In Rotenburg und Scheeßel arbeiten bald Pflegekräfte aus Bosnien

„Das Herz ist noch da“

Zinaida Kadic (v.l.), Klaus Rademacher und Nicole Kießling stellen das Projekt mit Fachkräften aus Bosnien vor. - Foto: Quebe

Rotenburg - Von Inken Quebe.Der Fachkräftemangel geistert bereits seit einigen Jahren durch die Medien – gerade die Pflegebranche scheint davon stark betroffen. Erst gestern hat die Bundesagentur für Arbeit Zahlen veröffentlicht, die zeigen, dass unter anderem in der Pflege viele Jobs unbesetzt seien. Die Convivo-Gruppe aus Bremen, die im März die Matthias-Claudius-Altenhilfe (MCA) übernommen hat, versucht schon länger, dem entgegenzuwirken: Sie stellen Pflegekräfte aus Bosnien ein – demnächst auch in Rotenburg und Scheeßel.

Hospitanten auch am Diako

Auch am Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg gibt es einen internationalen Austausch und Kooperationen mit unterschiedlichen Ländern wie China, Afghanistan oder Ghana. „Die Ärzte oder Pflegekräfte aus diesen Ländern hospitieren bei uns“, teilt Sprecherin Ute Ludwig mit. Das Diako unterstütze in erster Linie die Fort- und Weiterbildung der Gastärzte oder Pflegekräfte.

Einmal im Monat fliegen Zinaida Kadic und Nicole Kießling, die das Projekt gemeinsam betreuen, nach Bosnien. Es steht dann immer ein wahrer Termin-Marathon an: Immerhin besuchen die Zwei gleich drei Städte – Sarajevo, Bihac und Zenica. Dort treffen Kadic und Kießling auf Bewerber, mit denen sie Gespräche führen, erklären die beiden. Dabei würden auch die Unterlagen der Anwärter gesichtet und geschaut, ob die Qualifikationen überhaupt vorhanden sind. „Ganz wichtig ist: Wir nehmen nur Fachkräfte aus staatlich geprüften Schulen“, sagt Kießling, Personalmanagerin für ausländische Fachkräfte. Denn: Es gebe in Bosnien viele private Schulen, denen nicht unbedingt zu trauen sei.

Für die qualifizierten Bewerber, die sich nach dem Gespräch auch die Formalitäten wie Visum & Co. gekümmert haben, geht es einen Monat später weiter. „Dann geben wir ein Seminar“, berichtet Kießling. Im Kern gehe es dabei um Pflege, aber auch zum Beispiel um das Rechtssystem in Deutschland.

Eigentlich war das Vorhaben schon 2009 ins Rollen gebracht worden, zwischenzeitlich aber eingeschlafen. „Wir haben das Projekt Ende 2014 wieder ins Leben gerufen“, erzählt Zinaida Kadic, die als Integrationsbeauftragte für ausländische Pflegefachkräfte tätig ist.

Große Bedeutung messen die beiden der Sprache zu. Für ein Visum sei nämlich nur Sprachniveau B1 gefordert. Um aber dauerhaft in Deutschland arbeiten zu dürfen, müsse innerhalb eines Jahres das Sprachniveau B2 nachgewiesen werden. „Die Sprachhemmschwelle und die Ängste sind da“, sagt Nicole Kießling. Dafür arbeitet das Unternehmen in Bosnien inzwischen mit Sprachschulen zusammen, die sich auf Medizin und Pflege spezialisiert haben. Die Kosten trage zur Hälfte die Convivo-Gruppe. „Wir sehen uns als Arbeitgeber in der Pflicht“, begründet Kießling.

Auch wenn sie und ihre Kollegin von viel Lob für das Projekt, in das ebenfalls die offiziellen Stellen wie die Agentur für Arbeit in Bosnien und Herzegowina involviert seien, berichten, gibt es auch Gegner: „Es wurde behauptet, wir seien unseriös und würden die Jugend aus Bosnien weglocken“, erinnert sich Kießling, als sie bei einem Besuch von zwei Kamerateams begrüßt wurden. Inzwischen erreichten Kadic und Kießling aber Anfragen aus der ganzen Welt. „Bosnier sind einfach gut vernetzt“, sagt Kadic, die selbst gebürtig aus Bosnien stammt.

Aber warum gerade Pflegekräfte aus Bosnien? „Dort ist das Herz noch da, sage ich immer. Es herrscht eine ganz andere Mentalität. Das hilft auch den Mitarbeitern in Deutschland, motiviert sie“, glaubt Kießling. „Man geht mit älteren Menschen in diesen Ländern noch besser um. Man behandelt sie, wie die eigene Oma oder den eigenen Opa“, stimmt auch Klaus Rademacher zu.

