Höhere Auflagen für die Grünland-Bewirtschaftung im geplanten Naturschutzgebiet

Mehr Schutz für die Beverniederung

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Wann die Beverniederung Naturschutzgebiet wird, ist noch offen.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Gut drei Prozent der Kreisfläche sind momentan Naturschutzgebiete, zehn Prozent sollen es bis 2018 werden. Sonst drohen EU-Strafen. Doch wenn es in dem Tempo wie in der Debatte um das 31. Schutzgebiet des Kreises weiter geht, dürften die meisten guten Vorsätze des Zeitplans fallen.

Im Umweltausschuss des Kreistags stand mal wieder die Verordnung über das Naturschutzgebiet „Beverniederung“ auf der Tagesordnung. Nach langer Debatte gab es am Mittwochabend auch ein Ergebnis, doch das bedeutet Aufschub: Die Mehrheitsgruppe aus SPD, Grünen und WFB lehnt den Verwaltungsvorschlag für die Schutzverordnung ab und fordert mehr Beschränkungen bei der Bewirtschaftung von Grünflächen. Der erhoffte Kreistagsbeschluss am 17. März ist damit nicht mehr haltbar – es muss nach dem Beschluss gegen die Stimmen der CDU eine weitere öffentliche Auslegung erfolgen.

Das geplante Schutzgebiet erstreckt sich von der Kreisgrenze östlich von Farven bis zur Mündung der Bever in die Oste südlich von Bremervörde und ist rund 654 Hektar groß. Es liegt in den Gemeinden Deinstedt und Farven (Samtgemeinde Selsingen) sowie der Stadt Bremervörde. Im Kern geht es in der Debatte darum, wie mit rund 300 Hektar Grünland weiter verfahren wird.

Volker Kullik (SPD) schloss sich der Argumentation der Naturschutzverbände an und betonte in der emotional geführten Diskussion, in der es an vielen Stellen um den Umgang mit Landwirten und Parteipolitik insgesamt ging, dass es ein „Etikettenschwindel“ sei, ein Schutzgebiet auszuweisen, wenn dadurch „rund die Hälfte der Fläche weiterhin so intensiv bewirtschaftet werden kann wie bisher“. Es werde lediglich eine Grenze um das Gebiet gezogen, aber nicht geschützt. Unterstützung erhielt er vom Kreisnaturschutzbeauftragten Dirk Israel: „Der Entwurf manifestiert lediglich den aktuellen Zustand.“ Verbesserungen für die arg gebeutelte Natur seien nicht zu erwarten. „Aus naturschutzrechtlicher Sicht sind die Bestimmungen nicht ausreichend“, sagte Israel.

Heinz-Hermann Holsten (CDU) bezeichnete das Vorgehen der Mehrheitsgruppe, die den Antrag auf stärkeren Schutz erst in einer Ausschusssitzung formulierte, als „Affront gegen die Verwaltung“. SPD, Grüne und WFB stellten die „gesamte Fachkompetenz der Behörde infrage“. Der Beschluss führe zu erneuten Konfrontationen mit den Landwirten, bewirke einen Vertrauensverlust. Lange Rechtsstreitigkeiten seien möglich, was auch Naturschutzamtsleiter Jürgen Cassier befürchtete. Angelus Pape sprach von einer „kalten Enteignung“ der Landwirte. Tatsächlich sind nur 60 Hektar des gesamten Schutzgebietes in öffentlicher Hand.

Am Beschluss änderte die wortgewaltige Kritik jedoch nichts. Die Mehrheitsgruppe orientierte sich an den Bestimmungen einer Mustervorordnung für Naturschutzgebiete des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Und die verbietet in Schutzgebieten auf den betroffenen Flächen zum Beispiel Umbruch, Düngung mit chemischen Pflanzenschutzmitteln oder Hühnerkot und eine Grünlanderneuerung.

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