Datenbank zu den Verdiensten der Sparkassen-Chefs

Deutlich mehr Gehalt als die Kanzlerin

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Zu hoch? Die Sparkassen in der Region schweigen sich über die Vorstandsgehälter aus. Bundesweit sind jetzt viele Zahlen bekannt geworden. 

Rotenburg - Von Michael Krüger. Wie viel darf ein Sparkassenchef verdienen? Schon oft ist über die Bezüge von Bankmanagern gestritten worden, auch die Sparkassen-Vorstände sind dabei ins Blickfeld geraten. Die Rechercheplattform Correctiv.org hat nun erstmals die verfügbaren Daten von 287 der 417 Sparkassen im Jahr 2014 analysiert. Auffällig: Die Gehälter sind hoch – und wirken teilweise beliebig. Chefs kleiner Sparkassen verdienen mitunter mehr als ihre Kollegen größerer Banken. Das könnte auch in der Region der Fall sein.

Im Vergleich zu den Millionengehältern in der freien Bankwirtschaft sind die Zahlen zwar überschaubar, für sich sehen die Gehälter der Sparkassen-Vorstände aber durchaus stolz aus, wenn auch mit einer großen Spannbreite: Die Chefs der Sparkassen verdienen zwischen 88.000 und 867.900 Euro im Jahr. Dort, wo die Bilanzsumme am höchsten ist, ist auch das Gehalt an der Spitze wenig überraschend am größten. Bei den Anstalten des öffentlichen Rechts liegt bundesweit laut Correctiv der Vorstandschef der Kreissparkasse Köln mit 867.900 Euro im Jahr vorne. Die Rechercheplattform informiert auch beim Kurznachrichtendienst Twitter über ihre Analysen.

Keine Pflicht zur Veröffentlichung

Eine Pflicht zur Veröffentlichung der Gehälter gibt es in Niedersachsen nicht. „Es gibt kein Landesgesetz, das die individuelle Offenlegung der Vorstandsgehälter der Sparkasse vorschreibt“, betont Mathias Schröder, Sprecher der Sparkasse Rotenburg-Bremervörde. Die Gehälter der beiden Vorstände Reinhard Krüger und Stefan Kalt in seinem Kreditinstitut bezeichnet er als „branchenüblich und marktgerecht“. Wie hoch sie sind, sagt er jedoch nicht. Das tut allerdings Correctiv in seiner Analyse: Die Gesamtbezüge der beiden Vorstände lagen im Jahr 2014 bei 690.000 Euro, heißt es. Eine Summe, die vergleichsweise hoch wäre. 

Denn nach den vorliegenden Recherchen zahlen andere Sparkassen, die eine ähnliche Bilanzsumme wie Rotenburg-Bremervörde aufweisen, deutlich weniger: Bei der Sparkasse Bensheim sind es pro Vorstandsmitglied demnach 300.500 Euro, bei der Sparkasse Miltenberg-Obernburg 260.000 Euro. Das Dementi aus dem Vorstandsreferat der Sparkasse Rotenburg-Bremervörde kommt prompt. Er weise darauf hin, so Sprecher Schröder, dass die angegebene „Höhe der Vergütung der Vorstände nicht den Tatsachen entspricht“. Ob sie tatsächlich höher oder niedriger sind, lässt er offen.

Sind die Bezüge angemessen?

Besonders in Nordrhein-Westfalen ist die Diskussion bereits entfacht, ob die Bezüge angemessen sind. Dort fordern Politiker mehrerer Parteien verbindliche Regeln für Gehaltsgrenzen. Was angemessen ist und was nicht, wird stets unterschiedlich beurteilt. Fakt ist aber zum Beispiel: Knapp 60 Prozent der ausgewerteten Sparkassen in ganz Deutschland zahlen laut Correctiv ihren Vorständen mehr als die etwa 282.000 Euro, die Angela Merkel als Kanzlerin inklusive ihrer Bezüge als Abgeordnete erhält.

Die Sparkasse Scheeßel lehnt konkrete Angaben ebenfalls unter Berufung auf fehlende gesetzliche Grundlagen ab. Vorstand Jürgen Lange: „Die Vergütung halten wir für angemessen und marktgerecht.“ In den Correctiv-Recherchen tauchen die Scheeßeler nicht auf, bei nach der Bilanzsumme vergleichbar großen Instituten sind es 273.500 Euro (Verbandssparkasse Goch-Kevelaer-Weeze und Stadtsparkasse Wetter) pro Chef und Jahr.

Politiker entscheiden über Prämien

Vom Sparkassenverband Niedersachsen heißt es zu den Kriterien, nach denen das Gehalt eines Sparkassenvorstandes festgelegt wird: „Das Bilanzvolumen, das Kreditvolumen und das Wertpapiervolumen der jeweiligen Sparkasse“, so Pressesprecher Michael Schier. Über die Anstellungsbedingungen eines Vorstandsmitgliedes entscheide aber der Verwaltungsrat der jeweiligen Sparkasse in eigener Verantwortung. Dem gehören bei der Sparkasse Rotenburg-Scheeßel zum Beispiel 15 Mitglieder unter dem Vorsitz von Landrat Hermann Luttmann (CDU) an, darunter neun Lokalpolitiker. Deren Wirken betrachtet Correctiv nach der Recherche kritisch: „Die Kommunalpolitiker, die in den Verwaltungsräten der Sparkassen sitzen, entscheiden über angemessene Prämien. Viele sind bei der Bewertung der wirtschaftlichen Lage aber überfordert. Das nutzen Sparkassenvorstände offenbar aus. Dem Vernehmen nach planen sie gerne vorsichtig, legen sich die Latte also bewusst niedrig, um sie dann relativ zu überspringen. Dafür gibt es dann einen großzügigen Bonus.“

Auch die dritte große Bank in der Region, die Volksbank Wümme-Wieste, nennt die Vorstandsgehälter nicht selbst. „Bei mittelständischen Unternehmen der Privatwirtschaft ist es nicht üblich und auch nicht gesetzlich gefordert, dass Gehälter der Geschäftsführung offengelegt werden“, sagt Vorstand Matthias Dittrich. Tatsächlich sind die genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken auch anders organisiert. Sie sind quasi ein privater Club, der sich eine Vereinsführung bezahlt – und somit Privatsache der Mitglieder. Es gibt laut Dittrich aber „auch in der genossenschaftlichen Finanzgruppe Richtlinien und Empfehlungen der Verbände unter anderem zur Dotierung von Vorständen in Abhängigkeit zur Institutsgröße, die von unseren Aufsichtsgremium bei der Bemessung der Gesamtdotierung beachtet werden“. Die Zahlen, die sich daraus ergeben, dürften laut Correctiv nicht weit entfernt liegen von denen etwa gleichgroßer Sparkassen.

https://correctiv.org

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