Hüseyin Sarigül gibt Jahresbericht ab / 170 Prozent mehr Leistungsempfänger

Beschäftigung das A und O

Asylbewerber bei ihrem Einzug auf dem Campus Unterstedt.
+
Asylbewerber bei ihrem Einzug auf dem Campus Unterstedt.

Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Die Arbeit trägt langsam Früchte – dieses Fazit hat der ehrenamtliche Integrationsbeauftragte des Landkreises, Hüseyin Sarigül, in seinem Jahresbericht 2015 gezogen, den er am Dienstag vor den Mitgliedern des Kreisausschusses für Gesundheit, Senioren und Soziales vorstellte. Dabei bestehe aber weiterhin an vielen Stellen Nachholbedarf. Auch die Landkreis-Verwaltung nutzte die Gelegenheit der Sitzung, um einen Sachstandsbericht zum Thema Asyl abzugeben. Demnach ist die Zahl der Leistungsempfänger innerhalb eines Jahres extrem angestiegen.

Sarigül hat dabei neben neuen Entwicklungen in der Flüchtlingssituation auch von seinen persönlichen Erkenntnissen berichtet. „Erfahrung schafft Vertrauen“, will er im Umgang mit den Einwanderern ausgemacht haben. Familien würden ihm angesichts seiner 30-jährigen Erfahrung in der Regel Glauben schenken.

Die jetzt vom Landkreis ausgebildeten Asylbetreuer würden seine Arbeit erleichtern. Auch dessen Verwaltung verstärkt sich, im Stellenplan des Sozialamts sind ab 2016 fünf zusätzliche unbefristete Stellen ausgewiesen, dazu zwei befristete. Die Ausländerbehörde stockt ihr Personal um vier Stellen auf.

Unterstützung, die nötig ist. Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der Leistungsberechtigten nach dem Asylbewerberleistungsgesetz im Landkreis um 170 Prozent gestiegen. Waren es am 31. Januar 2015 nach Verwaltungsangaben 807 Berechtigte, erhöhte sich die Zahl in zwölf Monaten auf 2176 Menschen. Hauptherkunftsland ist Syrien mit 610 Personen, gefolgt vom Sudan und Montenegro, aus denen 222 beziehungsweise 181 Leistungsberechtigte stammen.

Nach Sarigüls Auffassung müsse die Integration gerade auf dem Arbeitsmarkt erheblich erleichtert werden. So seien beispielsweise viele der Neuankömmlinge handwerklich begabt und würden in den praktischen Abschnitten ihrer Ausbildung an den Berufsbildenden Schulen gut abschneiden. Defizite in den Fremdsprachen wie Deutsch und Englisch würden allerdings den Notenschnitt stark beeinträchtigen, was wiederum die Suche nach einem Arbeits- oder Ausbildungsplatz erschwere. Sarigül dazu: „Beschäftigung ist das A und O, wer eine Beschäftigung hat, den kann man unwahrscheinlich schnell integrieren.“ Das gelte auch im Privaten, besonders Sportvereine seien laut Sarigül ein wichtiger Bestandteil der Integration.

Sarigül wusste auch von Situationen zu berichten, in denen Neuankömmlinge ihre Integration selbst erschweren. „Mädchen werden manchmal von den Eltern indirekt blockiert“, sagte er. Eltern hätten oft Vorbehalte, ihren Töchtern beispielsweise Klassenfahrten zu erlauben. In solchen Fällen würde er dann versuchen zu vermitteln.

Sarigül warnte davor, bei der Integrationspolitik zu sparen. Es müsse investiert werden, ohne aber verschwenderisch zu sein, erklärte er den Ausschussmitgliedern. Er berichtete aus eigener Erfahrung, als die Stadt Bremerhaven kurz nach seiner Ankunft vor etwa 40 Jahren ebendies machte. Seine eigene Integration sei dadurch erschwert worden, da auf einmal beispielsweise Dolmetscher fehlten.

Mehr als 8,9 Millionen Euro hat der Landkreis im Jahr 2015 für Asylbewerber aufgewendet. Davon gingen knapp eine Million Euro an die Kommunen – inklusive einer einmaligen Aufstockung des üblichen Satzes um 919138 Euro. Fast fünf Millionen Euro flossen dafür an Landes- und Bundesmitteln in die Kreiskasse.

Entsprechend der extrem gestiegenen Anzahl der Leistungsempfänger rechnet die Landkreis-Verwaltung in diesem Jahr auch mit einem extremen Kostenanstieg. Zwar sei laut Sozialdezernentin Imke Colshorn eine genaue Prognose noch nicht möglich, zurzeit geht man aber davon aus, dass der Landkreis für die Leistungsberechtigten in diesem Jahr 19,4 Millionen aufwenden muss. Etwas weniger als eine Million Euro mehr gebe es dafür aus Hannover und Berlin. Ob Bund und Land diesen Betrag noch einmal anheben, bleibe offen.

Mehr zum Thema:

Tour de France: Froome vor Gesamtsieg - Spanier Izagirre gewinnt 20. Etappe

Tour de France: Froome vor Gesamtsieg - Spanier Izagirre gewinnt 20. Etappe

Orban unterstützt als erster führender EU-Politiker Trumps Kandidatur

Orban unterstützt als erster führender EU-Politiker Trumps Kandidatur

"Das Massaker von München" - Pressestimmen aus aller Welt

"Das Massaker von München" - Pressestimmen aus aller Welt

Asylbewerber klettert auf Mast - Rettungseinsatz behindert Zugverkehr

Asylbewerber klettert auf Mast - Rettungseinsatz behindert Zugverkehr

Meistgelesene Artikel

Selbst zapfen am „Regiomaten“

Selbst zapfen am „Regiomaten“

Unfall mit sieben Fahrzeugen auf A1

Unfall mit sieben Fahrzeugen auf A1

„Unseriös und Unglaubwürdig“

„Unseriös und Unglaubwürdig“

Kommentare