31-Jährige nach „Zickenkrieg“ zu 500 Euro Geldstrafe verurteilt

Ein Handy, ein paar Schläge und viel Unklarheit

Rotenburg - Von Michael Krüger. Am Ende der knapp dreistündigen Verhandlung bleibt an diesem Dienstagmorgen im Rotenburger Amtsgericht viel Unklarheit. Aber es steht auch ein Urteil: Eine 31-jährige Rotenburgerin wird in dem Strafverfahren zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je zehn Euro wegen Diebstahls und Körperverletzung verurteilt.

Sie waren lange gute Freundinnen, doch jetzt sitzen sie sich unversöhnlich gegenüber – die eine auf der Anklagebank, die andere als Zeugin vor dem Schöffengericht um die Vorsitzende Richterin Petra Stein-Simon. Was hat sich am Sonntagabend des 27. September in der Rotenburger Wohnung tatsächlich zugetragen, als es zum Streit zwischen der angeklagten 31-Jährigen und der Geschädigten, einer 36-Jährigen, ebenfalls aus der Kreisstadt, kam?

Staatsanwältin Alexandra Stöber spricht in der Anklage zunächst von einem „hinterlistigen Überfall“, bei der die zweifache Mutter erheblich verletzt worden sei. Die Angeklagte sei auf den Balkon ihrer Freundin gestiegen, habe diese überrumpelt, geschlagen und gewürgt, und sei dann mit deren Handy aus der Wohnung getürmt. Und das alles vor den Augen der beiden Töchter der 36-Jährigen.

In der von Verteidiger Lutz Hammermeister verlesenen Erklärung der gelernten Heil- und Erziehungspflegerin – ihre einzige Einlassung zur Sache in der Verhandlung – klingt es anders. Nach einem lange schwelenden Streit via Facebook habe die dreifache Mutter ihre Freundin „zur Rede stellen wollen“. Vor Ort habe sie ein Telefongespräch mit vielen Beleidigungen belauscht, sei dann auf den Balkon gestiegen und habe die 36-Jährige am Arm gepackt. Zusammen seien sie über die Türschwelle gestürzt. Das Handy habe sie nur an sich genommen, um nachzusehen, mit wem telefoniert wurde. Die Freundin habe sie weder geschlagen noch gewürgt. Auch der Vorwurf des Diebstahls oder gar Raubs könne nicht aufrecht erhalten bleiben. Denn das Handy und die Sim-Karte gehörten eigentlich noch der Angeklagten, die ihrer Freundin das Gerät zwar verkaufen wollte, aber dafür noch kein Geld erhalten hätte.

Tatsächlich dreht sich während der Verhandlung viel um die juristische Spitzfindigkeit, wem das Handy gehörte und wie die Mitnahme zu deuten sei. Selbst die 13-jährige Tochter der 36-Jährigen wird dazu befragt, konnte aber wie viele Beteiligte nur vage Angaben machen. An Einzelheiten dieser Ausnahmesituation kann auch sie sich nicht erinnern. Auch die Geschädigte spricht von „Blackouts“ und „einzelnen Stücken“, die sie nicht näher zuordnen könne.

Anders als von Verteidiger Hammermeister gefordert, der „dürre Aussagen“ nach einem „Zickenkrieg“ bemängelt, wird die 31-Jährige letztlich dennoch verurteilt. Richterin Stein-Simon folgt dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß. Stein-Simon: „Der Antrag trifft die Sache.“ Es habe mit der Mitnahme des Handys aus der Wohnung eine „Zueignungsabsicht“, also einen Diebstahl, gegeben. Klar sei auch, dass es einen Angriff gegen den Hals gegeben habe, die 36-Jährige von ihrer Widersacherin also gewürgt worden sei. Zugute halten müsste man der Angeklagten, dass sie nicht vorbestraft sei und sich die körperlichen und seelischen Folgen bei den Geschädigten in Grenzen halten.

Eine Woche bleibt der Verteidigung nun, das Urteil noch anzufechten.

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