Die Gewerbevereine denken über Alternativlösungen bei Einkaufstüten nach

Weg vom Plastik – nur wie?

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Im Kinderhaus Am Wasser in Rotenburg gibt’s für jede Plastiktüte, die der Kunde nicht nimmt, einen Treuepunkt im Wert von fünf Euro.

Rotenburg - Von Inken Quebe. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) will das Ende der kostenlosen Plastiktüte. Der Einzelhandel scheint noch nicht überzeugt von der Idee. Wie gehen die Händler in der Region mit der Debatte um?

In Rotenburg beschäftigt das Thema die Kaufleute schon länger, berichtet Cornelia Gewiehs von der IG-City Marketing. Sie findet: „Mehrweg ist immer besser. Es muss aber praktikabel umgesetzt werden.“ Bereits im vergangenen Jahr hatte es eine Initiative von Seiten der Händler gegeben, die die Frühlingsflirttasche kostenlos verteilt hatten, die immer noch im Stadtbild zu sehen seien, so Gewiehs. Papier hält sie nicht für die optimale Lösung. „Die Ökobilanz ist nicht viel besser“, sagt sie. Sie tendiert eher dazu, eine Baumwolltasche anzubieten. „Die schlimmsten sind sowieso die ganz dünnen Tüten, die verwendet ja auch niemand nochmal“, ist sie sich sicher.

In Scheeßel hält man sich noch zurück. Einerseits sei es zu begrüßen, Umweltbelastungen zu reduzieren, so der Gewerbeverein Scheeßel. Andererseits sei eine Papiertüte nicht für alle Artikel nutzbar und noch dazu zu teuer, um komplett darauf umzustellen. Es müsse geklärt werden, wie die Alternativen aussehen. „Da ist das Verantwortungsbewusstsein des Kunden auch gefragt, der muss ja die Mehrkosten einer Alternativlösung mittragen“, sagt Angelika Dorsch vom Gewerbeverein Scheeßel. Wenn mehr Kunden auf Plastik verzichten und zu Papier greifen, werde der Handel automatisch auf die Nachfrage reagieren.

Beim Gewerbeverein Sottrum ist das Plastiktütenverbot noch kein Thema. „Es gibt in Sottrum nur wenige Geschäfte, die welche anbieten“, sagt Vorstandsmitglied Volker Heinze. Allerdings ist Edeka in Sottrum vertreten. Die Lebensmittel-Kette setze schon seit Oktober auf stabilere Plastiktüten. Außerdem hat der Kunde die Wahl: Papier oder Plastik.

Auch in Visselhövede geht man die Debatte noch entspannt an. „Wir haben unseren Bestand an Plastiktüten zurückgefahren“, so Nicole Fedderken-Pries vom Modehaus Fedderken und Vorstandsmitglied beim Gewerbeverein Visselhövede. Allerdings kann sie sich momentan eine Lösung – vor allem aus Sicht der Kleidungsbranche – nur schwer vorstellen: „Papier wird instabil, wenn es nass wird, und ein Wollmantel ist zu schwer dafür.“ Auch ein Jutebeutel sei nicht optimal. Eine kleine Summe für die Plastiktüte zu verlangen, sei dem Kunden zudem schwer zuzumuten. Trotzdem: „Mit dem Thema beschäftigt sich jeder, der eine Plastiktüte anbietet.“

Eine Art Vorreiterrolle nimmt in Rotenburg zum Beispiel das Kinderhaus Am Wasser ein. Seit vier Jahren gibt es dort die Möglichkeit, die Tüte abzulehnen und dafür auf der Treuekarte einen Punkt bekommen. Wert: fünf Euro. Wenn die Karte voll ist, gibt es einen Rabatt in Höhe von drei Euro auf den nächsten Einkauf. „Der Grund dafür ist der Umweltschutz“, berichtet Mitinhaberin Ursula Krüger. Man habe sich dafür entschieden, um den Verpackungsmüll einzudämmen. Und die Kunden? „Die finden das super. Die meisten bringen ihren Beutel gleich mit. Außerdem sparen sie ja auch etwas.“

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