Bremervörder hatte auf der Fahrt zum Hurricane 309 Gramm Marihuana dabei

Haftstrafe für jungen Dealer

dpa

Rotenburg - Von Guido Menker. Kurzen Prozess – und das im wahrsten Sinne des Wortes – hat das Amtsgericht in Rotenburg am Dienstagmorgen mit einem 26-jährigen Bauhelfer aus Bremervörde gemacht. Nach nur knapp einer Stunde steht das Urteil wegen Handeltreibens mit Marihuana: 15 Monate Haft auf Bewährung sowie eine Geldauflage in Höhe von 600 Euro, die der Angeklagte über ein Jahr hinweg in monatlichen Raten à 50 Euro an die Landeskasse zu zahlen hat.

„Wir müssen uns hier viel anhören, aber wir müssen nicht alles glauben.“ Strafrichterin Petra Stein-Simon scheint dem Angeklagten bei diesem Satz während ihrer Urteilsbegründung ganz tief in die Augen zu schauen, der daraufhin schluckt und ein wenig irritiert zur Seite blickt. Bereits der Staatsanwalt hatte ihm in seinem Plädoyer Schutzbehauptungen vorgeworfen. Im Mittelpunkt dieses Prozesses steht vor allem eine Frage: Eigenbedarf oder Handeltreiben?

Die Strafsache selbst liegt mehr als ein Jahr zurück: Der 26-Jährige ist zusammen mit drei Begleitern in seinem Auto auf dem Weg zum Hurricane Festival in Scheeßel. Die Polizei wird auf den Wagen aufmerksam und findet unter dem Beifahrersitz ein Paket mit 309 Gramm Marihuana. Der damals 24-Jährige gibt zu, dass ihm der Stoff gehört. Der sei aber ausschließlich für den Eigenbedarf bestimmt. Weder die Polizei noch die Staatsanwaltschaft nehmen ihm das ab, und das Landeskriminalamt (LKA) spricht in einem Gutachten von 2 348 Konsumeinheiten, auf die die Beamten an diesem Tag gestoßen seien. Der THC-Anteil habe bei 12,6 Prozent gelegen.

Mehr noch: Bei der Auswertung des Mobiltelefons sei man auf Hinweise gestoßen, dass der Mann mit dem Marihuana Handel treibe, erklärt der Staatsanwalt in der Verhandlung. Der Angeklagte bleibt aber bei seiner Darstellung. Er konsumiere täglich etwa fünf Gramm. „Das ist das Heftigste, was ich je gehört habe“, meint der Staatsanwalt und fragt den Angeklagten: „Woher haben Sie das Geld?“ Eine Antwort gibt es nicht. Der Bauhelfer verdient monatlich 900 Euro und fragt hinsichtlich der Untersuchung seines Handys: „Hinweise oder Beweise?“ Es gehe um Indizien und eine unglaubwürdige Aussage, lautet die Antwort.

Der Strafverteidiger Lars Meyer schaltet sich an dieser Stelle ein und macht deutlich: „Der Handel mit dem Marihuana kann nicht nachgewiesen werden.“ Möglich sei, dass der Stoff nicht nur für ihn, sondern vielleicht auch für Freunde gedacht sei, die beim Festival in Scheeßel unentgeltlich mitrauchten.

Der ermittelnde Kriminalhauptkommissar der Rotenburger Polizei mit seiner mehr als 20-jährigen Erfahrung im Bereich von Delikten im Betäubungsmittelbereich, sieht das anders. Er gehe von einer Schutzbehauptung aus. Wer täglich fünf Gramm Marihuana konsumiere, sehe ganz anders aus, sehr ungepflegt und nicht so sauber, wie der Angeklagte damals in Sottrum wahrgenommen worden sei. Einen Vorrat von 300 Gramm für den Eigenbedarf – „das habe ich noch nicht erlebt“, fügt er hinzu.

Eigenbedarf oder Handel? So oder so zeichnet sich während der Verhandlung eine empfindliche Strafe ab, denn die Menge lässt eine Bewertung als minderschweren Fall kaum mehr zu. Die Menge an THC – laut LKA immerhin mehr als 35 Gramm – liegt deutlich über der gesetzlichen Grenze. Dass eine Verurteilung nicht zu umgehen ist, ist auch dem Verteidiger klar. Er fordert ein Strafmaß von neun Monaten auf Bewährung, denn nachzuweisen sei seinem Mandanten lediglich der Besitz – mehr nicht. Ein minderschwerer Fall aus seiner Sicht. Er spricht von einem „ungewöhnlichen Fall und einem ungewöhnlichen Konsumenten“. Allein die Tatsache, dass der Angeklagte nicht unsauber ausgesehen habe, sei nicht als Hinweis zu werten. Die Staatsanwaltschaft legt die Messlatte anders an, fordert ein Jahr und sechs Monate auf Bewährung. Die Richterin bleibt mit ihrem Urteil ein weniger darunter.

Petra Stein-Simon verlässt sich auf ihre Erfahrung. „Ich gucke den Menschen in die Augen und erkenne, wer sich ständig mit einer solchen Menge zudröhnt“, sagt sie. Nein, von Eigenbedarf könne keine Rede sein. „Die Eckdaten sprechen für den Handel, das passt alles nicht zusammen.“ Was dem Angeklagten zugute kommt: Er hat zwar Vorstrafen wegen Körperverletzung und Beleidigung, aber noch keine Haftstrafe. Das hat sich nun geändert.

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