Provision für Schwarzarbeit: Sottrumer Betreiber entlässt Mitarbeiter

Flüchtlingsarbeit zu Dumpinglöhnen

Die Flüchtlingsheime betreibende Firma Human Care aus Sottrum gehört zur K&S-Unternehmensgruppe. - Foto: Tisemann

Sottrum - Von Michael Krüger. Provision für Schwarzarbeit von Flüchtlingen: Selbst mit Dumpinglöhnen lässt sich in Deutschland offenbar gutes Geld verdienen. Sogar Mitarbeiter von Flüchtlingsunterkünften vermitteln illegale Jobs und verlangen dafür einen Teil des ohnehin niedrigen Lohnes. Die Spur dieser Machenschaften führt auch nach Sottrum.

Der Einzelfall aus dem Landkreis Rotenburg könnte Ausdruck eines florierenden Systems sein. Ein Mitarbeiter des Betreibers Human Care in Sottrum hat demnach Flüchtlingen bessere Quartiere und illegale Jobs, etwa in einer Diskothek auf der Reeperbahn, angeboten und dafür den halben Lohn verlangt. Firmensprecherin Sabine Henkel bestätigte am Dienstag den Vorfall: „Der ehemalige Mitarbeiter Herr A. war in der Zeit von Oktober 2015 bis Juli 2016 in unserer Gemeinschaftsunterkunft in Neu Wulmstorf angestellt. Er war aufgrund seiner kulturellen und sprachlichen Qualifikation als Unterstützer unserer Fachkräfte tätig.“ 

Human Care kündigte dem Mitarbeiter

Im Juli habe das in Sottrum ansässige Unternehmen – eine Tochtergesellschaft der K&S-Unternehmensgruppe, die vor allem für ihre Seniorenheime bekannt ist – aus dem näheren beruflichen Umfeld sowohl von Mitarbeitern, Bewohnern und Ehrenamtlichen Hinweise erhalten, die den Verdacht nahelegten, dass Herr A. versuchte, gegen Provision Wohnungen und Jobs zu vermitteln. Der Landkreis Harburg bestätigte den Fall, Human Care kündigte dem Mitarbeiter und stellte einen Strafantrag. „Bislang gab es in unseren Einrichtungen keinen vergleichbaren Vorfall“, versicherte Henkel. Nach eigenen Angaben betreibt Human Care mit seinen 330 Mitarbeitern 106 Unterkünfte in sechs Bundesländern. Um Vorfälle dieser Art zu vermeiden, setze das Unternehmen „als präventives Mittel auf eine gute und enge Kommunikation zwischen unseren Landesbeauftragten, unseren Mitarbeitern und Auftraggebern“, so Sprecherin Henkel.

Der NDR hat mit eigenen Recherchen die Gesamt-Problemlage zusammengetragen. Zwar gibt nach dem NDR-Bericht keine verlässlichen Zahlen, laut einer Studie der Universitäten Tübingen und Linz arbeiteten jedoch bis zu 30 Prozent der 1,1 Millionen Flüchtlinge, die im vergangenen Jahr nach Deutschland gekommen sind, in illegalen Jobs. Der Zoll habe allerdings bundesweit nur etwa zehn Fälle pro Monat aufgedeckt, hieß es. Ein Sprecher der Zollverwaltung sagte, man habe bisher keine Hinweise darauf, dass Flüchtlinge flächendeckend auf dem Schwarzmarkt tätig seien. Sozialarbeiter in Niedersachsen und Berlin gehen nach NDR-Angaben davon aus, dass zehn bis 50 Prozent der Flüchtlinge nicht angemeldete Jobs hätten.

Leute profitieren von der Not der Flüchtlinge

Um Schwarzarbeit zu finden, quartieren sich dem NDR-Bericht zufolge viele Asylbewerber in größeren Städten wie Hamburg oder Berlin in Matratzenlagern oder bei Freunden ein. Sie arbeiteten dann etwa als Tellerwäscher oder Putzkräfte, um ihre Familien zu versorgen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund unterhält in Hamburg die Beratungsstelle „Arbeit und Migration“. Jährlich meldeten sich dort etwa 60 Flüchtlinge, die um ihren Lohn betrogen oder schlecht behandelt wurden. „Es profitieren ziemlich viele Leute davon, dass andere in Not sind“, sagte die Gewerkschafterin Emilija Mitrovic.

Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) forderte mehr Qualifikationsangebote für Schutzsuchende. „Flüchtlinge müssen wie alle anderen Beschäftigten fair und angemessen bezahlt werden“, sagte Bundesvorsitzender Wolfgang Stadler. Die Awo setze sich dafür ein, dass Neuzuwanderer die Möglichkeit haben, in Deutschland schnell am Arbeitsleben teilzunehmen.

Die Flüchtlingshilfsorganisation Pro Asyl wies darauf hin, dass es zum Problem der Schwarzarbeit von Flüchtlingen keine bundesweit belastbaren Daten gebe. Dass diese Menschen sich auch für Dumpinglöhne anstellen lassen, sei eine Folge der verfehlten Asylpolitik, sagte Geschäftsführer Günter Burghardt. So hätten etwa Afghanen keinen Zugang zu Sprachkursen, auch werde immer mehr Menschen der Flüchtlingsstatus verweigert.

Mehr zum Thema: 

Mitangeklagter wirft Ex-Lageso-Mitarbeiter Korruption vor

Mehr zum Thema:

BVB holt mit starkem 2:2 bei Real den Gruppensieg

BVB holt mit starkem 2:2 bei Real den Gruppensieg

Bayer holt sich mit 3:0 gegen Monaco Selbstvertrauen

Bayer holt sich mit 3:0 gegen Monaco Selbstvertrauen

Widerstand der Rebellen in Aleppo bricht immer mehr zusammen

Widerstand der Rebellen in Aleppo bricht immer mehr zusammen

Kruse mit Turban: Werder-Training am Mittwoch

Kruse mit Turban: Werder-Training am Mittwoch

Meistgelesene Artikel

Jugendliche prügeln und treten 14-Jährigen

Jugendliche prügeln und treten 14-Jährigen

Chefarzt wehrt sich

Chefarzt wehrt sich

Schlägerei an der Sporthalle: Junge weiter im Krankenhaus

Schlägerei an der Sporthalle: Junge weiter im Krankenhaus

„Vollbremsung für das Diako“

„Vollbremsung für das Diako“

Kommentare