Er ist zuständig für die MCA und hat Mentalität schon hautnah erlebt – denn es gibt inzwischen ein Nachfolgeprojekt, das es bosnischen Pflegeschülern ermöglicht, in Deutschland zu hospitieren. „Sie sollen sehen, ob sie hier zurechtkommen und den Alltag in der Pflege und das Sozialleben kennenlernen“, sagt Kießling. Bei der Premiere waren im Juli acht der insgesamt 25 Hospitanten im Alter von 17 und 18 Jahren bei der MCA zu Gast. Die ersten Anfragen, das Ganze in den Winterferien zu wiederholen, gebe es schon, so Kießling. Rademachers Erfahrung hat gezeigt, dass die Hospitanten sehr motiviert waren: „Die muss man eher bremsen, es ist sehr belebend.“

Die ersten festangestellten Pflegekräfte aus Bosnien sollen übrigens Ende des Jahres in Rotenburg und Scheeßel ihre Arbeit aufnehmen.

Für die qualifizierten Bewerber, die sich nach dem Gespräch auch die Formalitäten wie Visum & Co. gekümmert haben, geht es einen Monat später weiter. „Dann geben wir ein Seminar“, berichtet Kießling. Im Kern gehe es dabei um Pflege, aber auch zum Beispiel um das Rechtssystem in Deutschland.

Eigentlich war das Vorhaben schon 2009 ins Rollen gebracht worden, zwischenzeitlich aber eingeschlafen. „Wir haben das Projekt Ende 2014 wieder ins Leben gerufen“, berichtet Zinaida Kadic, die als Integrationsbeauftragte für ausländische Pflegefachkräfte tätig ist.

Große Bedeutung messen die beiden der Sprache zu. Für ein Visum sei nämlich nur Sprachniveau B1 gefordert. Um aber dauerhaft in Deutschland arbeiten zu dürfen, müsse innerhalb eines Jahres das Sprachniveau B2 nachgewiesen werden. „Die Sprachhemmschwelle und die Ängste sind da“, sagt Nicole Kießling. Dafür arbeitet das Unternehmen in Bosnien inzwischen mit Sprachschulen zusammen, die sich auf Medizin und Pflege spezialisiert haben. Die Kosten trage zur Hälfte die Convivo-Gruppe. „Wir sehen uns als Arbeitgeber in der Pflicht“, begründet Kießling.

Auch wenn sie und ihre Kollegin von viel Lob für das Projekt, in das ebenfalls die offiziellen Stellen wie die Agentur für Arbeit in Bosnien und Herzegowina involviert seien, berichten, gibt es auch Gegner: „Es wurde behauptet, wir seien unseriös und würden die Jugend aus Bosnien weglocken“, erinnert sich Kießling, als sie bei einem Besuch von zwei Kamerateams begrüßt wurden. Inzwischen erreichten Kadic und Kießling aber Anfragen aus der ganzen Welt. „Bosnier sind einfach gut vernetzt“, sagt Kadic, die selbst gebürtig aus Bosnien stammt.

Aber warum gerade Pflegekräfte aus Bosnien? „Dort ist das Herz noch da, sage ich immer. Es herrscht eine ganz andere Mentalität. Das hilft auch den Mitarbeitern in Deutschland, motiviert sie“, glaubt Kießling. „Man geht mit älteren Menschen in diesen Ländern noch besser um. Man behandelt sie, wie die eigene Oma oder den eigenen Opa“, stimmt auch Klaus Rademacher zu.

Er ist zuständig für die MCA und hat Mentalität schon hautnah erlebt – denn es gibt inzwischen ein Nachfolgeprojekt, das es bosnischen Pflegeschülern ermöglicht, in Deutschland zu hospitieren. „Sie sollen sehen, ob sie hier zurechtkommen und den Alltag in der Pflege und das Sozialleben kennenlernen“, sagt Kießling. Bei der Premiere waren im Juli acht der insgesamt 25 Hospitanten im Alter von 17 und 18 Jahren bei der MCA zu Gast. Die ersten Anfragen, das Ganze in den Winterferien zu wiederholen, gebe es schon, so Kießling. Rademachers Erfahrung hat gezeigt, dass die Hospitanten sehr motiviert waren: „Die muss man eher bremsen, es ist sehr belebend.“

Die ersten festangestellten Pflegekräfte aus Bosnien sollen übrigens Ende des Jahres in Rotenburg und Scheeßel ihre Arbeit aufnehmen.

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