Serie: Berufe mit geringer Nachfrage - Maler

Jede Menge Ausbildungsplätze

Tim Herwig ist mit seiner Ausbildung als Maler absolut zufrieden. - Fotos: Schwekendiek

Rotenburg - Von Michael Schwekendiek. Jürgen Ahlden ist Studiendirektor an den Berufsbildenden Schulen in Rotenburg (BBS). Der Fachkräftemangel sei dort seit langem offensichtlich. „Den größten Rückgang haben wir bei den Auszubildenden in den Bauberufen“, stellt er fest. Sein Kollege Erwin Eggers, ebenfalls als Studiendirektor an den BBS tätig, ergänzt: „Vor Jahren hatten wir mehr als 90 Schüler in diesem Bereich. Heute sind es noch zwischen 15 und 25“. Zunehmend werden Ausbildungsgänge der Berufsschulen in Zeven, Verden und Rotenburg gekoppelt, „um noch vernünftige Zahlen zu haben.“

Friedrich Leefers aus Waffensen ist nicht nur Kreishandwerksmeister, sondern gleichzeitig auch Chef eines Malereibetriebs. Die insgesamt zwölf Auszubildenden im Bereich der Maler und Lackierer im gesamten Altkreis Rotenburg verteilen sich auf alle drei Ausbildungsjahre. „Wir könnten glatt das Doppelte verkraften,“ erläutert er in einem Gespräch.

In der Berufsschule reicht das oft nicht für eine Klasse. Deshalb werden zunehmend verschiedene Ausbildungsgänge zusammen unterrichtet. Maler auch gemeinsam mit Friseuren (wir berichteten), wenn es zum Beispiel um Farbenlehre geht. Warum auch nicht – aber das Eigentümliche ist, wie Leefers Kollege Hans-Dieter Henke aus Kirchwalsede, Tischlermeister und Lehrlingsbeauftragter der Kreishandwerkerschaft, feststellt, dass „die Auftragslage im Handwerk boomt“, aber der Nachwuchs fehle.

Kreishandwerksmeister Friedrich Leefers und Lehrlingswart Hans-Dieter Henke sind überzeugt von den Chancen für den Nachwuchs.

Nahezu ein Drittel der Ausbildungsplätze in unserer Region sei nicht besetzt. Dabei, so Leefers und Henke, sind die Vorteile zahlreich: die Ausbildung findet vor Ort, also wohnortnah statt. Ein „Arbeitsplatz bis zur Rente ist praktisch gesichert!“ Und auch die Kasse stimmt. „Ein guter Geselle verdient so viel wie ein Arzt“, vermutet Leefers. Ob das die Messlatte sein kann und muss, lassen wir dahin gestellt sein. Ebenso wichtig wie der Verdienst scheinen ja die Freude am Beruf und die Zukunftsaussichten zu sein. Wenn das aber alles so rosig ist, warum boomt es nicht auch bei den Malern, wie zurzeit in anderen Berufen (Kauffrau/-mann, technische Berufe)? „Wir müssen den Wert eines Handwerkberufes besser darstellen,“ so Friedrich Leefers.

Dazu werben die Mitglieder der Kreishandwerkerschaft regelmäßig in den 6. bis 8. Schulklassen, damit die Schüler „sehr früh eine Idee bekommen, dass es sich lohnt, ein Handwerk zu erlernen.“

In der Firma Leefers arbeiten vier Auszubildende, zwei Frauen, zwei Männer. Einer von ihnen ist Tim Herwig (19), der – wie sein Chef auch – aus Waffensen stammt. Das zweite Ausbildungsjahr hat er fast hinter sich und stellt fest: „Es macht eigentlich immer Spaß.“ Er habe sich nach einem Praktikum für diese Ausbildung entschieden. Sein Job sei kreativ, vielseitig, und für ihn stimmt auch seine Ausbildungsvergütung.

Friedrich Leefers betont, dass der Malerberuf auch besonders gut für Frauen geeignet sei. „Dadurch ist das Niveau bei unseren Auszubildenden deutlich gestiegen.“ Aber – wie bei sehr vielen Ausbildungsgängen – auch bei den Malern und Lackierern ist die „Abbrecherquote“ im ersten Ausbildungsjahr erheblich. „Vielleicht zu anstrengend“, vermutet Tim Herwig; einigen liege wohl auch das frühe Aufstehen nicht. Arbeitsbeginn ist um 6.50 Uhr. Er selbst habe überhaupt keine Probleme, will nun erst einmal seine Ausbildung beenden, danach „ein paar Jahre Geld verdienen als Geselle – und dann mal sehen.“ Mit seinem Hobby als Fußballer kann er leider nicht reich werden. Sein Verein, der TSV Bötersen, spielt in der 3. Kreisklasse.

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