Starker Anstieg der Zahl „Kleiner Waffenscheine“ 

Der Hang zur Waffe

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Um Waffen mit dem PTP-Zulassungszeichen wie eine Schreckschusspistole auch außerhalb des eigenen Zuhauses tragen zu dürfen, benötigen die Besitzer einen „Kleinen Waffenschein“. Ihre Zahl ist zuletzt stark angestiegen. 

Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Immer mehr Menschen im Landkreis Rotenburg beantragen einen „Kleinen Waffenschein“ und damit das Recht, Waffen wie Leucht- oder Schreckschusspistolen auch außerhalb ihres Zuhauses tragen zu dürfen. Die Zahl der Berechtigungen, die das Ordnungsamt in einem Jahr ausstellt, ist um ein vielfaches angestiegen. Ein Trend, der nicht nur die Region betrifft.

Der „Kleine Waffenschein“ berechtigt zum Tragen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen.

Im gesamten Jahr 2015 hat die Rotenburger Landkreisverwaltung insgesamt 43 „Kleine Waffenscheine“ ausgestellt. „Ein Durchschnittswert“, so die Ordnungsamtsleiterin Martina Carstens. Bis dahin. Denn bereits nach dem ersten halben Jahr liegt diese Zahl in ganz anderen Dimensionen. Bis Ende Juni bekamen 213 Personen nach ihrem Antrag eines „Kleinen Waffenscheins“ einen positiven Bescheid. Im Landkreis Rotenburg sind beinahe 30 Prozent aller derzeit gültigen Berechtigungen auch in diesem Jahr ausgestellt worden – etwas mehr als 820 gültige gibt es zurzeit insgesamt im Verwaltungsgebiet. Sechs Anträge wurden 2016 zwischenzeitlich von ihren Stellern zurückgezogen, in drei Fällen lehnte der Landkreis die Ausstellung ab, heißt es aus dem Ordnungsamt.

Besitz berechtigt nicht zum Schießen

Der „Kleine Waffenschein“ berechtigt – in Verbindung mit dem Personalausweis – zum Tragen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen außerhalb der eigenen Wohnung, des eigenen Hauses oder Grundstücks, wo diese Berechtigung nicht erfordlich ist. Eine unter diesen Schein fallende Waffe ist an dem Zulassungszeichen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) erkennbar. Öffentliche Veranstaltungen darf der Halter mit seiner Waffe dennoch nicht besuchen, ebenfalls berechtigt der Besitz des „Kleinen Waffenscheins“ nicht zum Schießen. Das Abfeuern ist lediglich auf dem eigenen Grundstück beziehungsweise mit der Zustimmung des Besitzers oder in Ausnahmesituationen – beispielsweise Notwehr – legal.

Wie viele der mit dem „Kleinen Waffenschein“ erlaubten Waffen es gibt, darüber gibt es keine genauen Informationen im Kreishaus. „Da ihre Anmeldung nicht erforderlich ist, gibt es auch keine Zahlen“, sagt Carstens. 

Kein lokales Phänomen

Der rasante Anstieg ist kein lokales Phänomen. Landesweit ist die Zahl der Berechtigungen im ersten Halbjahr 2016 von etwa 27.500 auf rund 39.400 gestiegen. Auch im Bereich der Polizeidirektion Lüneburg, der neben dem Landkreis Rotenburg auch die Keise Celle, Harburg, Lüchow-Dannenberg, Lüneburg, Stade, Uelzen und den Heidekreis umfasst, bestätigt sich der Trend. Dort waren es nach Angaben einer Sprecherin Ende Juni etwa 6. 700 Kleine Waffenscheine – rund 2. 000 mehr als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr.

„Das subjektive Sicherheitsgefühl hat stark gelitten“, sagt Heiner van der Werp, Polizeisprecher in Rotenburg. Terroristische Anschläge, die Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht, Wohnungseinbrüche – all das können seiner Auskunft nach Gründe sein, warum sich die Menschen vermehrt bewaffnen. Ob sie tatsächlich beunruhigt sein müssen, stünde allerdings nicht fest.

Bürger, die einen „Kleinen Waffenschein“ beantragen, machen das, „um im Falle eines Falles eine Waffe dabei haben zu können“, sagt van der Werp. Falls eingebrochen oder man auf der Straße überfallen werde. Die Menschen seien verunsichert, hören dann von dem Waffenschein, besorgen sich einen und erzählen das weiter. Aber: „Objektiv gibt es keinen Anstieg von Kriminalität oder eine besondere Bedrohung“, so der Polizeisprecher – übrigens auch nicht der Vorfälle mit Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen im Landkreis Rotenburg.

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