Zehn Monate nach Argentinien

Nele Meyer erfüllt sich einen Reise-Traum

Nele Meyer ist voller Vorfreude. In wenigen Tagen reist die 17-Jährige aus Borchel für zehn Monate nach Argentinien. Damit erfüllt sich für die Abiturientin ein großer Traum. Denn: „Am liebsten möchte ich die ganze Welt sehen“, sagt sie. - Foto: Menker

Borchel - Von Guido Menker. Die Aufregung ist ihr anzusehen. Bisher hat Nele Meyer nämlich fast nur benachbarte Länder bereist. Dänemark, die Niederlande, die Schweiz, Frankreich und England. Erst einmal ist sie geflogen – „da war ich fünf Jahre alt, es ging in die Türkei“. Doch jetzt zieht es die 17-Jährige aus Borchel in die weite Welt. In gut zwei Wochen beginnt das große Abenteuer. Für zehn Monate geht sie ins nördliche Argentinien. Und bis dahin hat sie noch viel zu erledigen. Zum Beispiel hat sie das Visum noch nicht in der Tasche.

In diesem Sommer hat Nele Meyer die elfte Klasse an den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Rotenburg hinter sich gebracht. „Genau der richtige Zeitpunkt, um für ein Jahr ins Ausland zu gehen“, findet sie. Diesen Plan hegt sie allerdings schon viel länger. „Seit drei Jahren habe ich diesen Wunsch. Ich wollte immer schon am liebsten die ganze Welt sehen.“ Zunächst hatte sie darauf gesetzt, ein Vollstipendium zu bekommen. Doch ihre Bewerbungen waren nicht von Erfolg gekrönt – und damit musste sich die Abiturientin nach und nach von ihrem zunächst ins Auge gefassten Ziel USA verabschieden.

Im November vergangenen Jahres dann hat sie den Entschuss gefasst, sich nach Alternativen umzuschauen. „Dabei bin ich auf Südamerika gestoßen“, sagt sie. Sie liebe Sprachen und lerne nun neben Englisch und Französisch auch Spanisch. 

Gute Voraussetzungen also für eine Bewerbung bei Organisationen, die jungen Menschen einen Auslandsaufenthalt ermöglichen – allerdings auf eigene Kosten. Nele Meyer hat sich für „Youth For Understanding“ entschieden und sich im Februar beworben. „Das war schon sehr spät“, weiß sie. Aber es hat geklappt.

Für Mai gab es eine Einladung zum Vorstellungsgespräch, kurz danach die Zusage für Argentinien, und seit einer Woche weiß die Borchelerin auch, wo ihre Gastfamilie mit den drei Kindern lebt. In dem Städtchen Puerto Rico, nahe an der Grenze zu Paraguay und nicht all zu weit von der brasilianischen Grenze entfernt. 

„Dort würde ich auch gerne mal hin“, sagt sie. Aber in erster Linie möchte sie ihren mit dem Besuch der Schule gekoppelten Aufenthalt nutzen, um fleißig Spanisch zu lernen. „Mich reizt es aber auch, das Tanzen und die argentinische Küche kennenzulernen.“ Kochen und Backen – das sind ihre Hobbys.

Von Bremen aus geht es also schon bald nach Frankfurt, von dort aus dann weiter nach Buenos Aires. Das Geld hat sie mit Hilfe ihrer Eltern zusammen. Fast 8.000 Euro. Nach einem Treffen aller Austausch-Teilnehmer geht es drei Tage später zur Gastfamilie. „Wir haben schon Kontakt per E-Mail. Der Vater ist Krankenpfleger, die Mutter arbeitet als Metzgerin.“ Drei Töchter hat die Familie. Nele ist begeistert. Und sie freut sich.

Auch ihre Eltern haben sich inzwischen mit dem Zielland ihrer Tochter arrangiert, waren zunächst nicht ganz so begeistert. Und wieder spricht die 17-Jährige von den Vorbereitungen. Aber eigentlich kann es jetzt doch nur noch ums Kofferpacken gehen, oder? „Nicht ganz“, sagt sie, „ich habe nämlich noch gar keinen Koffer“.

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