Gesundheitsministerin Cornelia Rundt war zum Gespräch in Rotenburg

Krebsraten: Es gibt eine Perspektive

Eine neue Initiative aus dem Bereich Söhlingen protestiert am Rande des Besuchs der Ministerin gegen die Pläne von „ExxonMobil“, eine neue Anlage zur Behandlung von Reststoffen zu bauen.
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Eine neue Initiative aus dem Bereich Söhlingen protestiert am Rande des Besuchs der Ministerin gegen die Pläne von „ExxonMobil“, eine neue Anlage zur Behandlung von Reststoffen zu bauen.

Rotenburg - Von Ulf Buschmann. In vier bis sechs Monaten sollen die Ergebnisse der Untersuchungen zu den erhöhten Krebsraten in der Stadt Rotenburg und der Samtgemeinde Bothel vorliegen. Das Gesundheitsamt des Landkreises hat in etwa acht Wochen seine Befragungen der Einwohner beider Kommunen abgeschlossen. Mit dieser Botschaft endete am Freitag ein Treffen von Niedersachsens Gesundheitsministerin Cornelia Rundt im Kreishaus.

Die Ministerin hatte sich in Rotenburg angekündigt, nachdem ihr 212 Ärzte der Region vorgeworfen hatten, sie kümmere sich nicht intensiv genug um das Thema. Dies hatten die Mediziner in einem offenen Brief formuliert und damit den Schulterschluss mit Bürgerinitiativen und Ortspolitikern hergestellt. Am Ende der ursprünglich für 90 Minuten angesetzten, doch fast zwei Stunden dauernden Veranstaltung waren die beiden betroffenen Bürgermeister, Rotenburgs Stadtoberhaupt Andreas Weber und Bothels Samtgemeinde-Chef Dirk Eberle, zufrieden. Auch Paul Mathias Bantz als Vertreter der Mediziner hatte „einen insgesamt guten Eindruck“, wie er sagte.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Reinhard Grindel und Kathrin Otte, zweite Vorsitzende des Gemeinnützigen Netzwerk für Umweltkranke (Genuk), waren wenig erbaut vom Auftritt der Ministerin. „Es hat Klarheit über den zeitlichen Ablauf der Untersuchungen gegeben“, sagte Rotenburgs Rathauschef Weber. Zwar sei der Eindruck geblieben, dass die Ergebnisse auch früher hätten geliefert werden können, doch am Ende müsse er anerkennen, dass das Gesundheitsamt des Landkreises sachgerecht gearbeitet habe. Dafür sei er, Weber, dankbar.

Eberle schlug in die gleiche Kerbe. Für ihn sei klar geworden, dass eine wissenschaftlich und juristisch abgesicherte Herangehensweise Zeit benötige. „Das ist allerdings für uns und die betroffenen Menschen schmerzlich“, sagte Bothels Samtgemeindebürgermeister. Kritik übte Eberle jedoch daran, dass sich die Landesregierung noch immer beharrlich weigere, den Zusammenhang zwischen erhöhten Krebsraten und Erdgasförderung als Hypothese herzustellen. „Das muss das Land machen“, forderte Eberle.

Unterstützung bekommt er dabei von CDU-Mann Grindel. Er attestierte der Gesundheitsministerin auf seiner Facebook-Seite ein „schwaches Auftreten“. Gegenüber unserer Zeitung legte Grindel nach: „Der präventive Ansatz der Gefahrenabwehr muss in den Vordergrund.“ Es müsse möglich sein, sämtliche bestehenden Genehmigungen zur Erdgasförderung und zur Verpressung von Lagerstättenwasser auszusetzen, bis klar ist, ob erhöhte Krebsraten wirklich damit in Zusammenhang stehen.

Ganz und gar unzufrieden war Genuk-Vize Otte. Sie hatte erwartet, dass der Rundt-Besuch in Rotenburg lediglich eine Showveranstaltung wird. Otte und ihre Mitstreiter fordern unter anderem eine epidemiologische Studie über einen Zeitraum von zehn Jahren. Nur dadurch, so die Vereinsvorsitzende, ließen sich handfeste Aussagen treffen. Sie sei nach eigenen Worten „nachdenklich“ aus der Veranstaltung herausgegangen.

In ihrer Kritik, dass sich die Landesregierung nicht genug um das Thema Krebsrate kümmert ist Otte einer Meinung mit CDU-Mann Grindel. Dagegen hatte sich Rundt in einer vor der Versammlung verteilten Pressemitteilung des Landkreises gewehrt. Sie halte sehr wohl „eine umfangreiche Ursachensuche für unverzichtbar“.

Rundt verwies darauf, dass es unter anderem Auswertungen des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen (EKN) gebe. Außerdem habe das Ministerium eines Auswertung von wissenschaftlichen Untersuchungen zu den Risikofaktoren des Multiplen Myeloms in Auftrag gegeben und Experten des Landesgesundheitsamtes seien in der Arbeitsgruppe des Landkreises vertreten. Hinzu komme, dass das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) alle Daten zur Erdgasförderung zur Verfügung stelle.

Vor dem Kreishaus demonstrierten derweil Mitglieder der IG Wiedau aus Bellen gegen eine geplante Reststoffbehandlungsanlage von ExxonMobil.

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