kallmoor war nur der Anfang. Der Landkreis hat 17 weitere Bohrschlammgruben für das Förderprogramm des Landes und des Wirtschaftsverbandes Erdöl und Erdgas zur Untersuchung angemeldet. Im Dezember war die fünf Millionen Euro schwere Vereinbarung getroffen worden, um nach Altlasten zu suchen. Die ersten vier Gruben, die 2016 begutachtet werden sollen, sind „Bevern 2“ in Bevern, „Volkensen“ in Sothel, „Volkensen 4“ in Hamersen und „Volkensen Nord 1“ in Groß Meckelsen. 80 Prozent der Kosten dafür trägt der Wirtschaftsverband. Den Rest muss der Landkreis zuschießen – bereits im Dezember 2014 hatte der Ausschuss für Hoch- und Tiefbau beschlossen, 100000 Euro für die anstehende Untersuchung von Bohrschlammgruben zur Verfügung zu stellen. Diese Mittel wurden in das laufende Haushaltsjahr übertragen. Werden Schadstoffe gefunden, müssen die zuständigen Unternehmen für weitere Detailuntersuchungen und Maßnahmen gerade stehen. In fünf Jahren soll das Programm abgeschlossen sein.

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