Jessica Ginter schnuppert ein Jahr lang Redaktionsluft

„Ich sage Tschüss“

Praktikantin Jessica Ginter (19) verabschiedet sich von der Rotenburger Kreiszeitung mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Rotenburg - Von Jessica Ginter. Konferieren, Recherchieren, Interviews führen, Fotografieren, Pressekonferenzen und zwischendurch immer mal wieder ein Tässchen Kaffee trinken. So oder so ähnlich sieht der Arbeitsalltag von Lokaljournalisten aus. Während meines einjährigen Praktikums bei der Rotenburger Kreiszeitung bekam ich die Möglichkeit, den Job von der Pike auf zu lernen. Kaum habe ich alles verinnerlicht und eine Routine bekommen, heißt es nun nach 365 Tagen auch schon wieder Abschied nehmen. Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Was ich zu Anfang meines Praktikums nicht erwartet hatte, war, dass dieser Job manchmal ziemlich hart sein kann. Und damit meine ich nicht nur, quasi immer im „Dienst“ zu sein, die Augen aufzuhalten und die Ohren zu spitzen. Immer auf der Suche nach einem aussagekräftigen Motiv und einer spannenden Geschichte für die Berichterstattung.

In den vergangen zwölf Monaten war meine Kamera mein treuester Begleiter und wichtigtes Accessoire. Und falls sie – aus welchem unerklärlichen Grund auch immer – mal nicht dabei war, musste das Smartphone als Ersatz herhalten.

Im Laufe der Zeit wurde aus dem einfachen Knipsen richtiges Fotografieren. Mit einem neu erworbenen Wissen und geschultem Auge versuchte ich nun, einfachen Motiven einen gewissen Charakter zu geben und ihnen möglichst viel Aussagekraft zu verleihen.

Zu verschiedenen Alltagsthemen suchte ich nach spannenden Geschichten in meinem Umfeld, um anschließend alles so zu Papier zu bringen, oder besser gesagt in die Computertasten zu hauen, dass auch die Leser Gefallen daran finden.

Ab jetzt wird die Zeitung nicht mehr mitgestaltet, sondern nur noch gelesen. - Fotos: Goldstein

Durch mein Praktikum bei der Rotenburger Kreiszeitung habe ich festgestellt, dass es viele Menschen in unserem Umfeld gibt, die, obwohl sie tagtäglich großartige Dinge vollbringen, oft von Mitbürgern gar nicht wahrgenommen werden. Ich erinnere mich zum Beispiel noch an die eine Frau, die selbst vom Arbeitslosengeld lebt und sich trotzdem ehrenamtlich engagiert, Flüchtlingen einen Arbeitsplatz zu beschaffen. Oder der Zahnarzt, der Jugendliche finanziell unterstützt, damit diese ein Auslandsjahr absolvieren können. Im Landkreis gibt es viele Menschen, die durch die Arbeit von Journalisten entdeckt werden und dank ihrer Berichterstattung an die Oberfläche kommen. Die Öffentlichkeit wird dann durch die Presse auf diese Menschen aufmerksam. Selbstverständlich trifft man bei dem ein oder anderen Termin auf verrückte Persönlichkeiten oder hat einfach mal nur eine Sitzung mit Bürgermeistern im Rathaus.

Neben der normalen Berichterstattung – angefangen bei Lesungen in der Stadtbibliothek über Theaterstücke in Schulen und Vernissagen von Kunstausstellungen bis hin zu Jahreshauptversammlungen von landwirtschaftlichen Vereinen oder der Veröffentlichung von Pressemitteilungen – hatte ich auch ganz atemberaubende Erlebnisse. Eines davon, das bei mir besonders haften geblieben ist, war mein Einsatz bei der „Summmer Sensation“ am Rotenburger Weichelsee. Denn glauben Sie mir, eine Open-Air-Veranstaltung als „Pressemensch“, wie ich häufig bezeichnet wurde, mitzuerleben, ist ein völlig anderes Erlebnis im Vergleich zu dem als ausgelassener Partybesucher.

„Ich komme von der Rotenburger Kreiszeitung“ war quasi der Freifahrtschein für alle Veranstaltungen. Und das bedeutet keinesfalls, dass man alles umsonst bekommt. Nein, man bekommt jedoch viele Einblicke hinter die Kulissen. Darf Backstage sowie auf die Bühen zu den DJs. Mit dem Blick durch die Linse hält man Vieles fest, was man sonst so gar nicht richtig wahrgenommen hätte. Dass es dann neben Feierlustigen, die sich vor die Kamera stürzen, um zu fragen „Kannst du von uns mal ein Foto machen?“ auch eher „genervte“ Besucher gibt, die dann mit „Oh, Du schon wieder mit deiner doofen Kamera“ reagieren, ist klar und auch völlig in Ordnung.

Als „Dorfjournalist“ hat man es eben nicht immer einfach, doch ich bin sehr dankbar dafür, die Möglichkeit bekommen zu haben, diese einjährige Erfahrung machen zu dürfen. Häufig muss man sich selbst organisieren und bekommt nicht alles strukturiert vorgelegt. Aber das ist auch gut so, denn aus Erfahrungen wächst man ja nur. In diesem Sinne, vielen Dank. Ich sage tschüss!

Mehr zum Thema:

Auto mit vier Insassen stürzt in Elbe: ein Toter

Auto mit vier Insassen stürzt in Elbe: ein Toter

Auto mit vier Insassen stürzt in Elbe: ein Toter

Auto mit vier Insassen stürzt in Elbe: ein Toter

Hannover festigt Rang drei - St. Pauli holt Punkt

Hannover festigt Rang drei - St. Pauli holt Punkt

Weihnachtsmarkt in Diepholz

Weihnachtsmarkt in Diepholz

Meistgelesene Artikel

Zwei Unfälle auf der A1 - Vollsperrung Richtung Bremen

Zwei Unfälle auf der A1 - Vollsperrung Richtung Bremen

Diskussion im Rathaus über Umbenennung der Lent-Kaserne

Diskussion im Rathaus über Umbenennung der Lent-Kaserne

Kreisumlage wieder im Fokus: Zurück auf 49 – mindestens

Kreisumlage wieder im Fokus: Zurück auf 49 – mindestens

Mann nach Unfall auf Grünabfallsammelplatz schwer verletzt

Mann nach Unfall auf Grünabfallsammelplatz schwer verletzt

Kommentare