Lars Klingbeil über die Datenkrake „Web of Trust“

SPD-Online-Experte: „Es gibt ständig Angriffe“

Die Browser-Erweiterung „Web of Trust“ (WOT) hat in dieser Woche wieder einmal deutlich gemacht, wie schnell auf sensible Daten zugegriffen werden kann. - Foto: dpa

Rotenburg - Von Michael Krüger. Ausgerechnet er! Der netzpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion ist Opfer eines Online-Spähangriffs geworden. Als in dieser Woche die vom NDR aufgedeckten Probleme mit der eigentlich der Sicherheit dienenden Browser-Erweiterung „Web of Trust“ bekannt wurden, tauchte auch Lars Klingbeils Name auf. Der hiesige Bundestagsabgeordnete sei in mehreren Datensätzen erkennbar gewesen, hieß es. Ganz so einfach ist die Geschichte dann aber doch nicht.

„Ich bin davon gar nicht direkt betroffen. Auch keine Bundestagsrechner von mir“, sagt Klingbeil auf Nachfrage. Es gehe vielmehr um einen privaten Laptop von einem studentischen Mitarbeiter. Klingbeil: „Sein Browser-Verlauf – also sein Surfverhalten – wurde offenbar mitgeschnitten und die Daten weiterverkauft.“ Das NDR-Fernsehen hatte berichtet, „Web of Trust“ habe im großen Stil Nutzerdaten ausgespäht und diese offenbar ungefragt an Dritte weitergegeben. Auf Basis der Informationen hätten auch Nutzer identifiziert werden können, während der Anbieter eine Anonymisierung der Daten versprochen habe, darunter auch Bundespolitiker. Europaweit ist von hunderten Millionen Betroffenen die Rede. Die Software, die eigentlich Webseiten nach ihrer Vertrauenswürdigkeit bewertet, wurde nach Angaben des finnischen Herstellers allein bis November 2013 über 100 Millionen mal heruntergeladen und installiert.

In Klingbeils „Fall“ handele es sich um Daten, die im Browser-Verlauf auftauchen. Der SPD-Politiker: „Das sind deutlich mehr als man vermutet. Wenn sie sich bei zum Beispiel bei Facebook anmelden oder einen Suchbegriff bei Google eingeben, kann es sein, dass ihr Name oder der Inhalt der Suche oben im Browser auftauchen. Diese Daten wurden dann weiterverkauft. So konnten viele Datensätze am Ende Personen zugeordnet werden.“

Die aktuellen Vorfälle machen dabei auf ein Grundsatzproblem aufmerksam. Wie sicher sind sensible Daten von Abgeordneten? Klingbeil: „Ich bin Mitglied des Verteidigungsausschusses. Natürlich geht es da häufig um sensible Informationen. Ich bin auch darauf angewiesen, dass mir Soldaten oder Bürger vertraulich Informationen senden können.“ Er selbst habe sich deshalb dafür eingesetzt, dass es mittlerweile die Möglichkeiten für Abgeordnete gibt, verschlüsselt zu kommunizieren. Nach dem großen Hacker-Abgriff auf den Bundestag vor gut einem Jahr habe sich in Berlin viel getan: „Die Bundestags-IT ist auf einem ganz neuen Stand und hat nun viel höhere Sicherheitsstandards“, sagt Klingbeil. Auch seien die Abgeordneten sensibilisiert worden, ihr eigenes Handeln zu hinterfragen. „Ich habe in den vergangenen Jahren sehr viel darüber gelernt, wie verletzlich unsere digitale Kommunikation ist. Von daher habe ich mein Verhalten im Netz angepasst und bemühe mich sehr, vorsichtig und bewusst zu kommunizieren.“ Denn, so Klingbeil, auch wenn entsprechende Maßnahmen ergriffen werden – die Online-Betrüger rüsten auch auf: „Es gibt ständig Angriffe gegen staatliche Institutionen, gegen Privatpersonen oder auch gegen Unternehmen. Der Großteil wird erfolgreich abgewehrt. In den USA sehen wir gerade wie Leaks durch Hacker-Angriffe offenbar bewusst eingesetzt werden, um die Wahl zu beeinflussen. Das ist in Zeiten digitaler Kommunikation Realität. Auch mittelständische Unternehmen oder Krankenhäuser sind immer wieder Zielscheibe von Angriffen.“

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