Mit Mopeds in vier Tagen nach Prag und zurück

Ein Hochgenuss auf der Schwalbe

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Klaus Lüttjohann (l.) und Otto Kettenburg sind zu zweit mit ihren Schwalben nach Prag gefahren. In den vier Tagen haben sie vor allem die abwechslungsreichen Landschaften genossen. Dafür sind sie dann auch mehrmals ganz bewusst vom Gas gegangen. 

Unterstedt - Von Bettina Diercks. Alle hätten mitfahren können, nur zwei haben es durchgezogen: Otto Kettenburg und Klaus Lüttjohann haben mit ihren Schwalben – den legendären Ost-Mopeds – einen viertägigen Ausflug nach Prag gemacht. Der Termin hatte einen festen Platz im Kalender des Schwalbenclubs Unterstedt, der im kommenden Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert.

Im vergangenen Jahr waren es immerhin drei Schwalben-Fans, die auf Fernreise gingen. Da führte die Tour nach Amsterdam. „Gefühlt war das weiter weg als Prag“, sagt Otto Kettenburg (49). „Vielleicht auch, weil es die ganze Zeit übers flache Land geht“, sagt Klaus Lüttjohann (52). Obwohl das letztjährige Trio ohne Probleme die mehr als 1 000 Kilometer bis Amsterdam und zurück schaffte, gab es Zweifler für die diesjährige Prag-Tour. Kettenburg: „Da gab es einige, die nicht glauben wollten, dass wir das schaffen.“

Am 6. Juli kickten Lüttjohann und Kettenburg dann ihre beiden Simson Schwalben an und machten sich auf gen Osten. Bis auf einen kurzen, unvermeidlichen Abschnitt mieden die beiden auf ihrer Route Bundesstraßen. „Die sind ein echter Albtraum. Da hat man keinen Spaß. Mindestabstände hält da keiner ein, und selbst in Kurven wird überholt – und das ganz schön eng. Da lebt man nicht lange“, sagt Lüttjohann.

So bewegten sich die Schwalbefahrer vor allem auf Straßen abseits von viel Verkehr. Kettenburg hatte ein Fahrradnavigationsgerät am Lenker befestigt, das sie auf ganz ungewöhnliche Wege brachte. „Das war schon abenteuerlich. Einmal standen wir dann auf einmal vor einem Maisfeld“, erinnert sich das Duo. Dadurch, dass die Schwalben äußerst robust sind und über ebensolche Bereifung verfügen, waren die Strecken weit ab von der Zivilisation kein Problem. Für die Fahrer ebenfalls nicht, die dazu den Abenteuerfaktor schätzten. „Es waren aber schon fiese Strecken dabei. Die hätte man mit dem Fahrrad gar nicht fahren können“, sagt Kettenburg. Lüttjohann: „Oft haben wir lange Zeit niemanden gesehen.“

Beide schwärmen von der wunderschönen Landschaft, die sie sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückfahrt gesehen haben und für die sie unterschiedliche Routen gewählt hatten. „Wir haben niemals dieselbe Straße benutzt“, sagt Kettenburg. „Der Vorteil an der Schwalbe ist, sie ist nicht so schnell wie ein Motorrad, aber nicht so langsam wie ein Fahrrad. Da sieht man viel von der Gegend und kann genießen.“ Auf besonders schönen Streckenabschnitten oder auf Anhöhen sind die beiden dann auch schon mal vom Gas gegangen, um sich noch mehr dem Genuss hinzugeben. Lüttjohann, eingefleischter Motorradfahrer: „Die Fernsicht auf den Hügeln, wenn die Landschaft so vor einem liegt, da fährt man schon mal langsam – auf schön geschwungenen Straßen.“ Die Rücktour durch die Magdeburger Börde begeisterte die beiden ebenfalls durch die offene, hügelige Landschaft.

Ein Tag mehr – und der Hintern freut sich

Glück mit dem Wetter hatten sie an den vier Tagen auch. Hin ging es durchs Erzgebirge nach Prag und damit hoch auf 850 Höhenmeter. Die erste Etappe mit 470 Kilometern sei schon eine Hausnummer gewesen. Quartiere buchten die beiden kurzfristig von unterwegs, da sie sich für die einzelnen Abschnitte keine Vorgaben auferlegt hatten. „Es geht nicht um Strecke, der Weg ist das Ziel, der Genuss und die Freude an der Landschaft. Und bei den Quartieren nehmen wir vom Fünf-Sterne-Hotel bis hin zum Bed and Breakfast alles, da sind wir flexibel“, sagt Kettenburg. Wenn es passte, dann blieben sie. Nur rechtzeitig zum EM-Halbfinale Deutschland gegen Frankreich wollten sie in der historischen Hauptstadt Böhmens in der Tschechischen Republik sein und das Spiel bei einem kühlen Bier in einer amerikanischen Kneipe genießen. Die beiden waren am Freitag so super pünktlich, dass sie sowohl eine Sightseeingtour per Schwalbe sowie der Straßenbahn schafften.

1.365 Kilometer fuhr das Schwalbenduo an den vier Tagen: Davon etwa 120 Kilometer auf Bundes- und Landstraße, 150 Kilometer auf Waldwegen, 200 Kilometer auf Feldwegen, 30 Kilometer auf Schotterpisten und ganze 250 Kilometer auf Wirtschaftswegen. „Den Rest sind wir auf kleinen, zumeist unbefahrenen Nebenstraßen gefahren. Ein Hochgenuss für Schwalbe-Fahrer“, so Kettenburg.

Nach 34 durchfahrenen Landkreisen und zehn Tankstopps das Fazit: „Wir haben wunderschöne Ecken gesehen. Kleine Flüsse, viel Wald, gefühlt unberührte Landschaft. Trocken geblieben, keine Panne, kein Unfall. Erschütternd war nur, dass wir keine einzige Schwalbe gesehen haben, obwohl wir den Großteil im Osten gefahren sind.“ Lüttjohann ergänzt: „Einen Tag länger einplanen – und der Hintern freut sich.“

Nach Amsterdam und Prag hat Otto Kettenburg ein weiteres Ziel beziehungsweise einen großen Traum vor Augen: „Einmal mit der Schwalbe nach Rom.“

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