Interview mit Eckhard Lang, Flüchtlingsberater beim Diakonischen Werk

„Fehler rächen sich nun“

Rotenburg - Seit einem Jahr hält das Thema Flüchtlinge auch den Landkreis Rotenburg in Atem. Wir haben uns über die Lage mit Eckhard Lang, Flüchtlingsberater beim Diakonischen Werk in Rotenburg, unterhalten. Er ist in seinem Job ganz nah dran an den Menschen.

Herr Lang, die Kanzlerin hat vor einem Jahr gesagt, „Wir schaffen das“. Hatte sie Recht?

Eckhard Lang: Ja, sie hatte Recht. Sie hat damals eine menschenwürdige Entscheidung getroffen, auch im Sinne von Österreich und Ungarn. Vor einem Jahr saßen Hunderttausende in diesen Ländern fest – ohne Dach über dem Kopf und bei Temperaturen, wie wir sie bis vor kurzem hatten. Es wird einige Jahre, wenn nicht sogar ein ganzes Jahrzehnt dauern. Aber wenn alle gesellschaftlichen Gruppen daran mitarbeiten, wird die Integration der Flüchtlinge gelingen.

Wie bewerten Sie die aktuelle Lage in der Stadt und im Landkreis Rotenburg?

Lang: Es ist alles wieder etwas ruhiger und besonnener geworden. Die ersten Flüchtlinge sind anerkannt, und andere haben schon eine Arbeits- oder Ausbildungsstelle gefunden, wiederum andere warten noch auf die Teilnahme am Sprachkurs oder auf den Bescheid vom Bundesamt.

Sie als Flüchtlingsberater haben einen anderen Blick auf die Entwicklung als Mitarbeiter in der Verwaltung. Wo drückt zurzeit oder sogar nach wie vor der Schuh?

Lang: Bis vor einigen Wochen haben noch viele Flüchtlinge auf ihre Anhörung beim Bundesamt gewartet. Mittlerweile sind fast alle Flüchtlinge, die teilweise schon im vergangenen Jahr gekommen sind, mit Bussen zur Anhörung in den großen Erstaufnahmeeinrichtungen gefahren worden. Die Fehler der Vergangenheit rächen sich nun. Das Bundesamt hatte zu wenig Einzelentscheider, die Anhörungen durchführen, und hat zu spät reagiert. Schon im Jahr 2014 hätte mehr Personal eingestellt und für die Anhörungen geschult werden müssen.

Was macht das lange Warten auf die ersehnte Anerkennung mit den Menschen?

Lang: Viele leiden darunter, dass sie noch keinen Bescheid vom Bundesamt erhalten haben. Allerdings muss man dem Bundesamt zugestehen, dass es sich sehr bemüht – gerade in den letzten Wochen wurden sehr viele Altfälle angehört. Einige verlieren ihre Geduld und hadern mit dieser ungewissen Situation. Als Berater können wir nur versuchen, Trost zu spenden und auf die große Zugangszahl hinweisen.

Was ist bei der Hilfe für die Flüchtlinge wünschenswert?

Lang: Wünschenswert ist aus meiner Sicht, dass die Asylanträge schneller, aber auch kompetent entschieden werden, davon hängt die Pers-pektive der Flüchtlinge ab. Ich wünsche mir weiterhin eine offene und zugewandte Aufnahmegesellschaft und eine nicht nachlassende Motivation der Ehrenamtlichen, sich für die Flüchtlinge einzusetzen. 

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