Schüler des Ratsgymnasiums pflegen Kriegsgräber in Belgien

„Das geht nicht mehr aus dem Kopf“

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Eckard Teichgräber spricht mit der Rotenburger Kreiszeitung über das Engagement des Rotenburger Ratsgymnasiums auf dem Soldatenfriedhof in Lommel (Flandern).

Rotenburg - Von Heinz Goldstein. Eckard Teichgräber ist Englisch- und Geschichtslehrer am Rotenburger Ratsgymnasium. Seit Jahren leitet und organisiert er das „Lommel-Projekt“ an der Schule. Was ist an Lommel, einer Kleinstadt in Flandern (Belgien) circa 20 Kilometer von der holländischen Grenze entfernt, so wichtig, dass die Rotenburger Schule sich dort seit 30 Jahren engagiert? Im einem Gespräch mit Teichgräber hat die Kreiszeitung auf diese und weitere Fragen Antworten erhalten, die beweisen, dass die heutige Jugend ihre Augen vor schrecklichen Geschehnissen aus der deutschen Vergangenheit nicht verschließt. Die Schüler sind auch bereit etwas zu tun, damit sich solche Gräueltaten nicht wiederholen.

„Der Zweite Weltkrieg begann in Belgien 1940 und endete dort 1944“, weiß der Geschichtslehrer. Eigentlich sei in Lommel kein reiner Soldatenfriedhof, sondern eher eine Kriegsgräberstätte. „Dort an diesem Ort liegen nicht nur gefallene deutsche Soldaten sondern auch diejenigen Ausländer, die für Hitlers Wahnsinn auf der deutschen Seite gekämpft haben“, so der Lehrer. Rund 40  000 Tote ruhen dort in Reih und Glied. Weil auch heute in Belgien bei Erdarbeiten immer noch Reste von Kriegsopfern gefunden werden, die an Hand einer Erkennungsmarke identifiziert werden können, wächst der Friedhof selbst 70 Jahre nach dem Krieg stetig.

„Einmal dort gewesen, vergisst man diesen Anblick der vielen Tausend Grabsteine nie.“Als von der amerikanischen Armee 1945 eingerichteter Friedhof wurde dieser Ort 1959 als Kriegsgräberstätte eingeweiht, der durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) betrieben wird. Seit 1990 befindet sich dort eine internationale Jugendbegegnungsstätte.

Damit kommt das Ratsgymnasium ins Spiel, denn seit 30 Jahren fahren die Neunt- und Zehntklässler für eine Woche dort hin und betreiben in Lommel Gräberpflege. In diesem Jahr hat die Schule einen Kooperationsvertrag mit dem VDK geschlossen, um verschiedene Geschichtsmodule im Geschichtsunterricht verpflichtend anzubieten, so Teichgräber. „Dazu gehören Themen wie Nationalsozialistische Herrschaft, Judenverfolgung und Zeitzeugenbefragungen. „Das ist in Deutschland einzigartig.“

In der einen Woche Aufenthalt in Lommel beschäftigen sich die Schüler dort neben der Gräberpflege unter anderem mit der Aufarbeitung von Einzelschicksalen der Toten und führen historische Erkundungen durch studieren von Dokumenten durch. Vorträge zum Thema Frieden gehören ebenfalls zum Programm. Der angebotene Besuch des KZ-Durchgangslager Breendonk gehört ebenfalls zum Aufenthalt. „Alle gesammelten Eindrücke passen in den Lehrplan der Schule zum Thema Friedenserziehung.“ Die Vergangenheit habe gezeigt, dass die Schüler diese Erlebnisse nicht vergessen. „Die bleiben im Kopf.“ Das gute Gefühl, mit der Grabpflege praktisch etwas gemacht zu haben, um den Toten eine würdige Grabstätte zu erhalten, sei ein wichtiger Aspekt des Aufenthaltes. Da die dort begrabenen Toten „ewiges Ruherecht“ haben, werde die Schule auch auf lange Sicht weiter dort tätig sein, so Teichgräber. Er lobt das große Engagement und Interesse der Gymnasiasten. Im Zusammenhang mit Kriegsgräberpflege nimmt das Ratsgymnasium auch an der Haus- und Straßensammlung des VDK, am 14. November teil.

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